24 Sep
Originaltitel: Yojimbo (1961), von Akira Kurosawa
Im Japan des Jahres 1860 kommt der Ronin Sanjuro (Toshiro Mifune) in eine Stadt, in der sich zwei rivalisierende Banden um die Vorherrschaft streiten. Er beginnt, den Bordellbesitzer Seibei (Seizaburô Kawazu) gegen den Gastwirt Ushitora (Kyu Sazanka) auszuspielen, mit dem Ziel, dass sie sich gegenseitig auslöschen, und bietet sich dabei mal dem einen, mal dem anderen als Leibwächter (japanisch: Yojimbo) an. In die Quere kommt ihm bei seinen Plänen der misstrauische Unosuke (Tatsuya Nakadai), Ushitoras mit der überlegenen Kampfkraft einer Pistole ausgestatteter jüngerer Bruder. Er durchschaut Sanjuros Vorhaben, überwältigt ihn und besiegt anschließend Seibei und dessen Sippe. Als Sanjuro sich schließlich befreien kann, kommt es zum Showdown zwischen ihm und Unosuke.
“Yojimbo” enthält viele Elemente des klassischen Westerns, reichert diese aber mit einem großen Maß an Grausamkeit und moralisch zwiespältigen Gestalten an, allen voran der Yojimbo selbst. Nicht zuletzt dadurch wurde der Film zur Vorlage für die späteren Italo-Western und leitete eine grundlegende Wandlung des traditionellen Jidaigeki-Genres ein, das sich seit Ende der 1950er Jahre in einer tiefen Krise befand. Inspiriert durch die offene Darstellung von Gewalt, abgehackten Gliedmaßen und Blutlachen in “Yojimbo”, wurden die tanzartigen Chanbara-Schwertkämpfe innerhalb kürzester Zeit durch die Gemetzel ersetzt, die man heute mit den trashigen Martial-Arts-Filmen in Verbindung bringt. Kurosawa selbst bedauerte diese, durch seinen Film maßgeblich angestoßene Entwicklung später ausdrücklich.
Doch auch für den amerikanischen Western hatte der Film große Bedeutung. Besondere die karikierende, überzogene Darstellung der Charaktere und die Demontage des Helden fanden schon kurz darauf Eingang in das Genre. Bereits in der Eingangssequenz wird der Mythos des aufrechten Helden im wahrsten Sinne des Wortes angekratzt: Die Kamera zeigt in Großaufnahme den Rücken des sich kratzenden Mifune. Im Verlauf der Handlung werden die guten Seiten des Ronin (Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeitsempfinden) immer wieder mit den negativen (Zynismus, Gewaltbereitschaft) kontrastiert: Er massakriert scharenweise Menschen, um die Banden gegeneinander aufzuhetzen, und lehnt sich dann vergnügt zurück und verfolgt mit großem Spaß die Kämpfe der Banditen untereinander. Damit stellt er den idealen “Helden” für eine aus den Fugen geratene Welt dar, in der der Mensch zum Tier wird, symbolisiert durch einen Hund, der Yojimbo am Anfang des Films aus dem Dorf entgegen kommt, eine abgehackte menschliche Hand im Maul.
Dieser Pessimismus, Zynismus und der Einsatz von Gewalt waren Elemente, die von Sergio Leone für sein Remake Für eine Handvoll Dollar aufgriff und damit den US-Western auf den Kopf stellte. Eigentlich handelte es sich dabei aber weniger um ein Remake als ein Plagiat, da die italienische Produktionisfirma weder von Toho noch von Kurosawa die Rechte dazu erhalten hatte. Nach langjährigem Rechtsstreit (der unter anderem dazu führte, dass Für eine Handvoll Dollar erst mit mehrjähriger Verspätung in die US-Kinos kam) wurde Kurosawa eine Beteiligung am Einspielergebnis zugesprochen. Kurosawa selbst wiederum soll durch den Roman “Red Harvest” von Dashiell Hammett inspiriert worden sein, was er selbst jedoch in Interviews bestritt.
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