Ein guter Freund hat mich heute darauf hingewiesen, dass nächste Woche mal wieder hochklassige Animationsfilme einen seltenen Auftritt im deutschen Fernsehen bekommen: ZDFkultur zeigt am 3. Oktober von 14.25 Uhr bis spät in die Nacht hinein ein abwechslungsreiches Programm aus französischen, amerikanischen und japanischen Animationsfilmen. Wobei die Beiträge aus Japan zahlenmäßig dominieren und auch die Slots zur Primetime belegen.

14.25 – Kiriku und die wilden Tiere
15.40 – Sita sings the Blues
17.15 – Genius Party Beyond
18.35 – Ponyo
20.15 – Summer Wars
22.05 – Mind Game
23.50 – Ponyo (Wiederholung)

Wer also am Tag der deutschen Einheit noch nichts vorhat, kann sich schön nen Anime-Marathon geben 😉

Danke an Bruno für den Tipp!

Überraschend flatterte neulich ein Hinweis auf die internationale Ko-Produktion Snowchild in mein Postfach, aus dem sich ein Interview mit der deutschen Regisseurin Uta Arning ergab. Sie studierte in Aachen, Tokyo und Singapur. Mehrere ihrer Kurzfilme wurden auf internationalen Festivals mit Preisen ausgezeichnet. Ihr Spielfilmdebüt Snowchild entstand in Japan mit einer überwiegend japanischen Crew und erhielt auf dem Internationalen Filmfestival in Moskau das Special Diploma of Cinema Clubs für seine außerordentliche Mischung aus ernsten und humoristischen Elementen.

Frau Arning, was ist Ihr Bezug zu Japan?

Ich habe vor Jahren ein Jahr lang an der Sophia Universität studiert und anschließend ein Praktikum in einer japanischen Firma absolviert. Während dieser Zeit wurde ich Zeugin eines Selbstmordversuchs. Ein junger Mann warf sich vor die U-Bahn in der ich saß. Dies gab den Anstoß einen Film über das Thema Selbstmord zu machen.

Snowchild erzählt eine Art düstere Märchengeschichte. Warum fiel die Wahl auf einen japanischen Kontext dafür?

Ich finde die japanische Sprache und Kultur sehr poetisch. Das Märchenhafte diente aber vielmehr als Mittel einen Film mit so einem schweren Thema „sehbar“ zu machen und dem Zuschauer einen Abstand zu dem Thema zu erlauben. Der Film lebt natürlich von der japanischen Atmosphäre geschaffen durch die Sprache und meine wunderbaren japanischen Darsteller.

Wie gestaltete sich die Arbeit vor Ort und mit der internationalen bzw. japanischen Crew? Welche Herausforderungen gab es? Was lässt sich aus der internationalen Zusammenarbeit mit Japanern lernen?

Es gab hier und da zu Beginn des Drehs in den unterschiedlichen Teams Verständigungsschwierigkeiten. Es braucht immer eine Weile, bis ein Team zusammenwächst. Selbst wenn alle Beteiligten aus dem gleichen Kulturkreis stammen. Die japanischen Teammitglieder waren überrascht, dass sie bei der Arbeit Spaß haben durften. Dieses Verständnis war ihnen fremd. Auch die Tatsache, dass sie genügend Zeit zum Essen und Schlafen hatten und es hier und da einen freien Tag gab. Einige hielten an ihrer japanischen Arbeitsweise fest und konnten sich einfach nicht erlauben sich auszuruhen.

Welche sind Ihre japanischen und welche Ihre deutschen Lieblingsfilme?

Das hängt immer von meiner Stimmung ab, nach welchem Genre mir gerade ist. Auf japanischer Seite wäre da etwa „Audition“, ein grandioser Film, „Dolls“, aber auch ein Klassiker wie „Tampopo“ oder der alte Animationsfilm über Hiroshima „Barefoot Gen“. Bei den deutschen Filmen mag ich grundsätzlich keine der typischen Problemfilme. Dann lieber „Was nützt die Liebe in Gedanken“, „Gegen die Wand“, „Das Boot“, „Tannöd“, „Alice in den Städten“ oder „Der Himmel über Berlin“.

