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	<title>Japankino &#187; Mizoguchi Kenji</title>
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	<description>Filme und Filmgeschichte des japanischen Kinos</description>
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		<title>Osen mit den Papierkranichen</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Jan 2010 21:16:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Wiesmüller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gendaigeki Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Mizoguchi Kenji]]></category>

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		<description><![CDATA[Original: Orizuru Osen (1935) von Kenji Mizoguchi
An einem Bahnsteig auf den Zug wartend erinnert sich der wohlhabende Arzt Sokichi (Daijiro Natsukawa), wie er im Alter von 17 Jahren von der ihm völlig fremden Osen (Isuzu Yamada) vom Selbstmord abgehalten wurde. Osen gehörte zu einer Bande von Betrügern, die sie und ihre Schönheit als Lockvogel einsetzten; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Original: Orizuru Osen (1935) von Kenji Mizoguchi</em></p>
<p>An einem Bahnsteig auf den Zug wartend erinnert sich der wohlhabende Arzt Sokichi (<a href="http://www.imdb.com/name/nm0622404/">Daijiro Natsukawa</a>), wie er im Alter von 17 Jahren von der ihm völlig fremden Osen (<a title="Kurzbiographie von Isuzu Yamada bei Japankino" href="http://www.japankino.de/2006/isuzu-yamada/">Isuzu Yamada</a>) vom Selbstmord abgehalten wurde. Osen gehörte zu einer Bande von Betrügern, die sie und ihre Schönheit als Lockvogel einsetzten; Sokichi wird als Dienstbote in die Bande aufgenommen und fortan von deren Mitgliedern permanent beleidigt, ausgebeutet und misshandelt. Angewidert von den immer skrupelloseren Plänen der Betrüger, die sogar vor Mönchen nicht halt machen, und hingezogen zu dem still leidenden Sokichi beginnt Osen, sich gegen die Bande aufzulehnen. Eines Tages nutzen die beiden eine Gelegenheit und verraten die Verbrecher an die Polizei.</p>
<p>Doch die Wende zum Guten ist trügerisch: Sokichi kann nun zwar endlich seinem Medizinstudium nachgehen, doch Osen, die für sein Studium und ein Dach über dem Kopf aufkommen muss, sieht keinen Ausweg als sich heimlich zu prostituieren. Als ein Freier Uhr und Geldbörse bei ihr vergisst und ihr vorwirft, diese gestohlen zu haben, wird sie  verhaftet und von Sokichi getrennt, der in genau diesem Moment von einem Hilferuf aus seinen Gedanken zurück in die Realität auf dem Bahnsteig gerissen wird. Eine alte Prostitutierte ist ohnmächtig geworden &#8211; Sokichi erkennt sie sofort, es ist Osen!</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1333" title="Orizuru Osen Screenshot 1" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2010/01/vlcsnap-141077.jpg" alt="Orizuru Osen Screenshot 1" width="450" height="337" /></p>
<p>Die Vergleiche zum 17 Jahre später entstandenen <a title="Zur Japankino Filmkritik von Das Leben der Frau Oharu" href="http://www.japankino.de/2008/das-leben-der-frau-oharu/">Das Leben der Frau Oharu</a>, einem der ganz großen Meisterwerke Mizoguchis und des japanischen Kinos überhaupt, drängen sich förmlich auf. Dabei ist die ähnlich angelegte Story vom Abstieg einer Frau bei weitem nicht die einzige Parallele zwischen den Filmen, auch die auf Flashbacks basierende Erzählstruktur findet sich in beiden Werken.</p>
<p>Zudem gibt es einige Szenen, die fast wie Probeläufe für das spätere Meisterwerk wirken. So etwa die Einführung Osens: Wir sehen sie, wie sie sich auf der Flucht vor einem Bordellbesitzer (an den Sie von der Betrügerbande zum Schein verkauft wurde) hinter einem Baum versteckt und sich das Kopftuch zurecht rückt; eine fast identische Szene taucht auch in Oharu auf (man vergleiche den letzten Screenshot in der oben verlinkten Rezension mit dem unten abgebildeten).</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1332" title="Orizuru Osen Screenshot 2" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2010/01/vlcsnap-137678.jpg" alt="Orizuru Osen Screenshot 2" width="450" height="337" /></p>
<p>Überhaupt ist in <em>Osen mit den Papierkranichen</em> der berühmte Mizoguchi-Stil unverkennbar. Die visuelle und konzeptionelle Entwicklung, die er und besonders seine beühmten Jidaigeki-Filme noch nehmen sollten, ist hier ganz klar vorgezeichnet und sein &#8220;one take &#8211; one scene&#8221;-Ansatz  schon sehr weit entwickelt. Oft sind es allein die im Stummfilm notwendigen Zwischentitel, die eine Szene unterbrechen.</p>
<p>Schnitte versucht er so weit wie möglich zu vermeiden, sei es mittels Kameraschwenks die so schnell sind, dass sie fast wie Schnitte wirken (aber eben keine sind) oder seiner berühmten Kamerafahrten, die hier noch etwas wackelig sind, aber für die damalige Zeit wahrscheinlich überaus aufwändig und technisch anspruchsvoll waren. Sehr häufig wird auch innerhalb einer Szene die Hauptaufmerksamkeit durch Rearrangements der Charaktere oder Rahmung in kleinen Einheiten auf einen anderen Teil des Bildes verlagert &#8211; teilweise auch kombiniert mit Kamerabewegungen.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1331" title="Orizuru Osen Screenshot 3" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2010/01/vlcsnap-144646.jpg" alt="Orizuru Osen Screenshot 3" width="450" height="337" /></p>
