Originaltitel: Madadayo (1993), von Akira Kurosawa

“Madadayo” ist die letzte Regierarbeit Kurosawas, in welcher der 1998 verstorbene Großmeister des japanischen Kinos die Schlachtfelder früherer Filme wie “Ran”, “Kagemusha” oder “Die Sieben Samurai” hinter sich lässt.

Handlung

Der Film beginnt mit der Mitteilung des Deutschprofessors Uchida (Tatsuo Matsumara) an seine Schüler, er werde sich aus der Lehrtätigkeit zurückziehen. Der Film begleitet in der Folge den Professor und seine ihn verehrenden Schüler durch den Zweiten Weltkrieg und bis in die 1970er Jahre hinein. Er schildert das Leben Uchidas und seiner Frau, wie ihr Haus von Bomben zerstört wird und die zu Wohlstand gekommenen ehemaligen Schüler ihnen unter die Arme greifen. In alljährlichen Treffen wird der Professor, der nach dem Ende seiner Lehrtätigkeit Essays und Gedichte verfasst, gefeiert. Über die Jahre verändern sich die Umstände dieser Feier, doch ihr Charakter bleibt erhalten. Ebenso das zentrale Ritual dieser Feiern: die Schüler fragen Uchida: “Mahda-kai?” (”Fertig?”) und er antwortet: “Mahda-dayo!” (”Noch nicht!”).

Kritik

Mit “Madadayo” schuf Kurosawa ein einfühlsames Porträt eines lebensfrohen, nachdenklichen und liebenswerten Menschen, der sich weder durch die im Krieg erlittenen Verluste noch die Beschwernisse des Alterns unterkriegen lässt, und dessen Beziehungen zu anderen Menschen, insbesondere seiner Ehefrau und seiner Schüler. Dabei geht Kurosawa sehr subtil vor: Die Dialoge sind oft durch eine gewisse oberflächliche Komik geprägt und die eigentlich entscheidenden Hinweise auf die Beziehungen der Charaktere zueinander werden in kleinen Gesten zum Ausdruck gebracht.
Kurosawa legte bei den Dreharbeiten größten Wert auf Details, um die für die Aussage und die Entwicklung der Charaktere so wichtigen Stimmungen einfangen zu können. Um die Szene drehen zu können, in der Uchida und seine Frau in ihrer kleinen Hütte den Gang der Jahreszeiten verfolgen, wurde etwa keineswegs Kunstschnee verwendet sondern tatsächlich im Abstand von mehreren Monaten jeweils kurze Aufnahmen gemacht.

Der Titel “Madadayo” bezieht sich übrigens auf die Rufe japanischer Kinder beim Versteckspiel: Die Suchenden rufen “Mahda-kai” und das sich versteckende Kind “Mahda-dayo” bis es ein gutes Versteck gefunden hat. Dies wird auch in der letzten Szene zum Höhepunkt des Films, als der alte Uchida erschöpft von einer weiteren Feier mit seinen Schülern im Schlaf von den Spielen der Kindheit träumt. Madadayo wird damit zum Ausdruck des unbedingten Lebenswillens, des Sich-versteckens vor dem – letztlich unausweichlichen – Tod.