Mit dieser Erfahrung im Hintergrund, was wäre Ihr Rat an junge Filmschaffende sowohl in Japan als auch aus Deutschland: Unbedingt mal im Ausland arbeiten?

SNOWCHILD gehörte nach Japan. Die Geschichte lebt von der einzigartigen Atmosphäre in Japan. Den Film hätte ich in keinem anderen Land so realisieren können. Man muss sich natürlich bewusst sein, dass eine Filmproduktion im Ausland immer mehr Komplikationen und Herausforderungen mit sich bringt. Dies beginnt schon bei der logistischen Planung, anderem Vertragsrecht, Kommunikationsschwierigkeiten. Ich habe die Szenen und die Charaktere mit meinen japanischen Darstellern entwickelt. Es war mir wichtig ihnen nichts aufzuzwingen, was in irgendeiner Weise der japanischen Mentalität entgegen stand und unnatürlich gewirkt hätte. Wenn sich jemand dazu entschließt einen Film im Ausland zu machen muss man gewillt sein sich den Gegebenheiten anzupassen. Sicherlich war es eine wichtige Erfahrung. Und ich weiß nicht, wohin mich der nächste Film führen wird.

Akira Kurosawa sagte zu den häufig vorgebrachten Vorwürfen, seine Filme seien zu westlich, einmal sinngemäß: „Wenn ich als japanischer Künstler keine Filme für Japaner mache, habe ich versagt.“ Für welches Publikum machen Sie Filme?

Ich denke nicht als erstes darüber nach für welchen Kulturkreis ich Filme mache. Wohl auch deshalb, weil ich an einer amerikanischen Universität in Asien (Singapur) Regie studiert habe und seit Jahren ständig unterwegs bin und eigentlich nur aus dem Koffer lebe. Ich bezeichne mich gerne als Modern Gipsy. Die Heimat meiner Filme liegt im Auge des Betrachters. Filme sollen unterhalten, uns nachdenklich machen, ablenken, entführen und Welten erschaffen. Wenn ich es schaffe, mein Publikum in eine Geschichte eintauchen zu lassen dann war ich erfolgreich.

Achja, 2011!

Normalerweise widme ich mich immer Anfang eines Jahres den Statistiken vom jeweiligen Vorjahr, das muss mir irgendwie durchgerutscht sein… also hier nun der verspätete Rückblick auf das Jahr 2011 aus Sicht der japanischen Film- und Kinoindustrie, wie immer anhand der Daten der MPPAJ, kurz „Eiren“.

Umsätze runter, aber mehr Filme in den Kinos

Wenig überraschend war 2011 ein richtig schlechtes Jahr was Besucherzahlen und Umsätze in den Kinos angeht, schließlich saßen alle vor dem Fernseher (so sie denn noch ein Dach über dem Kopf hatten) und sahen einem Kernkraftwerk beim Schmelzen zu. So kamen die japanischen Kinos auf nur 144 Millionen verkaufte Karten, ein Rückgang um 30 Mio gegenüber dem Vorjahr und der niedrigste Stand seit 2000. Das hat natürlich auch auf die Umsätze durchgeschlagen, die gegenüber dem Rekordjahr 2010 um fast 20% zurückgingen.

Interessanterweise war die Zahl der Releases von der Erdbeben-Katastrophe in keiner Weise betroffen, ganz im Gegenteil: Sowohl die Zahl der importierten (358, gegenüber 308 im Vorjahr) als auch der heimischen Filme (441 gegenüber 408) stieg kräftig an, so dass fast 800 Filme den Weg auf die Leinwände fanden. Dabei gelang es den japanischen Filmen im nunmehr vierten Jahr in Folge, sowohl zahlenmäßig wie beim Umsatz vor den importierten Titeln zu liegen: 54,9 Prozent der Einnahmen konnten sie einstreichen.