<p>Was sich dagegen mit seinem späteren distanzierten Stil nicht verträgt und offenbar noch ein Kennzeichen des jungen Mizoguchi ist, sind die Großaufnahmen, speziell von Osen aber auch von Sokichi. Auch die dramatisch-ergreifende Schlusssequenz würde sich mit ihren visuellen Effekten nur schwer mit seinen späteren Filmen vertragen: Nachdem Sokichi die bewusstlose Osen vom Bahnsteig in ein Krankenhaus brachte, erfährt er, dass sie den Verstand verloren hat. Plötzlich springt sie vom Krankenbett auf und beginnt wahnhaft, den geliebten Sokichi ihrer Jugend gegen die Betrügerbande zu verteidigen und rettet ihn in ihrer Vorstellung auch erneut vor dem Selbstmord.</p>
<p>Wenn auch ungewöhnlich im Vergleich zu dem, was ich bisher von Mizoguchi gesehen habe, so ist dieser Einsatz von Spezialeffekten doch äußerst effizient und bringt die Botschaft des Films klar auf den Punkt: Osen hat ihr Leben so sehr der Aufopferung für Sokichi gewidmet, dass selbst in ihrer vom Wahnsinn geprägten Gedanken- und Traumwelt sich alles um ihn dreht und sie seine ewige Beschützerin ist. Sokichi dagegen sitzt beschämt daneben, war er doch nur dank Osens Opfer zu einem wohlhabenden Arzt geworden, ohne auch nur einmal den Versuch unternommen zu haben, ihr etwas zurück zu geben.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1330" title="Orizuru Osen Screenshot 4" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2010/01/vlcsnap-143429.jpg" alt="Orizuru Osen Screenshot 4" width="450" height="357" /></p>
<p><em>Osen mit den Papierkranichen</em> ist in nahezu jeder Hinsicht &#8211; inhaltlich, stilistisch &#8211; ein direkter Vorläufer der großen  Klassiker Mizoguchis aus den 1950ern über Frauen, die sich aus Liebe zu einem Mann in ein Leben voller Leiden und Entbehrung stürzen und ganz und gar aufopfern. Auch wenn hier vieles noch etwas ungelenk und unfertig wirkt und die Geschichte um die Betrügerbande etwas zu dominant dargestellt wird, hier liegen unübersehbar die Wurzeln eines der herausragendsten Regisseure des 20. Jahrhunderts!</p>
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		<title>Tokyo March</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jan 2010 19:07:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Wiesmüller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gendaigeki Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Mizoguchi Kenji]]></category>

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		<description><![CDATA[Original: Tokyo koshinkyoku (1929) von Kenji Mizoguchi

Nur 20 Minuten (von 80 bzw. 102 Minuten, je nach Quelle) sind noch von diesem Film erhalten &#8211; der angeblich der erste Tonfilm Japans werden sollte, was dann aber wegen technischen Problemen nicht umzusetzen war &#8211; was die Wiedergabe der Story etwas erschwert. So sind beispielsweise alle Szenen, in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Original: Tokyo koshinkyoku (1929) von Kenji Mizoguchi<br />
</em></p>
<p>Nur 20 Minuten (von 80 bzw. 102 Minuten, je nach Quelle) sind noch von diesem Film erhalten &#8211; der angeblich der erste Tonfilm Japans werden sollte, was dann aber wegen technischen Problemen nicht umzusetzen war &#8211; was die Wiedergabe der Story etwas erschwert. So sind beispielsweise alle Szenen, in denen die von Takako Irie gespielte Sayuriko auftritt, verloren. Heute ist von dem Film noch die folgende Handlung nachvollziehbar.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1314" title="Screenshot Tokyo March 1" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2010/01/vlcsnap-130784.jpg" alt="Screenshot Tokyo March 1" width="450" height="337" /></p>
<p>Im hektischen Tokyo schlägt sich Michiyo (<a title="Mehr bei IMDb" href="http://www.imdb.com/name/nm0622406/">Shizue Natsukawa</a>) grade so durch &#8211; sie lebt bei ihrem Onkel,  ihre Mutter verstarb als Michiyo noch ein Kind war. Noch am Sterbebett hatte die Geisha ihre Tochter gewarnt, sich zu verlieben und nahm das Geheimnis um Michiyos Vater mit ins Grab. Eines Tages wird Yoshiki (<a title="Mehr bei IMDb" href="http://www.imdb.com/name/nm0793548/">Koji Shima</a>), Sohn aus gutem Hause, auf Michiyo aufmerksam, verliebt sich vom Fleck weg in sie und schwört sich, sie aus ihrem harten Leben zu befreien. Doch er findet Michiyo nicht mehr, sie wurde als Geisha verkauft und trägt nun den Namen Orie.</p>
<p>Erst Monate später begegnet sie ihm erneut, als Orie unterhält sie Gäste auf einer Party. Die beiden sehen sich wieder und verlieben sich ineinander. Doch nicht nur Yoshiki fällt Orie auf, auch sein Kollege Sakuma interessiert sich für die Schönheit &#8211; und sein eigener Vater. Dieser ist nämlich zugleich der Vater Michiyos, dessen Identität ihre Mutter so gut verborgen hatte. So heiratet Michiyo schließlich Sakuma, während Yoshiki sich von den beiden Richtung Amerika verabschiedet.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1316" title="Screenshot Tokyo March 2" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2010/01/vlcsnap-113387.jpg" alt="Screenshot Tokyo March 2" width="450" height="337" /></p>
<p>Der Literatur zufolge spielten in <em>Tokyo March</em> ursprünglich Kritik an Standesunterschieden und den Lebensverhältnissen von Reich und Arm eine wichtige Rolle, davon ist in den heute noch erhaltenen Fragmenten wenig übrig geblieben. Allein zu Beginn des Films, als Michiyos ärmliche Verhältnisse geschildert und dem reichen, Tennis spielenden Yoshiki gegenübergestellt werden, ist diese Thematik präsent. Da mit Takako Irie eine weitere weibliche Hauptrolle existierte, die offenbar eine piekfeine Dame spielte, kann ich mir aber sehr gut vorstellen, dass Mizoguchi zwischen diesem Charakter und der verarmten, als Geisha verkauften Michiyo einen starken Kontrast aufgebaut und damit Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen inszeniert haben könnte.</p>
