Archive for the ‘Festivals’ Category

Aus aktuellem Anlass (eine Nachfrage per Mail) stelle ich heute mal einen (sehr) knappen Überblick über wichtige Filmfeste – mit Schwerpunkt auf Deutschland – zusammen, wie üblich natürlich vorzugsweise solche, die sich stark mit japanischen Filmen befassen.

  • Rotterdam: Das IFFR ging gerade am Sonntag zu Ende, findet normalerweise Ende Januar/Anfang Februar statt und hat traditionell einen ausgeprägten Japan-Schwerpunkt. 2010 waren (wenn ich mich nicht verzählt habe) 52 Filme aus Nippon im Programm, darunter aktuelle ebenso wie Klassiker.
  • Berlin: Die Berlinale startet übermorgen, bis Ende der 70er fand sie noch im Sommer statt, seitdem im Februar. Dieses Jahr sind etwa 20 japanische Filme im Programm, darunter einige besonders spannende Klassiker wie etwa mehrere Filme von Yasujiro Shimazu aus den 30er Jahren,  Filme von Nagisa Oshima sowie Kurosawas Ikiru. Außerdem sind Koji Wakamatsu und Yoji Yamada mit ihren neuen Filmen vertreten (letzterer wird auch für sein Lebenswerk geehrt).
  • Frankfurt: Zur NipponConnection, die immer Mitte April mehr als 100 japanische Filme und Kurzfilme zeigt, muss ich ja wohl kaum große Worte machen.
  • Barcelona: Das Barcelona Asian Filmfest läuft Ende April/Anfang Mai und weist einen starken japanischen Schwerpunkt auf (2009 waren es an die 40 Filme, das Programm für dieses Jahr ist noch nicht bekannt).
  • Udine: Fast zeitgleich mit dem BAFF findet in Udine das Far East Festival statt. Für dieses Jahr sind noch keine Details aus dem Programm bekannt, nur dass 15 noch nie außerhalb Japans gezeigte Filme des 1961 bankrott gegangenen Studios Shintoho geplant sind. Wer Udine nicht kennt: Das ist eine kleine Stadt im Nordosten Italiens, nicht weit von der österreichischen Grenze.
  • Hamburg: Unser kleines aber feines JFFH steht Ende Mai an und bringt so ca. 30-40 Filme aus Japan auf die Leinwand. Dabei legen wir einen ausgeprägten Schwerpunkt auf Nachwuchsfilmemacher und speziell die Region Osaka, die seit Jahren als Zentrum des Independent Film in Japan gilt.
  • München: Zum Jahresende im Oktober/November zeigt das Asia Filmfest eine beachtenswerte Auswahl japanischer Filme.

Weltweit gibt es natürlich noch eine ganze Reihe weiterer spannender Festivals, die ich irgendwann hoffentlich auch mal selbst besuchen kann, z.B. das Japanese Film Festival in Australien, das ähnlich wie das Fantasy Filmfest durch mehrere Städte tourt, das Asian Filmfest in Vancouver, das New York Asian Film Festival, das Los Angeles Asian Pacific Film Festival und natürlich die Filmfeste in Japan selbst, wie PIA und Tokyo FilmEX.

Vielleicht sieht man sich mal im Kino :-)

Vor ein paar Wochen erst habe ich von meinen Sorgen über die Zukunft japanischer bzw. asiatischer Filmfestivals geschrieben, Anlass war damals die Info über das Aus für ein Filmfests in Lyon. Im Hinterkopf hatte ich außerdem schon das Barcelona Asian Filmfest (BAFF), über dessen 2010-Ausgabe es lange keine Neuigkeiten gab. Erst pünktlich zu Weihnachten kam dann die Nachricht, dass es vom 30. April bis 9. Mai stattfinden wird. Letztes Jahr hatte das BAFF eine beeindruckende Reihe japanischer Filme im Programm und ich hoffe, dass das auch in diesem Jahr wieder so sein wird, denn ich habe vor, hinzufliegen.  :-)

Außerdem habe ich gerade von Mustafa Görgün erfahren, dass dieses Wochenende (vom 15. bis 17. Januar) in Istanbul zum sechsten oder siebten Mal ein kleines japanisches Filmfest stattfindet. Organisiert wird es wohl von einer japanischen Kulturbehörde, der Eintritt ist sogar kostenlos! Die Macher scheinen sich an der Devise “klein aber fein” zu orientieren, folgende sieben hochkarätigen Filme sind im Programm:

Es besteht also doch noch Hoffnung für die Filmfeste!