Die erfolgreichsten Filme kamen allerdings wieder aus Hollywood:

1. Harry Potter and the deathly hallows Pt 2 (Warner | 9,67 Mrd Yen)
2. Pirates of the Caribbean 4 (Disney | 8,87 Mrd Yen)
3. Harry Potter and the deathly hallows Pt 1 (Warner | 6,86 Mrd Yen)
4. From up on poppy hill (Toho | 4,46 Mrd Yen)
5. Pokemon: White Vikrini (Toho | 4,33 Mrd Yen)
6. A Ghost of a Chance (Toho | 4,28 Mrd Yen)
7. Transformers 3 (Paramount | 4,25 Mrd Yen)
8. Space Battleship Yamato (Toho | 4,1 Mrd Yen)
9. Gantz (Toho | 3,45 Mrd Yen)
10. SP 2 (Toho | 3,33 Mrd Yen)

Toho legt weiter zu, Ghibli enttäuscht

Wenn wir uns speziell die japanischen Filme etwas genauer anschauen, fällt wieder die extreme und noch weiter gestiegene Dominanz von Toho ins Auge. Von den 20 erfolgreichsten heimischen Filmen wurden 18 von Toho vertrieben, im Jahr zuvor waren es noch 15 gewesen. Und noch etwas fällt auf: From up on poppy hill stand zwar, wie es sich für einen Ghibli-Film gehört, auch wieder an der Spitze der japanischen Filme, spielte dabei aber nicht einmal die Hälfte dessen ein, was im Jahr zuvor Arrietty umgesetzt hatte. Damit schnitt Goro Miyazakis zweiter Film auch deutlich schlechter ab als sein Debut Tales from Earthsea, das 5 Jahre zuvor immerhin auf Umsätze von 7,65 Mrd Yen gekommen war. Ob diese enttäuschenden Zahlen auch dazu beigetragen haben, dass es dieses Jahr keinen Film aus dem Hause Ghibli gibt und sich das Studio ganz auf sein Dreamteam Takahata und Miyazaki senior konzentriert? Die Zukunft wird es zeigen!

In His chart

Original: Kamisama no karute (2011), von Yoshihiro Fukagawa

In einer kleinen Provinzklinik müht sich der junge, talentierte Arzt Kuriharai (Sho Sakurai) unermüdlich für das Wohl seiner Patienten. Er bemüht sich zwar, eine professionelle Distanz zu halten, reibt sich aber doch auf und vernachlässigt sein Privatleben und seine Frau Haruna (Aoi Miyazaki). Eines Tages bekommt er eine Einladung zu einem Seminar an einer renommierten Uni-Klinik und kann den leitenden Arzt dort so nachhaltig beeindrucken, dass ihm bald darauf eine Stelle angeboten wird.

Obwohl diese neue Position ihm eine stärkere Spezialisierung, Arbeit nach den neuesten Methoden und geregeltere Arbeitszeiten bringen würde, zögert er jedoch. Grund ist eine todkranke Krebspatientin, die ihm vor Augen führt, welche wichtige Rolle er im Leben und Tod einzelner Menschen spielen kann, und dieser unmittelbare Bezug zu den Patienten würde ihm in der großen Uni-Klinik verloren gehen.

Eingeschoben in die oben skizzierte Haupthandlung ist noch eine Nebenhandlung um mehrere Mitbewohner Kuriharais und seiner Frau, die wohl in einem alten Gasthaus wohnen. Der Bezug zur Haupthandlung hat sich mir dabei nicht wirklich erschlossen, ich kann nur vermuten, dass dieser im Aufgreifen des Abschieds-Motivs (Abschied von Freunden hier, vom Leben in der Haupthandlung) liegt.

Wenn das so als Parallele gedacht war, ist es nicht wirklich gelungen, wie eigentlich der ganze Film mich ziemlich enttäuscht hat: Spannende Themen wie Alterung der Gesellschaft, Einsamkeit im Alter, Pflege oder vielleicht gar Sterbehilfe werden gar nicht oder nur oberflächlich angeschnitten. Stattdessen erliegt der Film wie so viele andere der Versuchung, sehr auf die Tränendrüse zu drücken. Und Aoi Miyazaki, eine großartige Schauspielerin, auf die ich mich sehr gefreut hatte, spielt im Film eine fast nur dekorative Rolle. Positiv aufgefallen ist mir allerdings Sho Sakurai, der als Teil der Boygroup Arashi berühmt wurde und in der Vergangenheit überwiegend an TV-Serien und Teenie-Filmen mitwirkte. Insofern ist seine Rolle in In His chart wohl als Schritt in Richtung einer ernsthaften Schauspielkarriere zu bewerten, der gar nicht mal so schlecht ausfällt.