<p>Die heute verbliebenen Fragmente zeigen hauptsächlich eine tragische Liebesgeschichte, eingerahmt von Bildern  Tokyos aus den 1920er Jahren. Von den berühmten langen Einstellungen und Kamerafahrten aus Mizoguchis späteren Werken ist hier noch wenig zu sehen, kein Wunder, mussten in dem Stummfilm ja die Zwischentitel untergebracht werden, so dass ständige Schnitte notwendig waren. Auch die große Distanz, die Mizoguchi später zu den Darstellern halten würde, fehlt hier ganz, Nahaufnahmen werden häufig genutzt. Dafür wartet der Film mit einigen intelligenten Effekten und Perspektiven auf. Die oben bereits geschilderte erste Begegnung Michiyos mit dem Tennis spielenden Yoshiki wäre ein Beispiel dafür ebenso wie die Sterbeszene von Michiyos Mutter, mit dem Schatten der jungen Michiyo im Hintergrund.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1315" title="Screenshot Tokyo March 3" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2010/01/vlcsnap-97445.jpg" alt="Screenshot Tokyo March 3" width="450" height="337" /></p>
<p>Gerade sechs Jahre nach dem Beginn seiner Regiekarriere hatte Mizoguchi bereits mehr als 40 Filme geschaffen, <em>Tokyo March</em> ist der zweitälteste, von dem noch Fragmente erhalten sind. Wegen dieses fragmentarischen Charakters fällt es mir zwar schwer, den Film einzuordnen. Aber allein das schiere Alter und der allgegenwärtige Vergleich mit den späteren Meisterwerken Mizoguchis machen <em>Tokyo March</em> doch zu einem interessanten und faszinierenden Seherlebnis.</p>
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		<title>Die Festmusik von Gion</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Apr 2009 12:43:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Wiesmüller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gendaigeki Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Mizoguchi Kenji]]></category>

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		<description><![CDATA[Original: Gion Bayashi (1953) von Kenji Mizoguchi
Nach dem Tod ihrer Mutter sucht die 16jährige Eiko (Ayako Wakao) Zuflucht in dem Geisha-Haus, in dem ihre Mutter einst arbeitete. Dort nimmt die respektierte und etwas traditionelle Miyoharu (Michiyo Kogure) sie unter ihre Fittiche und ermöglicht ihr die teure Ausbildung zur Geisha, die Eiko in Rekordzeit ablegt.
Bei ihrem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Original: Gion Bayashi (1953) von Kenji Mizoguchi</em></p>
<p>Nach dem Tod ihrer Mutter sucht die 16jährige Eiko (<a title="Mehr bei IMDb" href="http://www.imdb.com/name/nm0906723/">Ayako Wakao</a>) Zuflucht in dem Geisha-Haus, in dem ihre Mutter einst arbeitete. Dort nimmt die respektierte und etwas traditionelle Miyoharu (<a title="Mehr bei IMDb" href="http://www.imdb.com/name/nm0463152/">Michiyo Kogure</a>) sie unter ihre Fittiche und ermöglicht ihr die teure Ausbildung zur Geisha, die Eiko in Rekordzeit ablegt.</p>
<p>Bei ihrem Debut begegnen Miyoharu und Eiko (nun unter ihrem Künstlernamen Miyoei) dem Geschäftsmann Kusuda, einem wichtigen Stammkunden. Kusuda (<a title="Mehr bei IMDb" href="http://www.imdb.com/name/nm0442951/">Seizaburo Kawazu</a>) versucht gerade, einen Regierungsauftrag an Land zu ziehen und beglückt dazu den zuständigen Beamten mit allerlei schönen Dingen – unter anderem Geisha-Darbietungen. Kusuda entgeht nicht, dass der Beamte ein Auge auf Miyoharu geworfen hat, und lädt sie und Miyoei zu einem Besuch in Tokyo ein. Nicht ahnend, dass Kusuda seinem Kunden eine Nacht mit Miyoharu versprochen hat, nehmen die beiden die Einladung an. Als der Plan jedoch auffliegt ist die Empörung groß, und als sich Miyoei auch noch den Annäherungsversuchen Kusudas gewaltsam erwehrt, kommt es schließlich zum Eklat.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-974" title="Screenshot Gion Bayashi 1" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2009/04/vlcsnap-14099630.jpg" alt="" width="450" height="338" /></p>
<p>Zum Auftakt von Gion Bayashi, während Eiko in den verschiedensten Künsten vom Blumenstecken über Tanz bis zum Shamisen-Spiel unterrichtet wird, wird das traditionelle Bild der Geisha als Künstlerin zelebriert. In einer Szene spricht eine Lehrerin sogar ausdrücklich davon, dass Geishas neben dem Fujiyama das Sinnbild Japans und japanischer Kultur schlechthin seien. Nachdem Mizoguchi dieses Bild sorgsam aufgebaut hat, macht er sich im weiteren Verlauf des Films daran, es Stück für Stück zu zertrümmern und dem Zuschauer vor Augen zu führen, wie sehr Geishas als Ware und Verhandlungsmasse instrumentalisiert und dabei auf ihren Körper reduziert werden.</p>
<p>Diesen Gegensatz aus Anspruch und Realität verstärkt Mizoguchi besonders dadurch, dass er dem ersten Drittel des Films mit Eikos Aufnahme im Geisha-Haus, der Suche nach einem Bürgen, ihrer Ausbildung inklusive frühem Aufstehen und schließlich ihrer Einführung in die &#8220;Gesellschaft&#8221;, viele kleine Details mitgibt und so einen schon fast halbdokumentarischen Charakter verleiht. So gewinnt der Film eine große Authentizität und Glaubwürdigkeit, welche sich dann auch auf die Darstellung der Schattenseiten überträgt.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-975" title="Sreenshot Gion Bayashi 2" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2009/04/vlcsnap-14100270.jpg" alt="" width="450" height="338" /></p>
<p>Bei der Ausleuchtung dieser Schattenseiten ist besonders erschütternd, dass keineswegs nur die Geschäftsmänner, die Sex zur Durchsetzung ihrer Deals nutzen, die Integrität der Geishas unterminieren. Vielmehr werden die größeren Strukturen, in denen die Geishas ihrer Arbeit nachgehen, offengelegt: Seniorität, finanzielle Abhängigkeiten, Intransparenzen, Machtkalkül und kaltes Profitdenken regieren hier wie anderswo auch. Letztlich wird Miyoharus Widerstand von einer wohlhabenden und einflussreichen ehemalige Geisha und Förderin mittels massivem Druckes gebrochen: Um finanziell zu überleben und Eikos Zukunft nicht zu runieren, gibt Miyoharu ihre Würde und Integrität auf und willigt letztlich in Kusudas Plan ein.</p>