Vor ein paar Tagen habe ich nebenbei aufgeschnappt, dass ein mir bisher nicht bekanntes asiatisches Filmfest, die Asiexpo in Lyon, in diesem Jahr wohl zum letzten Mal stattfindet. Die Gründe scheinen, so mich die Überbleibsel meines Schulfranzösisch nicht in die Irre führen, hauptsächlich wirtschaftlicher Natur zu sein. Gerade mal 8000 Euro will die staatliche Kulturförderung für das Festival wohl noch locker machen, angesichts der Größe und Wirtschaftskraft der Stadt ein lächerlich niedriger Betrag.

Und doch ist das eine Situation, die ich vom JFFH nur zu gut kenne. Als nicht-kommerzielles Nischenfestival sind auch wir sehr stark auf Förderung mit staatlichen Mitteln angewiesen und wir sind sehr froh, dass wir uns bisher auf diese Unterstützung verlassen konnten. Aber die Stadt Hamburg ist als Handelsstadt von der Wirtschaftskrise natürlich besonders betroffen, so dass auch hier um jeden Euro gekämpft werden muss.

Angesichts solcher Nachrichten (oder auch angesichts des Cineasia Filmfest, das schon vor zwei Jahren eingestellt wurde) macht man sich natürlich schon seine Gedanken: Wie stellen wir sicher, dass es dem JFFH nicht genauso geht? Wie sieht die Zukunft von Filmfesten und speziell asiatischen Filmfesten aus?

Mit der ersten Frage beschäftigt sich zugegebenermaßen nur eine überschaubare Gruppe von Menschen, aber die Zukunft der Filmfeste war im Frühjahr Thema der 54. Ausgabe von Schnitt, in der mehrere Festivalmacher aus aller Welt ihre Meinung und ihre Prognosen schilderten. Vielen der dort zu Papier gebrachten Gedanken kann ich nur zustimmen, zum Beispiel auch diesen beiden Zitaten (die ich abgetippt habe, also bitte die Typos ignorieren):

Ein Filmfestival muß wahre Interventionskraft auf das Kino ausüben können, indem es die Anerkennung eines Filmemachers oder das Erscheinen eines Landes auf der Karte des Weltkinos vorantreibt oder begünstigt. Eine Rolle, die lange der Kritik zugefallen war und die diese seit einem Jahrzehnt an die Verantwortlichen der großen, einflußreichen Festspiele abgegeben hat. (Olivier Père, Festival de Cannes)

Wenn kleine Festivals überleben sollen, muß man daher eingestehen, daß ihre Funktion nicht notwendigerweise die eines Profiterzeugers ist, sondern die eines Fürsprechers: aufzuzeigen, warum die Arbeit verkäuflich ist und der Künstler weitere Aufträge verdient; zu fördern, zu interpretieren, zu kontextualisieren und, dies ist entscheidend, diejenigen Künstler zu unterstützen, deren Werke vielleicht kommerziell riskant oder sogar unhaltbar sind, aber künstlerisch bedeutsam. Dies ist von allerhöchster Wichtigkeit. (Adam Pugh, Aurora Filmfest)

Natürlich sollen Festivals Vorreiter sein, neue, innovative Kräfte fördern und vergessene Juwelen ans Tageslicht fördern. Die Frage nach dem Profit, den man aus einem Filmfest zieht, stellt sich aber nunmal unausweichlich vor allem bei Sponsoren aus der Privatwirtschaft, und ohne die geht heutzutage auch bei kleinen Festivals kaum noch etwas. Insofern finde ich die Aussage, Festivals sollten nicht als Profiterzeuger sondern als Fürsprecher gesehen werden, natürlich richtig, zugleich angesichts der wirtschaftlichen Realitäten aber auch ein Stück weit naiv.