Alles in allem ist In His chart einfach viel zu langatmig und weist einige Brüche und kaum aufeinander abgestimmte Handlungsstränge auf. Sehr schade auch, dass wichtige Charaktere mit großem Potenzial unterentwickelt bleiben. Auf der Habenseite stehen jedoch eine warmherzige Atmosphäre und eine humanistische Botschaft. Alles in allem eher ein belangloser denn ein schlechter Film.

Viel spannendes und lesenswertes tauchte in den letzten Wochen und Monaten in meinem RSS-Reader auf und ein paar Highlights möchte ich heute hervorheben und zur Lektüre weiterempfehlen:

  • Ein interessanter Vergleich von Takeshi Kitanos Zatoichi mit der ursprünglichen Serie bringt Wildgrounds zu dem Urteil, Kitano habe den „Anti“-Zatoichi gedreht. Spannende These, da lässt sich gut diskutieren!
  • Ebenfalls auf Wildgrounds findet sich ein Verriss von Shion Sonos neuestem Werk Himizu, das gerade auch in Großbritannien auf DVD erschienen ist und auf meiner Einkaufsliste steht. Werde mir dann hoffentlich auch bald ein Bild machen können.
  • Ad Blankestijn hat sich in einem ausführlichen Porträt dem Schauspieler Yuzo Kayama gewidmet, mir und vielen anderen wahrscheinlich vor allem als junger Arzt in Kurosawas Rotbart bekannt. Dabei scheint Kayama eine ziemlich schillernde Figur gewesen zu sein, er war auch als Sänger sehr erfolgreich und spielte die Hauptrolle in einer der erfolgreichsten Filmreihen der 60er Jahre.
  • Das Bateszi Anime Blog wirft einen Blick auf einen Evangelion-Vorgänger aus dem Hause Gainax: Gunbuster. Anlass ist, dass die Filmversion vor kurzem in den USA auf Bluray erschien. Das einzige Manko dieser Ausgabe scheint zu sein, dass es sich um den Film handelt und nicht um die komplette Serie. Ansonsten scheinbar ein echter Klassiker.
  • Gleich eine ganze Reihe von frühen Filmen des umstrittenen Regisseurs Koji Wakamatsu hat Micha auf Schneeland gesichtet. Besonders spannend fand ich dabei The Embryo hunts in secret, seinen ersten Film nach dem Abschied von Nikkatsu, sowie Season of Terror. Beide scheinen sich am Rande des Pink Films zu bewegen, aber mit reichlich gesellschaftskritischen und politischen Subtexten zu jonglieren. Weitere Rezensionen zu Filmen Wakamatsus sollen noch folgen, also schaut auf Michas Blog vorbei und bleibt am Ball!

Viel Spaß beim Lesen!

Original: Rengou Kantai Shireichoukan Yamamoto Isoroku, (2011) von Izuru Narushima

Isoroku Yamamoto, Admiral der japanischen Streitkräfte, gilt als Architekt des Überraschungsangriffs auf Pearl Harbor. Wenig überraschend spielt dieser Auftakt zum Krieg zwischen Japan und den USA im Film eine prominente Rolle, aber vor allem in seiner Bedeutung als Wendepunkt sowohl für Yamamoto als auch für Japan. Denn Admiral Yamamoto ist kein klassischer Kriegs- oder Actionfilm (auch wenn der Trailer diesen Eindruck weckt), sondern eher eine Mischung aus Biographie und politischem Drama. So wurde ich denn von dem Film, an den ich keine großen Erwartungen hatte, auch positiv überrascht.