<p>Dabei unterstreicht Mizoguchi die vielfältigen Abhängigkeiten, das Ausgeliefertsein der Geishas, mittels eindringlicher  Bilder. Immer wieder zeigt er Miyoharu und Eiko allein oder gemeinsam durch einen engen, dunklen Tunnel gehen oder von ihren Kunden durch Vorhänge oder Stellwände visuell getrennt.</p>
<p>Jenseits dieser kritischen Betrachtung der Welt der Geishas besticht der Film aber auch mit zwei großartigen Hauptdarstellerinnen, die wunderbar harmonieren. Ayako Wakao gibt ihrem Charakter eine herrliche jugendliche Naivität, Aufgewecktheit und Liebenswürdigkeit mit, während Michiyo Kogure ihre Rolle bei aller Erfahrenheit und Abgeklärtheit mit großer Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft, aber auch mit spürbarer Verzeiflung und innerer Zerrissenheit angesichts der Bedrohung ihrer Integrität und ihres Selbstverständnisses ausstattet. Wie diese beiden unterschiedlichen Frauen zu Freundinnen werden, und &#8211; vergeblich &#8211; versuchen, dem Druck standzuhalten, gibt dem sozialkritischen <em>Gion Bayashi</em> ein sehr menschliches Antlitz.</p>
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		<title>The Woman in the Rumour</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Feb 2009 20:48:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Wiesmüller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gendaigeki Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Mizoguchi Kenji]]></category>

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		<description><![CDATA[Original: Uwasa no onna (1954) von Kenji Mizoguchi
Hatsuko (Kinuyo Tanaka) betreibt ein Geisha-Haus in Kyoto &#8211; hinter dessen gut gehenden Geschäften sich Prostitution verbirgt &#8211; und führt eine recht undurchsichtige Beziehung mit dem deutlich jüngeren Arzt Matoba (Tomoemon Otani). Als sie ihre Tochter Yukiko (Yoshiko Kuga), die wegen einer gescheiterten Beziehung einen Selbstmordversuch unternommen hat, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Original: Uwasa no onna (1954) von Kenji Mizoguchi</em></p>
<p>Hatsuko (<a title="Mehr bei IMDb" href="http://www.imdb.com/name/nm0849011/">Kinuyo Tanaka</a>) betreibt ein Geisha-Haus in Kyoto &#8211; hinter dessen gut gehenden Geschäften sich Prostitution verbirgt &#8211; und führt eine recht undurchsichtige Beziehung mit dem deutlich jüngeren Arzt Matoba (<a title="Mehr bei IMDb" href="http://www.imdb.com/name/nm0652743/">Tomoemon Otani</a>). Als sie ihre Tochter Yukiko (<a title="Mehr bei IMDb" href="http://www.imdb.com/name/nm0473984/">Yoshiko Kuga</a>), die wegen einer gescheiterten Beziehung einen Selbstmordversuch unternommen hat, wieder nach Hause holt, erscheinen schnell Risse in ihrer scheinbar so respektablen Fassade.</p>
<p>Denn Yukiko verabscheut nicht nur das Geschäft, an dem ihre Mutter so gut verdient, sie erweckt auch das Interesse Matobas. Dessen Sympathien für Hatsuko beschränkten sich offenbar auf ihre Absicht, ihm eine Praxis zu finanzieren. Zunehmend verzweifelt versucht Hatsuko, Matoba an sich zu binden, während  Yukiko sich von ihrem traumatischen Selbstmordversuch erholt und sich langsam gegenüber den Frauen des Hauses öffnet und deren Vertrauen gewinnt. Als sie jedoch erfährt, dass Matoba ihr sein Verhältnis zu ihrer Mutter verheimlichte und diese hintergangen hat, bricht ihr altes Trauma wieder hervor.</p>
<p><a href="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2009/02/vlcsnap-48029.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-884" title="Screenshot Woman in the Rumour 1" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2009/02/vlcsnap-48029.jpg" alt="" width="450" height="335" /></a></p>
<p>Was mich an <em>The Woman in the Rumour</em> von der ersten Minute an fesselte, war die unglaubliche Präsenz von Kinuyo Tanaka, die ich bisher vor allem aus Filmen wie <a title="Zur Japankino-Rezension" href="http://www.japankino.de/2008/das-leben-der-frau-oharu/">Das Leben der Frau Oharu</a>, <a title="Zur Japankino-Rezension" href="http://www.japankino.de/2007/die-mutter/">Die Mutter</a> oder <a title="Zur Japankino-Rezension" href="http://www.japankino.de/2008/equinox-flower/">Equinox Flower</a> kannte, in denen sie typischerweise still leidende, passive Frauenrollen gegeben hatte. Hier dagegen ist sie als eine unabhängige, quirlige, vor Leben und Aktivität geradezu übersprudelnde Geschäftsfrau kaum wiederzuerkennen. Erst im Laufe des Films, mit der aufkeimenden Verzweiflung, kommt die von ihren anderen Rollen bekannte Leidensfähigkeit hervor, die hier aber mit großem Widerstandswillen verbunden ist und sich keineswegs auf eine passiv-leidende Rolle beschränkt.</p>
<p>Dennoch ist unübersehbar, dass sie und ihre Tochter Yukiko nach und nach die Rollen tauschen: Yukiko steht anfangs noch ganz unter dem Eindruck ihres Selbstmordversuchs, sondert sich ab, zeigt offen ihre Verachtung für das Geschäft des Hauses und dessen Bewohnerinnen. Auch den aufrecht besorgten Matoba hält sie zunächst auf Distanz und isoliert sich bewusst.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-887" title="Screenshot Woman in the Rumour 4" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2009/02/vlcsnap-52161.jpg" alt="" width="450" height="335" /></p>