Sehr interessant fand ich die folgende Beobachtung:

Auch in Deutschland hat es in den vergangenen Jahrzehnten eine rasante Zunahme von Filmfestivals gegeben, allein seit 1990 sind an die 30 größere und kleinere neue Veranstaltungen entstanden. Neben ihrer Bedeutung als weiche Standortfaktoren spielen viele von ihnen kaum eine Rolle in der kommerziellen Filmverwertung. Gleichwohl erfüllen sie aber den ursprünglichen kulturellen Auftrag: das Sichtbarmachen von Filmen, die kaum eine Chance in deutschen Kinos haben, die Begegnung von Publikum und Künstlern, die Begegnung mit internationaler Filmkunst. Gerade diese Festivals sind es, die in den letzten 10-15 Jahren immer öfter die Lücke geschlossen haben, die durch das Verschwinden kommunaler oder Programmkinos entstanden ist. So stellen Filmfestivals einen wichtigen Faktor dar, um das Kino als Ort der Begegnung mit Filmkultur zu stabilisieren und ein neugieriges Kinopublikum zu fördern.  (Silke Johanna Räbiger, Internationales Frauenfilmfestival Dortmund)

Am Kinosterben führt kein Weg vorbei, allein in der Zeit, die ich in Hamburg lebe, wurde hier jedes Jahr ein Kino geschlossen. Dass Festivals ein Stück weit diese Lücke füllen könnten, ist ein interessanter Gedanke. Vor allem für die großen Kinoketten, die selbst kein Programmkino bieten, könnte es perspektivisch durchaus interessant werden, mit Nischenfestivals zusammenzuarbeiten, um ohne großen eigenen Aufwand ein (zahlungskräftiges?) Publikum zu erreichen, das sonst die Mainstream-Multiplexe eher meidet. Und ganz nebenbei könnte ein austauschbares Multiplex durch ein solches Festival auch den Ruf aufpolieren.

Auf die Frage, ob Festivals in einer Welt mit vielen Plattformen, in der die meisten Filme elektronisch gesehen werden, bereits anachronistisch sind, würde ich mit einem vorsichtigen Nein antworten. (Sandra Hebron, BFI Film Festival)

Beim JFFH machen wir zwar auch die Erfahrung, dass viele Fans gerade von Anime sich nicht für Festivals interessieren, weil sie sich ihre Filme/Serien aus dem Netz besorgen. Aber ich bin überzeugt, dass der soziale Aspekt des Festivals als geteiltes, gemeinsam erlebtes Ereignis, durch nichts ausgeglichen werden kann. Wenn es aber zunehmend vor allem dieser “Event-Charakter” ist, der das Besondere an Festivals ausmacht, weil die Filme im Sinne des Long Tail immer auch irgendwo in den Tiefen des Netzes gefunden und gesehen werden können, dann müssen Festivals dieses Alleinstellungsmerkmal hegen und pflegen. Und mehr noch:

Wenn es den Filmfestivals nicht gelingt, ihr Produkt zu entwickeln und den sozialen Mehrwert eines Filmfestivals nachhaltig und überzeugend zu formulieren, werden sie verzichtbar. Filmfestivals müssen lernen, die Beschränkung auf Ort und Zeit zu überwinden; sie müssen Bücher und DVDs machen, Partys und Konferenzen, sie müssen das bessere Fernsehen sein und die bessere Universität. (Lars Henrik Gass, Kurzfilmtage Oberhausen)

Ich glaube, dass diese Weiterentwicklung von Filmfesten zur “Marke”, die in verschiedenen Lebensbereichen vertreten und aktiv ist, ein zentraler Baustein ist, um die Zukunft eines Filmfestes zu sichern. Deshalb sind wir beim JFFH seit diesem Jahr auch bemüht, mehr als nur Filme zu bieten, das Rahmenprogramm auszuweiten, den Erlebnisfaktor zur erhöhen und unsere Besucher, Gäste und Filmfans stärker am Filmfest zu beteiligen und zu integrieren.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wird für uns sein, dass wir bald einen Filmfest-Blog starten werden, der sowohl einen Blick hinter die Kulissen des JFFH als auch einen Einblick in die japanische Kultur erlauben wird. Erstaunlicherweise habe ich bisher praktisch keine vergleichbaren Blogprojekte von Filmfesten gefunden, wir scheinen an dieser Front also schonmal Vorreiter zu sein. Wenn uns das darüber hinaus auch noch im einen oder anderen Bereich gelingt, dann ist mir nicht länger bange um die Zukunft meines geliebte JFFH!