Die Handlung setzt Ende der 1930er Jahre ein und schildert wie eine kriegstreibende Koalition aus Armee, rechten Politikern und Medien für einen Dreimächtepakt mit Hitler und Mussolini kämpft und ihn schließlich 1940 bekommt. Yamamoto (Koji Yakusho), der den Pakt strikt abgelehnt hatte und dafür auch öffentlich kritisiert wurde, wird zu dieser Zeit Oberbefehlshaber der Marine und tritt angesichts des sich abzeichnenden Krieges mit den USA für einen Überraschungsangriff ein, in der Hoffnung, damit einen Friedensschluss zum Vorteil Japans erzwingen zu können. Denn ihm ist klar, dass angesichts der wirtschaftlichen Überlegenheit Amerikas ein langer Krieg zwangsläufig in einer Niederlage Japans enden muss.

Dank Yamamotos brillanter Strategie gelingt der Angriff am 7. Dezember 1941 tatsächlich, ohne allerdings der US Navy die erhofften schweren Verluste zuzufügen – kein einziger amerikanischer Flugzeugträger wird versenkt. Schnell zeigt sich nun, dass Yamamoto Recht hatte: Nur wenige Monate später tauchen die ersten Bomber über Tokyo auf, die Amerikaner kämpfen sich Insel für Insel näher an Japan heran. Als er sich nach der verlorenen Schlacht um Guadalcanal auf eine Inspektionsreise begibt, um die Moral seiner Truppe zu heben, wird sein Flugzeug im April 1943 abgeschossen.

Der Film setzt sich mittels der Person Yamamotos erstaunlich kritisch mit der kriegerischen Geschichte Japans von der Meiji-Restauration bis in den Zweiten Weltkrieg auseinander. Yamamoto, der seinem Land in allen Kriegen dieser Zeit gedient hatte und bis heute als größter Held seines Landes verehrt wird, personifiziert einerseits das expansionistische, imperialistische Japan dieser Zeit. Andererseits sind der Ehrenkodex der Samurai und der daraus abgeleitete Wunsch, sein Land zu schützen, so tief in ihm verankert, dass er sich als Bewahrer des Friedens sieht und die Kriegspolitik als selbstmörderisch ablehnt. Zur Darstellung dieses konfliktbehafteten Mannes haben die Filmemacher mit Koji Yakusho den richtigen Darsteller gefunden, der den Admiral mit viel väterlicher Würde, aber auch von Sorgen zerrissen zeigt.

Ob die Darstellung Yamamotos im Film der historischen Wirklichkeit entspricht, kann ich nicht wirklich beurteilen. Dass Regisseur Narushima ein guter Film über eine der schillerndsten Figuren der japanischen Geschichte gelungen ist, dieses Urteil traue ich mir aber zu. Schade nur, dass der Film offenbar vor allem als japanische Antwort auf Pearl Harbor vermarktet wird, was bei vielen Zuschauern zwangläufig zu Enttäuschung führen muss.

Zwar liegt das Japanische Filmfest schon fast 2 Monate zurück, aber ich hab mir über das diesjährige Festival einige Gedanken gemacht und die möchte ich als guter Blogger natürlich auch in die Welt hinausposaunen! Wozu macht man sich sonst denn auch Gedanken?! 😉

Für mich war dieses JFFH das erste seit 5 Jahren, bei dem ich wirklich nur Zuschauer war. Natürlich gab es viele Wiedersehen mit Team-Mitgliedern und die alten Zeiten wurden ausgiebig beschnackt. Trotzdem hat es sich ganz anders angefühlt als in den Jahren zuvor, auch im Vergleich zu 2011, als ich mich zwar schon aus dem Team verabschiedet, aber dann während des Festivals immer wieder mitgeholfen und angepackt hatte. Die Distanz war dieses Jahr deutlich größer, bedingt auch durch die schnellen personellen Wechsel im Team der Ehrenamtlichen. Vielleicht ist diese gewachsene Distanz auch ein Stück weit dafür verantwortlich, dass ich das JFFH dieses Jahr kritischer sehe. Aber nicht ewig rumlabern und um den heißen Brei reden, Butter bei die Fische!