<p>Eine schwere Erkrankung bei einer der &#8220;Geishas&#8221; um die sie sich rührend kümmert, bricht dann jedoch das Eis, ihre Stimmung hellt sich merklich auf, sie öffnet sich für andere Menschen und nicht zuletzt für Matoba, wodurch sie unbewusst bei ihrer Mutter eine genau gegenteilige Entwicklung in Gang setzt.</p>
<p>Manifestationspunkt dieses Rollentauschs ist der gemeinsame Besuch eines Noh-Stücks, in dem eine alte Frau veralbert wird, die sich in einen jungen Mann verliebt hat. Während Yukiko und Matoba sich köstlich amüsieren, erkennt Hatsuko natürlich die Parallelität und zieht sich verwirrt und niedergeschlagen allein zurück. Erst als der Auslöser und Angelpunkt dieser Entwicklung, die Unaufrichtigkeit und Heuchelei des Arztes Matoba, den beiden Frauen klar wird, Yukiko mit einer Schere auf ihn losgeht und dadurch das Konkurrenzverhältnis hinfällig wird, ergibt sich wieder ein emotionales Gleichgewicht.</p>
<p><a href="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2009/02/vlcsnap-63759.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-886" title="Screenshot Woman in the Rumour 3" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2009/02/vlcsnap-63759.jpg" alt="" width="450" height="335" /></a></p>
<p><em>The Woman in the Rumour</em>, ein Jahr nach <a title="Mehr bei IMDb" href="http://www.imdb.com/title/tt0045814/">Gion Bayashi</a> und zwei vor <a title="Mehr bei IMDb" href="http://www.imdb.com/title/tt0048933/">Street of Shame</a> (Mizoguchis letzter Film) entstanden, stellt in mancher Hinsicht so etwas wie das verbindende Glied zwischen diesen beiden Filmen dar. Alle drei beschäftigen sich mit den Lebensverhältnissen von Geishas und dem schmalen Grad zur Prostitution, wobei <em>Gion Bayashi</em> sich noch am stärksten mit dem klassischen Ideal auseinandersetzt, das bei <em>Woman in the Rumour</em> nur noch Fassade ist und in <em>Street of Shame</em> völlig abhanden gekommen ist.</p>
<p>Auch wenn Yukiko &#8211; und damit ein Stück weit auch wir als Zuschauer &#8211; ihre Abneigung gegen die menschenverachtende Ausbeutung der Frauen hinter sich lässt, ruft Mizoguchi ähnlich wie in den beiden anderen erwähnten Filmen mittels eines jungen Mädchens, das aus materieller Not in die Prostitution gerät, den wahren Charakter am Ende wieder in Erinnerung. Mit Mizoguchis vorherigen Meisterwerken kann <em>The Woman in the Rumour</em> zwar nicht mithalten, aber er ist ein sehr typischer Mizoguchi und allemal sehenswert, gerade im Kontext mit seinen anderen Geisha-Filmen.</p>
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		<title>Tales of the Taira Clan</title>
		<link>http://www.japankino.de/2008/tales-of-the-taira-clan/</link>
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		<pubDate>Thu, 27 Nov 2008 22:09:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Wiesmüller</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Mizoguchi Kenji]]></category>

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		<description><![CDATA[Original: Shin heike monogatari (1955), von Kenji Mizoguchi
Zur Abwechslung mal ein Mizoguchi, der nicht die Leidensgeschichte von Frauen zum Thema hat, sondern der sich mit einer Legende aus der japanischen Geschichte befasst, nämlich der vom Aufstieg der Taira unter ihrem Führer Kyomori in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts unserer Zeit. Kurz zum Hintergrund: Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Original: Shin heike monogatari (1955), von Kenji Mizoguchi</em></p>
<p>Zur Abwechslung mal ein Mizoguchi, der nicht die Leidensgeschichte von Frauen zum Thema hat, sondern der sich mit einer Legende aus der japanischen Geschichte befasst, nämlich der vom Aufstieg der Taira unter ihrem Führer <a title="Mehr bei Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Taira_no_Kiyomori">Kyomori</a> in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts unserer Zeit. Kurz zum Hintergrund: Die Macht im Japan der <a title="Mehr bei Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heian-Zeit">Heian-Zeit</a> lag in den Händen einer adligen Beamtenkaste sowie einiger mächtiger Klöster, es gab teilweise mehrere Kaiser gleichzeitig, die sich Samuraiheere hielten, aus denen sich mächtige Clans entwickelten, darunter die Taira.</p>
<p><img class="size-full wp-image-734" title="Screenshot 1 Taira Clan" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2008/11/vlcsnap-70645.jpg" alt="" width="450" height="345" /></p>
<p>Gerade kehrt der kaisertreue Clan von einer Schlacht zurück, als Kyomori Taira (<a title="Mehr bei IMDb" href="http://www.imdb.com/name/nm0406737/">Raizo Ichikawa</a>) erfährt, dass er möglicherweise ein unehelicher Sohn des abgedankten Kaisers Shirakawa ist. Er bedrängt seinen Ziehvater Torodai, Führer des Clans, ihm die Wahrheit zu verraten. Doch dieser kennt die Ambitionen des jungen Kyomori und dessen Verachtung für die adligen Beamten und die Mönche, die den Aberglauben der Menschen ausnutzen, um ihre Macht zu sichern, und will den Ehrgeiz Kyomoris zügeln.</p>
<p>Doch im Tode gibt Torodai das Geheimnis schließlich preis und Kyomori, der zuvor bereits den Konflikt mit dem Beamtenapparat gesucht hatte, nutzt eine sich bietende Gelegenheit, um die Mönche zu konfrontieren und den Untergang der alten Ordnung einzuleiten.</p>
<p><img class="size-full wp-image-736" title="vlcsnap-73742" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2008/11/vlcsnap-73742.jpg" alt="Screenshot 3 Taira Clan" width="450" height="345" /></p>