Die erste Japankino-Umfrage, in der ich herausfinden wollte, was euch an Filmfesten besonders wichtig ist, lief während der letzten Monate und jetzt war es Zeit für eine Auswertung. Mehr als 50 Besucher haben ihre Stimmen abgegeben, danke!

Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, logo. Trotzdem ist ziemlich eindeutig, dass für euch bei Filmfestivals vor allem die Filme im Vordergrund stehen, und dass es dabei relativ egal ist, ob sie im genialen 35mm-Format gezeigt werden oder mit niedrigerer Qualität. Da es euch vor allem darauf ankommt, seltene Filme zu sehen, macht das auch Sinn. Denn bei seltenen Filmen ist man froh, dass man sie überhaupt zu Gesicht bekommt und beschwert sich nicht über ein paar Unschärfen.

Etwas überrascht war ich persönlich, dass das Rahmenprogramm so wenig Stimmen bekam, besonders weil die Festival-Stimmung deutlich besser abschnitt. Für mich hängt die Festivalstimmung immer direkt mit dem Rahmenprogramm zusammen, aber offenbar sind für die Stimmung auch andere Dinge wichtig.

So, mal sehen was ich als nächstes von euch wissen will.

Wenn man monatelang auf so ein Event wie das JFFH hinarbeitet und mit einem gestandenen Team richtig viel Zeit und Energie investiert, dann fällt es schwer, sich vorzustellen, dass das alles umsonst gewesen sein könnte. Weil plötzlich etwas unvorhergesehenes passiert und das gesamte Projekt, das ganze Filmfest am seidenen Faden hängt. Doch genau so ging es uns dieses Jahr.

Ich saß im ICE, unterwegs in die süddeutsche Heimat, als mein Handy klingelte und eine Freundin aus dem Filmfest-Team dran war. Ein wichtiger Sponsor hatte gerade sein Engagement abgesagt! Eine Finanzierungslücke tat sich auf, die unsere gesamten Planungen über den Haufen warf. Und das 6 Wochen vor der Eröffnung!

Ohne die Unterstützung dieses Sponsors hätten wir das geplante Filmprogramm deutlich zusammenstreichen müssen, und das ausgerechnet im 10. Festival-Jahr, für das wir uns so viel vorgenommen hatten. Die fast abgeschlossenen Filmplanungen, die Arbeit am Poster, dem Programmheft, die Pressearbeit: alles wurde eingefroren.Die Suche nach alternativer Finanzierung wäre so kurzfristig aussichtslos gewesen, das war uns klar. Fieberhaft wurde mit dem Sponsor verhandelt und nach einigen Tagen konnten wir – nicht zuletzt dank externer Unterstützer – doch noch eine Übereinkunft erzielen.

Das JFFH war in letzter Minute gerettet, aber unser Zeitplan war gehörig durcheinander geraten. Unter anderem verpassten wir wichtige Drucklegungstermine der Presse, die Filmfestplakate und das Programmheft wurden erst im allerletzten Moment fertig. Zu spät, um große Aufmerksamkeit zu erzielen und den Bekanntheitsgrad des Filmfests so zu steigern, wie wir das in unserem Jubiläumsjahr eigentlich geplant hatten.

Warum schreibe ich das hier?

Weil Veranstaltungen wie das Japanische Filmfest Hamburg, die vom Engagement und der Leidenschaft einiger Freiwilliger getragen werden, nicht selbstverständlich sind. Ganz im Gegenteil ist es vielmehr ein Wunder, dass es gelingt, gerade solche kulturellen Events nur mit ehrenamtlicher Arbeit auf die Beine zu stellen.