Gleich vorneweg: Was in meinen Augen dieses Jahr überhaupt nicht funktionierte war das Rahmenprogramm. Ich war zweimal im Projektor, beim ersten Mal war überhaupt niemand da, beim zweiten Anlauf dann wenigstens ein paar Team-Mitglieder. Vielleicht lag es am Konkurrenzprogramm (parallel liefen Champions League und European Song Contest), ich weiß es nicht. Zudem fand ich es sehr unglücklich, dass das Filmfrühstück nicht mehr im 3001 Kino sondern am einige hundert Meter entfernten Projektor stattfand. Für das Team mag das klare Vorteile haben (die Küchenausstattung im Projektor ist einfach viel besser und man muss sich nicht mit den Kinobetreibern arrangieren), aber aus meiner Sicht des Zuschauers ist das ein klarer Nachteil. Aber das sind eher Randnotizen, nun kommen wir zum Eingemachten 😉

Denn zum ersten Mal habe ich wirklich große technische Probleme miterlebt. Ich denke, dass ich seit 2006 rund 100 Filmvorführungen beim JFFH als Zuschauer besucht oder als Vertreter des Teams begleitet habe. Dabei kam es noch nie vor, dass eine Vorstellung wegen technischer Probleme ausfallen musste. Und jetzt erwischte es ausgerechnet eines der absoluten Highlights des Festivals, die gut besuchte Freitagabend-Vorführung von Shion Sonos Guilty of Romance. Ein Desaster für einen Festivalveranstalter! Wobei das JFFH hier keine oder nur eine geringe Schuld trifft, denn wie sich später herausstellte war das Filmmaterial absolut in Ordnung und es schien sich um einen Bedienungsfehler der Filmvorführerin im Metropolis gehandelt zu haben. Dieser Fehler war aber kein Einzelfall, auch weitere prestigeträchtige Filme wie Miikes Harakiri und Shinkais Children who chase lost voices from deep below, die beide als Bluray vorlagen, wurden in sehr schlechter Bildqualität vorgeführt, die bestenfalls auf DVD-Niveau war. Inwieweit diese das Filmerlebnis arg schmälernden Probleme durch das Festivalteam hätten vermieden werden können, etwa durch eine intensivere Vorab-Prüfung des Materials oder Briefing der Kinobetreiber, ist Spekulation. Aber bei einem bin ich mir sicher: In früheren Jahren hätte es für solche Highlights mehr als eine Vorstellung gegeben und damit die Chance, den Fehler auszubügeln und den Fans im zweiten Durchgang die Filme in all ihrer Pracht zu zeigen.

Damit sind wir direkt bei einem weiteren Punkt, den ich zunehmend kritisch sehe: Die Anzahl der gezeigten Filme ist in den letzten beiden Jahren dramatisch gestiegen. Das bedeutet, dass zum einen im Programm kein Platz für mehrfache Vorführungen mehr ist und die Zuschauer bei Terminkonflikten keine Ausweichmöglichkeit mehr haben – was tendenziell auf Kosten kleiner, wenig bekannter Filme gehen dürfte. Zum anderen sind dadurch die Filmvorführungen auch sehr gedrängt. Noch letztes Jahr gab es pro Tag und Kino maximal 5 Vorführungen, so dass immer genug Zeit blieb um zwischendurch mal was essen zu gehen oder von einem Kino ins andere zu fahren. Das war dieses Jahr kaum mehr möglich, am Samstag fanden im Metropolis sechs Vorstellungen statt, am Sonntag im 3001 ebenfalls sechs und im Metropolis sogar sieben! Für den „normalen“ Zuschauer, der sich sowieso nur einen oder zwei Filme anguckt ist das natürlich kein Problem, aber wer sich als Fan möglichst wenig entgehen lassen möchte, kann diese Marathon-Tage kaum noch richtig genießen. Ich habe dann auch am Sonntag die Spätvorstellung von Hideo Nakatas Incite Mill ausfallen lassen, weil ich nach fast 10 Stunden im Kino einfach fertig war.