<p>Auf den ersten Blick hat der Film wenig mit den sehr viel bekannteren Meisterwerken Mizoguchis zu tun, in denen oft Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen im Zentrum stehen. Doch auch <em>Tales of the Taira Clan</em> erzählt die Geschichte eines Kampfes gegen ungerechte Verhältnisse, nämlich den der Samurai um Anerkennung und Teilhabe an der Macht, die ihnen von den auf sie herabblickenden Adligen verwehrt wird und passt sich insofern gut in das Werk ein. Ungewöhnlich sind jedoch die häufigen und opulent ausgestalteten Massenszenen.</p>
<p>Der Film beginnt direkt auf einem belebten Markt, auf dem Mizoguchi in seiner charakteristischen Art durch Kamerafahrten immer wieder den Schwerpunkt verschiebt und neue Personen ins Zentrum rückt. So vergehen fast zwei Minuten, bis für die Ankunft der aus der Schlacht zurückkehrenden Taira ein erster Schnitt erfolgt, der aber gleich zu einer noch beeindruckenderen Szenerie überleitet, siehe den ersten Screenshot. Solche Szenen habe ich bisher bei den sehr auf die Charaktere fokussierten anderen Filmen Mizoguchis kaum gesehen, und auch wenn sie exzellent inszeniert sind, wirken sie doch irgendwie erzwungen.</p>
<p>Sehr viel typischer sind dann doch die vielen ruhigen Momente des Films, in denen Kyomori sich zunächst die Achtung seines Clans erarbeitet, das Rätsel seiner Herkunft löst und sich darüber mit seiner Mutter überwirft. In der Beschränkung und Ruhe der häuslichen Szenen zeigt sich die Genialität des Meisterregisseurs, wenn er etwa Kyomori vor seinen Kämpfern eine Art Fechtübung aufführen lässt, bei der dessen Bewegungen sich ausschließlich auf den Raum zwischen zwei Balken beschränken und so auf extreme Weise die Aufmerksamkeit auf einen winzigen Teil des Bildes fokussiert wird.</p>
<p><a href="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2008/11/vlcsnap-71667.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-735" title="Screenshot 2 Taira Clan" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2008/11/vlcsnap-71667.jpg" alt="" width="450" height="345" /></a></p>
<p>Auf Grund der Komplexität des historischen Hintergrunds (der zum Auftakt selbst für die japanischen Zuschauer lang und breit durch einen Off-Erzähler erklärt werden musste) ist es manchmal nicht ganz einfach, dem Film und seiner Handlung zu folgen. Dazu trägt auch bei, dass neben dem Aufstieg Kyomoris und dem Rätsel seiner Herkunft als dritter Haupthandlungsstrang auch noch eine Liebesgeschichte eingebaut wurde. Hier hätte ich mir etwas mehr Konzentration gewünscht, entweder auf die persönliche Geschichte des Hauptcharakters, oder auf die Historie.</p>
<p><em>Tales of the Taira Clan</em> ist zwar ein guter und durchaus sehenswerter Film, der den meisten Regisseuren zur Ehre gereichen würde, der neben Mizoguchis anderen Filmen trotz des betriebenen materiellen Aufwands aber doch ziemlich verblasst.</p>
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		<title>Das Leben der Frau Oharu</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Jul 2008 21:59:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Wiesmüller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jidaigeki Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Mizoguchi Kenji]]></category>

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		<description><![CDATA[Original: Saikaku ichidai onna, (1952) von Kenji Mizoguchi
Am Ende ihres Lebens blickt Oharu (Kinuyo Tanaka) auf ihre Jugend als Hofdame in Edo zurück, wie sie sich in Katsunosuke (Toshiro Mifune) verliebte, der jedoch einem niederen Stand angehörte, wie sie und ihre Familie wegen dieser Affäre in die Verbannung geschickt wurden und sie daraufhin ein lebenslanges [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Original: Saikaku ichidai onna, (1952) von Kenji Mizoguchi</em></p>
<p>Am Ende ihres Lebens blickt Oharu (<a href="http://www.imdb.com/name/nm0849011/">Kinuyo Tanaka</a>) auf ihre Jugend als Hofdame in Edo zurück, wie sie sich in Katsunosuke (<a href="http://www.imdb.com/name/nm0001536/">Toshiro Mifune</a>) verliebte, der jedoch einem niederen Stand angehörte, wie sie und ihre Familie wegen dieser Affäre in die Verbannung geschickt wurden und sie daraufhin ein lebenslanges Martyrium aus Ausbeutung, Erniedrigung und Missbrauch durchstehen musste. Als Konkubine eines mächtigen Fürsten sollte sie diesem einen Erben schenken, doch als der geboren ist, wird sie vom Hof vertrieben. Ihr permanent in Selbstmitleid schwelgender Vater verkauft sie in die Prostitution, sie wird als Dienerin eines reichen Händlers von dessen Frau misshandelt und von ihm missbraucht.</p>
<p><img id="image555" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2008/07/vlcsnap-36112.jpg" alt="Screenshot Life of Oharu 2" /></p>
<p>Als sie endlich einen Mann findet, der sie aufrichtig liebt und für den ihre Vergangenheit keine Rolle spielt, währt das Glück &#8211; wie könnte es anders sein &#8211; nicht lange: Er wird wegen ein bisschen Geld ermordert, der Besitz fällt an seine Familie und Oharu zieht sich verzweifelt zu den Nonnen in einen Tempel zurück. Doch ihre Vergangenheit holt sie ein, erneut wird sie ausgestoßen und landet als Bettlerin und Prostituierte auf der Straße.</p>
<p>Mizoguchis <em>Das Leben der Frau Oharu</em> basiert auf dem 1686 von <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Ihara_Saikaku">Ihara Saikaku</a> verfassten Roman <em>Kōshoku Ichidai Onna</em> (Das Leben einer amourösen Frau). Saikaku war besonders für komödiantisch-erotische Geschichten aus dem Leben der aufstrebenden Händlerschicht bekannt, und auch dieses Werk ist <a href="http://www.japankino.de/2007/mizoguchi-and-japan/">Mark Le Fanu</a> zufolge eine Aneinanderreihung erotischer Abenteuer der Heldin. Insofern stellt Mizoguchis tragische Herangehensweise an den Stoff eine atemberaubende 180-Grad-Wendung dar: Er stellt den Charakter der Geschichte komplett auf den Kopf, ohne aber am Plot selbst wesentliche Änderungen vorzunehmen. Man kann sich das etwa so vorstellen als würde jemand die <em>Buddenbrooks</em> als Komödie verfilmen.</p>