Angesichts klammer staatlicher Kassen und des Renditezwangs in der Wirtschaft sind dies aber sehr wacklige Beine, und schon ein einzelner Stolperstein kann all das, was über die Jahre aufgebaut wurde, zunichte machen. Da die Budgets für Kulturförderung bzw. Kultursponsoring in Krisenzeiten als erste zusammengestrichen werden, sind es gerade auch die kleinen, ehrenamtlichen Veranstaltungen, denen dann schnell das wenige Geld, das sie zur Umsetzung überhaupt brauchen, abhanden kommt.  Und dabei sind es gerade Events wie das JFFH, die mit lächerlich geringen finanziellen Mitteln einen erheblichen Beitrag zur kulturellen Vielfalt leisten.

Ich darf gar nicht darüber nachdenken, dass mit einer einzigen Investmentbanker-Abfindung die Zukunft des JFFH wahrscheinlich für die nächsten 50 oder 100 Jahre gesichert wäre! Welche gesamtgesellschaftlichen, kulturellen Werte sich hier schaffen ließen! Vom interkulturellen Austausch ganz zu schweigen.

Umso mehr freut es mich aber, dass die Anziehungskraft des JFFH ungebrochen ist, ja, dass die Begeisterung immer weiter um sich greift. Während und nach dem Filmfest haben sich ein halbes Dutzend Besucher bei mir gemeldet, die unser Team gerne verstärken möchten. Solange es diese Begeisterung und Bereitschaft bei den Menschen gibt, sich für eine tolle Sache zu engagieren, bin ich zuversichtlich, dass das JFFH auch unter großen wirtschaftlichen Problemen die nächsten 10 Jahre weiter gedeihen und einzigartige japanische Filmperlen nach Hamburg bringen wird.

Wer jetzt zu Tränen gerührt ist und unbedingt auch mit anpacken möchte, kann sich gern jederzeit bei mir melden. Und wer nicht in Hamburg oder Umgebung wohnt, kann trotzdem dabei helfen, das JFFH finanziell etwas unabhängiger zu machen und Mitglied bei Nihon Media e.V. werden, dem Verein, der die organisatorische Plattform für das Filmfest abgibt. Einfach den Mitgliedsantrag herunterladen, ausfüllen und uns schicken.

Ich sage schonmal danke und bis nächstes Jahr beim 11. JFFH! :-)

OK, ich bin etwas spät dran, schließlich ist das JFFH ja schon vorbei. Aber eines muss ich noch loswerden, und zwar den Geburtstagstrailer, ein zweiminütiger Zusammenschnitt aller Eröffnungsfilme, den wir nur am Eröffnungsabend gezeigt haben. Film ab!

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Linda Linda Linda war dabei, Dolls, Zatoichi, Maiko Haaan!!! und einige mehr, die ich zum Teil gar nicht erkannt habe… naja, ich bin ja auch noch recht frisch beim Filmfest dabei. Weil ich irgendwie noch richtig in Filmfest-Stimmung bin und es noch gar nicht wahrhaben kann will, dass jetzt wieder ein Jahr bis zum nächsten JFFH vergeht, hab ich gleich noch ein bisschen nach Trailern anderer Festivals gesucht. Vielleicht findet sich ja Anregung, wie die Zeit rumzukriegen ist?

Sehr cool: Der Trailer zum New York Film Festival von 2006. Bringt die Botschaft klar auf den Punkt, ohne Schnörkel oder Gedöns.

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Ein bisschen zu sehr auf der Klischee-Schiene unterwegs ist mir der Trailer vom New York Asian Film Festival 2007:

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Sehr schön anzusehen der Trailer vom Asia Filmfest 2008:

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Meine absoluten Favoriten kommen aber vom San Francisco International Film Festival 2005:

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Tokyo Sonata

Original: Tokyo Sonata (2008) von Kiyoshi Kurosawa

Dank einer freundlichen Filmvorführerin, die zuerst sehr verantwortungsvoll sicherstellte, dass alle regulären Karteninhaber in der Vorstellung waren, dann aber doch noch eine kleine Gruppe akkreditierter Besucher in den Saal von Orfeos Erben schleichen ließ, konnte ich mir gestern Abend die Wiederholung von Tokyo Sonata auf der Nippon Connection ansehen. Und ich muss gestehen, dass ich nach all dem Buzz und Hype, der in den letzten Monaten um den Film gemacht wurden, etwas enttäuscht bin. Aber der Reihe nach.