Womit wir nach dem ganzen Gemotze langsam mal zu den Filmen kommen. Einen absolut alles überragenden, einzigartigen Film gab es dieses Jahr nicht, aber das muss ja auch nicht immer sein. Wegen des dichtgedrängten Programms konnte ich dieses Jahr leider nur wenige Nachwuchsfilme und überhaupt keine Kurzfilme sehen, dennoch dominieren kleine Indie-Perlen in meiner Hitliste:

1. Sukiyaki
2. About the Pink Sky
3. Shing Shing Shing
4. Children who chase lost voices from deep below

Ziemlich enttäuscht war ich dagegen von den größeren Produktionen und allen voran vom Eröffnungsfilm Black Dawn. Wie ich aus dem Filmteam gehört habe, gab es intern wohl ziemlich heftige Diskussionen darüber, welcher Film am Premierenabend gezeigt werden sollte, und Black Dawn scheint wohl eine Art fauler Kompromiss gewesen zu sein. Eine große filmische Enttäuschung war für mich auch Takashi Miikes Remake des fast 60 Jahre alten Meisterwerks Harakiri. Aber dazu komme ich ein andermal, sonst nimmt das hier heute gar kein Ende mehr!

Auch wenn ich mich oben ziemlich ausgelassen habe, alles in allem hat mir das Filmfest natürlich wieder Spaß gemacht, ich habe tolle Filme gesehen und mich sehr gut unterhalten. Aber irgendwie gab es immer wieder diese kleinen, unschönen Makel, die einem magischen Ereignis im Weg standen. Aber im nächsten Jahr wird das bestimmt wieder besser! 🙂

Isuzu Yamada

isuzu-yamadaIsuzu Yamada, eine der ganz großen Charakterdarstellerinnen aus der goldenen Ära des japanischen Films, starb am Montag im Alter von 95 Jahren in Tokyo.

Geboren am 5. Februar 1917 in Osaka als Tochter des Schauspielers Kazuo Yamada, lernte sie schon in ihrer Kindheit die Welt des Theaters kennen und machte sich mit traditionellen darstellerischen Künsten wie etwa Tänzen bekannt. Im Alter von nur 13 Jahren gab sie ihr Leinwanddebüt und arbeitete in den folgenden Jahren vor allem mit Regisseur Daisaku Ito zusammen, dem Meister der klassischen Jidai-geki. Ihren endgültigen Durchbruch als anerkannte Charakterdarstellerin brachte die Zusammenarbeit mit Regisseur Kenji Mizoguchi, in dessen wegweisenden Filmen Osaka Elegy und Die Schwestern von Gion sie in kontroversen Hauptrollen brillierte.

Bis in die frühen fünfziger Jahre wirkte sie in vielen erfolgreichen und gefeierten Filmen bekannter Regisseure wie Masahiro Makino, Mikio Naruse, Kajiro Yamamoto oder Teinosuke Kinugasa mit und brachte dabei sowohl ihr komödiantisches als auch dramatisches Talent ein. So lebhaft wie ihre Filmkarriere gestaltete sich auch ihr Privatleben: Nach drei Scheidungen heiratete sie im Jahr 1956 bereits zum vierten Mal, für das damals noch sehr traditionelle Japan ein erstaunlicher Vorgang!

Nach einigen ruhigen Jahren begann ab 1957 mit Rollen in Akira Kurosawas Das Schloss im Spinnwebwald sowie Nachtasyl, durch die sie auch im Westen bekannt wurde, der zweite Frühling ihrer Karriere. Bis 1970 drehte sie noch fast 30 weitere Filme mit einer jungen Generation von Regisseuren wie Masahiro Shinoda oder Kon Ichikawa. Anschließend klang ihre Karriere als Filmschauspielerin, in der sie in mehr als 100 Filmen und zahlreichen TV-Serien ihr außerordentliches Können und ihre große Bandbreite unter Beweis gestellt hatte, langsam aus.

Zu ihren wichtigsten Filmen zählen:

1931: Adauchi senshu
1935: Osen mit den Papierkranichen (Orizuru Osen)
1936: Osaka Elegie (Naniwa erejî)
1936: Die Schwestern von Gion (Gion no shimai)
1941: Shanhai no tsuki
1944: Shori no hi made
1952: Gendai-jin
1957: Das Schloss im Spinnwebwald (Kumonosu jo)
1957: Nachtasyl (Donzoko)
1960: Bonchi
1961: Yojimbo – Der Leibwächter (Yojimbo)