<p><img id="image554" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2008/07/vlcsnap-34265.jpg" alt="Screenshot Life of Oharu 1" /></p>
<p>Wie gelingt Mizoguchi und seinem Drehbuchautor Yoshikata Yoda dieses Kunststück? Indem er den Auslöser für Oharus langsamen aber unaufhaltbaren Niedergang in eine aufrichtige, tiefe Liebesgeschichte verwandelt und die Heldin, deren Liebe gegen gesellschaftliche Konventionen verstößt, mit Würde, Stolz und der ganzen Sympathie des Zuschauers ausstattet. Ihre thematische Verknüpfung mit wahrer Liebe wird noch verstärkt, als sie dem Fürsten einen Thronfolger gebärt und nun ihre Mutterliebe zu ihrer stärksten Triebfeder wird.</p>
<p>Die Liebe zu dem ihr entrissenen Sohn &#8211; die Mizoguchi in zwei kurzen, verzweifelten Begegnungen verdeutlicht, in denen Oharu den Thronfolger nur aus der Distanz sehen darf, siehe Screenshot unten &#8211; und die Erinnerung an die große, wahre Liebe ihres Lebens lassen sie dann all das Leiden, die Enttäuschungen und das allein auf ihren Körper begrenzte Begehren der Männer sowie die daraus folgenden Erniedrigungen ertragen. Grandios gespielt natürlich von Kinuyo Tanaka, einer der vielseitigsten und überzeugendsten Schauspielerinnen ihrer Generation.</p>
<p><img id="image557" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2008/07/vlcsnap-62185.jpg" alt="Screenshot Life of Oharu 4" /></p>
<p>Doch nicht nur die Männer bekommen ihr Fett weg, Mizoguchi prangert eine ganze Gesellschaftsordnung an, die voller Scheinheiligkeit Werte propagiert und deren Einhaltung fordert, dann aber eine aufrichtige und aufrechte Frau wie Oharu ausbeutet, verstößt und erniedrigt. Seien es der Vater, der seine Tochter für ihre Liebe zu einem einfachen Mann verprügelt, sie dann aber zunächst zur Konkubine und schließlich zur Prostituierten macht. Oder der Händler, der aus Geiz und Stolz nie in ein Bordell gehen würde, es dann aber schamlos ausnutzt, als er Oharu umsonst haben kann. Und nicht zu vergessen die Nonne, die Frau des Händlers und natürlich all die Höflinge, denen die Familie und ihr Fortbestand so viel Wert ist, dann aber in Oharu nur eine Gebärmaschine sehen, obwohl sie es ist, die den Fortbestand des Familienclans sichert.</p>
<p>Bemerkenswert bei all dem Leid und der Tragik ist, dass es Mizoguchi dennoch gelungen ist, einige komische Szenen zu bewahren. Zu nennen wäre etwa die Erinnerung gleich zu Beginn, als Oharu in einer Buddhastatue das Gesicht ihres geliebten Katsunosuke erkennt, das Casting zur Suche nach der Super-Konkubine oder wie Oharu sich an der Frau des Händlers rächt, indem sie eine dressierte Katze ihr die Perücke vom Kopf reißen lässt und sie so der Lächerlichkeit preisgibt.</p>
<p>Komplett aus dem Film verschwunden ist aber der amouröse Charakterzug Oharus, auch wenn Le Fanu dies anders sieht. Es ist mir völlig unbegreiflich, wie Le Fanu in der Szene, in welcher der Händler Oharu im Kloster aufsucht weil diese ihm noch Tücher schuldet und Oharu sich die in einen Kimono genähten Tücher vom Leib reisst, ein sexuelles Begehren ihrerseits erkennen will. Natürlich ist ihr klar, dass sie die Tücher mit Sex bezahlen muss, aber daraus abzuleiten, dass sie mit ihm schlafen <em>wolle</em>, widerspricht der gesamten Charakterisierung der Heldin. Vielmehr entledigt sie sich aus Abscheu und Empörung der vom Händler stammenden Kleider.</p>
<p><img id="image556" src="http://www.japankino.de/wp-content/uploads/2008/07/vlcsnap-60361.jpg" alt="Screenshot Life of Oharu 3" /></p>
<p>Oharu ist für mich die Kristallisation der tragischen, sexuell und materiell ausgebeuteten und von einem gesellschaftlichen Regime unterdrückten Frau in Mizoguchis Werk schlechthin, gewissermaßen die Essenz seines Schaffens. Auch was die Realisation des Filmes angeht ist <em>Das Leben der Frau Oharu</em> Mizoguchi vom Feinsten: Endlos lange Takes, die Vermeidung von Schnitten mittels Kamerabewegung und Arrangement der Charakter und absolute Detailversessenheit, obwohl der Meister für diesen Film nur minimale finanzielle Mittel zur Verfügung hatte. Der Film ist schwer verdauliche Kost, keine Frage, aber wenn man sich darauf einlässt ein wahrhaft erhebendes Erlebnis!</p>
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		<title>Miss Okichi &#8211; Neu entdeckter Mizoguchi?</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Mar 2008 17:15:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Wiesmüller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mizoguchi Kenji]]></category>
		<category><![CDATA[News]]></category>

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		<description><![CDATA[David Bordwell war die letzten Tage in Japan unterwegs und hat aufregendes zu berichten: Er hatte nämlich Gelegenheit, einen kürzlich in den Archiven von Shochiku entdeckten und im japanischen Fernsehen gezeigten Film namens Miss Okichi (im Original Ojo Okichi) aus dem Jahr 1935 zu sehen. Kenji Mizoguchi wird als Regisseur genannt, zusammen mit bzw. nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>David Bordwell war die letzten Tage in Japan unterwegs und hat aufregendes zu berichten: Er hatte nämlich Gelegenheit, einen kürzlich in den Archiven von Shochiku entdeckten und im japanischen Fernsehen gezeigten Film namens <em>Miss Okichi</em> (im Original <em>Ojo Okichi</em>) aus dem Jahr 1935 zu sehen. <a href="http://www.japankino.de/2006/kenji-mizoguchi/">Kenji Mizoguchi</a> wird als Regisseur genannt, zusammen mit bzw. nach Tatsunosuke Takashima (der die Drehbücher für mehrere Filme Mizoguchis geschrieben hatte), Hauptdarstellerin ist <a href="http://www.japankino.de/2006/isuzu-yamada/">Isuzu Yamada</a> und zum Plot schreibt David:</p>
