30 Okt
Originaltitel: Kakushi-toride no san akunin (1958), von Akira Kurosawa
Als Kurosawas größter kommerzieller Erfolg gilt diese im von Kriegen zerrissenen Japan spielende Abenteuergeschichte um eine Prinzessin, einen Goldschatz sowie zwei Bauern, die zu Vorbildern für R2D2 und C3PO wurden. Ein überaus unterhaltsames und doch mit einigem Tiefgang ausgestattetes Meisterwerk.
Handlung
Die beiden Bauern Matakichi (Kamatari Fujiwara) und Tahei (Chiaki Minoru) sind gerade dem Gefangenenlager entkommen, als sie auf Reste des Goldschatzes des von den Yamada besiegten Akizuki-Klans stoßen. Mit Hilfe dieses Goldschatzes wollen General Rokurota Makabe (Toshiro Mifune) und die überlebende Prinzessin Yuki (Mise Uehara) die Regentschaft ihres Klans wiederherstellen. Rokurota macht sich die beiden Bauern durch Zwang und die Förderung ihrer Gier als Lastträger zunutze, denn es gilt, erst das Feindesland unentdeckt zu durchqueren.
Doch die beiden Tolpatsche versuchen ständig, dem charismatischen General ein Schnippchen zu schlagen und bringen dadurch wiederholt die gesamte Gruppe in Gefahr, entdeckt zu werden. Nur durch Rokurotas Ideenreichtum, Wagemut und Kampfkraft, verbunden mit einer gehörigen Portion Glück, gelingt es der Gruppe, in diversen scheinbar ausweglosen Situationen doch noch ein Hintertürchen zu finden. Mit Hilfe eines alten Kampfgefährten Rokurotas gelingt es ihnen schließlich, die Grenze zu einem befreundeten Fürstentum zu erreichen.
Kritik
In “Die verborgene Festung” nutzte Kurosawa zum ersten Mal das Breitbild-Format und es zeigt sich, dass seine Ästhetik der langen Tele-Aufnahmen, der Einbeziehung grandioser Landschaften und seiner Bildkomposition davon sehr profitierten. Deutlich wird dies etwa in den Szenen der Gefangenschaft und Befreiung von Matakichi und Tahei (atemberaubende Massenszenen auf der Treppe einer zerstörten Burg, offensichtlich eine Hommage an Sergej Eisenstein) oder die Einstellung der auf einem Berggipfel ihr Schicksal betrauernden Prinzessin Yuki.
Kurosawa erzählt die Geschichte aus der Perspektive der beiden Bauern, die sich ähnlich wie Laurel und Hardy permanent streiten, aber eigentlich dicke Freunde sind. Durch diese Umkehrung der sozialen Pyramide stellt er die Konventionen des chambara-Genres auf den Kopf und fügt der traditionellen Abenteuer- und Actiongeschichte Elemente einer Buddy-Komödie hinzu, eine sehr moderne Mischung, die ja gerade in den letzten Jahren in allen erdenklichen Kombinationen ausprobiert wurde. Auch in anderer Hinsicht war “Die verborgene Festung” sehr einflussreich: die Geschichte war maßgebliche Inspiration für Georg Lucas’ Krieg der Sterne. Neben der Eröffnungssequenz mit Matakichi und Tahei in der Wüste ist findet sich Lucas Blockbuster auch die Schlussszene, die Ehrung der beiden durch die Prinzessin, fast eins zu eins wieder.
Doch der Film erzählt auch die Geschichte einer verwöhnten und verzogenen jungen Prinzessin, die durch ihre ersten Erfahrungen außerhalb des Hofes viel über die Menschen, das Leben und dessen Wert lernt. Dieser unübersehbare charakterliche Reifeprozess ist es letztlich, der sie vor dem sicheren Tod rettet und es ihr erst ermöglicht, die Mission zu Ende zu führen und ihrem Haus wieder zu Ansehen zu verhelfen.
Außerdem bietet “Die verborgene Festung” Toshiro Mifune in einer Paraderolle als aufrechten, unbezwingbaren Samurai-General. Keine Macht der Welt kann Roturoka davon abhalten, sein Ziel, die Wiedereinsetzung der Prinzessin, zu erreichen. Aber dieses Ziel hat er sich nicht selbst gesetzt, es wurde ihm durch seine sozialen Verpflichtungen, seine Loyalität gegenüber dem Haus Akizuki, auferlegt. Insofern unterscheidet sich Roturoka von anderen Helden Kurosawas, da ihm die Möglichkeit fehlt, auf die sozialen Strukturen selbst einzuwirken.
Kurosawas Anspruch an sich selbst war immer, mit einer unterhaltsamen aber zugleich tiefgründigen Geschichte Zuschauer mit den unterschiedlichsten Ansprüchen gleichermaßen in seinen Bann zu ziehen. Meiner Meinung nach ist ihm dies hier so gut gelungen wie in kaum einem anderen seiner Filme, weshalb “Die verborgene Festung” für mich zu seinen besten zählt.
2 Kommentare for "Die verborgene Festung"
danke für den eintrag!
ja, das mit dem probieren … so lange kein auge oder schwanz mehr dran hängt, dann versuch ich das schon.
ok. ich halte mich von den oberlippen-bärtchen-tragenden dingen fern, danke
eigentllich mag ich gar keine gewürzgurken … und auch kein rotkraut. aber die standen da soo nett im regal
wann warst du in japan?
oder bist du noch hier?
gruss
Hallo und willkommen ataje!
Hey, als Deutscher in Japan musst du doch unsere nationale Ehre hochhalten und deutsche Gurken und Rotkraut essen, das ist ja wohl das mindeste!
Zu deiner Frage: Ich selbst hab nie in Japan gelebt, habe aber mehrfach Freunde besucht und so mehrere Monate in Japan verbracht. Ist jetzt so 2-3 Jahre her. Muss mich damals mit dem Japan-Virus der Variante “große Filmkunstwerke” infiziert haben, und das Ergebnis siehst du ja jetzt. Gibts denn japanische Filme, die du besonders empfehlen kannst, oder die dich interessieren würden? Vielleicht kann ich ja was empfehlen…
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