David Bordwell war die letzten Tage in Japan unterwegs und hat aufregendes zu berichten: Er hatte nämlich Gelegenheit, einen kürzlich in den Archiven von Shochiku entdeckten und im japanischen Fernsehen gezeigten Film namens Miss Okichi (im Original Ojo Okichi) aus dem Jahr 1935 zu sehen. Kenji Mizoguchi wird als Regisseur genannt, zusammen mit bzw. nach Tatsunosuke Takashima (der die Drehbücher für mehrere Filme Mizoguchis geschrieben hatte), Hauptdarstellerin ist Isuzu Yamada und zum Plot schreibt David:

A bit like The Downfall of Osen (Orizuru Osen, 1935), this film centers on a woman who’s a cat’s paw for a gang involved in shady dealings. Okichi, played by Yamada Isuzu (whose bosom I nestle against in my earlier entry), is pulling scams for the sake of her lover. But she falls out with the gang and takes pity on one of the young men whom she victimizes.

Abgesehen von der mizoguchiesken Auseinandersetzung mit einer Frau, die sich für einen Mann aufopfert, weist Miss Okichi wohl einige weitere typische Elemente auf. Selbst wenn noch nicht klar ist, wie groß sein Anteil an dem Film letztlich war, klingt das nach einer sehr spannenden Entdeckung (und nach reichlich Arbeit für Filmhistoriker). Wer weiß, welche Schätze noch in den Archiven schlummern!

Neben diesem wohl absoluten Höhepunkt seiner Reise erzählt David von Besuchen in Toeis Filmpark, Gesprächen mit alten Kollegen und Schülern und in einem früheren Posting von einer Konferenz sowie dem Besuch am Grab Yasujiro Ozus.