<blockquote><p>A bit like <em>The Downfall of Osen</em> (<em>Orizuru Osen</em>, 1935), this film centers on a woman who’s a cat’s paw for a gang involved in shady dealings. Okichi, played by Yamada Isuzu (whose bosom I nestle against in my earlier entry), is pulling scams for the sake of her lover. But she falls out with the gang and takes pity on one of the young men whom she victimizes.</p></blockquote>
<p>Abgesehen von der mizoguchiesken Auseinandersetzung mit einer Frau, die sich für einen Mann aufopfert, weist <em>Miss Okichi</em> wohl einige weitere typische Elemente auf. Selbst wenn noch nicht klar ist, wie groß sein Anteil an dem Film letztlich war, klingt das nach einer sehr spannenden Entdeckung (und nach reichlich Arbeit für Filmhistoriker). Wer weiß, welche Schätze noch in den Archiven schlummern!</p>
<p>Neben diesem wohl absoluten Höhepunkt seiner Reise <a href="http://www.davidbordwell.net/blog/?p=2036">erzählt David</a> von Besuchen in Toeis Filmpark, Gesprächen mit alten Kollegen und Schülern und in einem <a href="http://www.davidbordwell.net/blog/?p=2014">früheren Posting</a> von einer Konferenz sowie dem Besuch am <a href="http://www.flickr.com/photos/jordan_husney/137147726/">Grab Yasujiro Ozus</a>.</p>
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		<title>Talking Silents: Stummfilme Mizoguchis auf DVD</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Jan 2008 19:34:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus Wiesmüller</dc:creator>
				<category><![CDATA[DVDs]]></category>
		<category><![CDATA[Links]]></category>
		<category><![CDATA[Mizoguchi Kenji]]></category>

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		<description><![CDATA[Das kleine japanische Label Digital Meme startete vor ein paar Monaten seine Talking Silents-Reihe mit alten Stummfilmen. Der Knüller dabei: Die Tonspuren enthalten die begleitenden Erzählungen von Benshis! (Notiz an mich selbst: Post zu Benshis schreiben!)
In Japan, silent films were not really &#8220;silent.&#8221; Back in the age of silent films, the movie theaters in Japan [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das kleine japanische Label <a href="http://www.digital-meme.com">Digital Meme</a> startete vor ein paar Monaten seine <a href="http://www.digital-meme.com/en/our_products/dvds/index.html">Talking Silents-Reihe</a> mit alten Stummfilmen. Der Knüller dabei: Die Tonspuren enthalten die begleitenden Erzählungen von <a href="http://www.japankino.de/2008/benshi/">Benshis</a>! <strike>(Notiz an mich selbst: Post zu Benshis schreiben!)</strike></p>
<blockquote><p>In Japan, silent films were not really &#8220;silent.&#8221; Back in the age of silent films, the movie theaters in Japan fascinated audiences with exciting performances in which screenings were accompanied by live music and Benshi narration. Through its new DVD product <em>Talking Silents</em> Digital Meme brings back to life this unique Japanese cultural heritage in a digital format.</p></blockquote>
<p>Die ersten beiden Editionen &#8211; welche glücklicherweise die Hamburger <a href="http://www.buecherhallen.de">Bücherhallen</a> angeschafft haben und die ich neulich mit glänzenden Augen ausgeliehen habe &#8211; drehen sich ganz um <a href="http://www.japankino.de/2006/kenji-mizoguchi/">Kenji Mizoguchi</a> und sind für den Fan wirklich unschätzbar! Auf der ersten findet sich nicht nur <a href="http://imdb.com/title/tt0024641/">Die weißen Fäden des Wasserfalls</a> von 1933, sondern auch noch der Kurzfilm <a href="http://imdb.com/title/tt0020510/">Tokyo March</a> von 1929, beide mit Benshi-Begleitung, sowie ein Interview mit dem Filmkritiker Tadao Sato und Benshi Midori Sawato. Ähnlich die zweite DVD, die neben dem Hauptfilm <a href="http://imdb.com/title/tt0026830/">The Downfall of Osen</a> noch das einzig erhaltene Fragment von <a href="http://imdb.com/title/tt0021481/">Tojin Okichi</a> sowie ebenfalls Interviews mit Tadao Sato und Midori Sawato enthält. Mehr zu den Filmen demnächst. Natürlich ist alles original japanisch, aber keine Sorge, die DVDs sind eindeutig für den internationalen Markt gedacht und enthalten sehr gute englische Untertitel. Die Ausgaben drei und vier der <em>Talking Silents</em> sind ebenfalls bereits erschienen und enthalten Filme <a href="http://imdb.com/name/nm0051765/">Tsumasaburo Bandos</a>, der Held zahlreicher Schwertkampffilme und gewissermaßen der Toshiro Mifune der Vorkriegszeit war.</p>
<p>Die Qualität des Tons ist bei den neu eingespielten Benshi-Erzählungen (die mit Klaviermusik hinterlegt sind) natürlich sehr gut, bei den etwas älteren Aufnahmen der Benshis Suisei Matsui und Shunsui Matsuda muss man dann schon Abstriche machen. Die Bildqualität ist in Anbetracht des Alters der Filme in Ordnung.</p>
<p>Die DVDs kann man direkt auf der Website von Digital Meme bestellen, bei Preisen von je 5229 Yen (ca. 34 Euro) zuzüglich Porto in unbekannter Höhe kann ich aber verstehen, wenn jetzt nicht gleich jeder zuschlägt. Was Digital Meme aber zu wünschen wäre! Die DVDs sind natürlich bei weitem nicht so opulent ausgestattet wie die der Criterion Collection, aber allein dafür, dass sie den Mut hatten, sich in diese Nische hineinzuwagen, muss man ihnen gratulieren, Respekt zollen und Erfolg wünschen. Ganbatte ne!</p>
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