Der leitende Angestellte Ryuhei Sasaki (Teruyuki Kagawa) erfährt, dass seine Abteilung aufgelöst und nach China verlagert wird, um Kosten zu sparen. Unfähig, sich mit dieser Situation auseinanderzusetzen, tut er so, als wäre alles beim Alten und geht weiter jeden Morgen “zur Arbeit”, damit seine Frau Megumi (Kyoko Koizumi) und seine beiden Söhne nichts mitbekommen. Während Ryuhei panisch bemüht ist, durch Rituale des Alltags Normalität vorzugaukeln und seine Autorität als Familienernährer zu wahren, zerfällt diese Autorität angesichts der Suche aller Familienmitglieder nach Sinn im Leben mehr und mehr.

Tokyo Sonata beginnt zunächst als bitterböse Gesellschaftssatire, voll ätzender Kritik an einem kapitalistischen System, für das Menschen nur Ressourcen sind und in dem ein Mann ohne Arbeit irgendwo zwischen “wertlos” und “aussätzig” eingestuft wird. Ungläubig und hilflos muss Ryuhei mitansehen, wie eine schneidige junge Chinesin – die aber auch nur instrumentalisiert wird – ihm den Job abknöpft, wie er eiskalt abserviert wird und sich auf einem Arbeitsmarkt wiederfindet, der ihm nur Tagelöhnerdienste zu bieten hat.

Doch dann verschiebt sich der Fokus des Films mehr auf die Familie Sasaki, deren ältester Sohn sich rast- und ziellos die Nächte um die Ohren schlägt, bis er auf die Idee kommt, sich freiwillig für die US-Armee zu melden. Auch der jüngere Sohn sorgt für Ärger, weil er heimlich gegen den Willen seines Vaters Klavierunterricht nimmt. Dazwischen versucht Mutter Megumi, ihre Familie irgendwie zusammenzuhalten und gleichzeitig auch für sich einen Neuanfang zu finden.

In dieser Phase nimmt der Film mehr den Charakter eines Familiendramas an, das zunächst mit leisen Tönen und feinen Beobachtungen beginnt und mit der Eskalation der persönlichen Konflikte Tempo aufnimmt. Dann jedoch passieren merkwürdige Dinge: Eine Entführung, ein mysteriöses Geldpaket in einer Kaufhaustoilette, ein Autounfall, eine Nacht im Gefängnis wegen Schwarzfahrens – der Film, der zuvor bereits den Umschwung von der Gesellschaftssatire zum Familiendrama verkraften musste, gerät nun aus den Fugen.

Tokyo Sonata ist sicherlich ein guter Film voller wunderbarer Ideen, der sich vieler Themen unserer Zeit kritisch annimmt und von enorm starken Darstellern (allen voran Kyoko Koizumi) getragen wird. Aber ihm fehlt die rote Linie, der Rahmen, der alles zusammenfasst und an seinen rechten Platz setzt. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Regisseur Kurosawa, der mit intelligenten Horrorfilmen berühmt geworden ist, sich für seinen ersten großen “ernsten” Film zu viel auf einmal vorgenommen hat. Das große Meisterwerk, als das der Film immer mal wieder bezeichnet wird, ist er noch nicht. Aber das Potenzial ist da. Ich bin schon auf das nächste Projekt von Kiyoshi Kurosawa gespannt!

Die Nippon Connection in Frankfurt sucht noch dringend freiwillige Helfer und Leute, die eine Unterkunft für Gäste bereitstellen können. Besonders groß scheint der Bedarf an Gästebetreuern zu sein:

Am begehrtesten sind Leute, die unsere japanischen Gäste durch die Gegend fahren, die dafür sorgen, dass unsere Gäste was zu essen bekommen, die die Videokunst-Ausstellung im Mousonturm betreuen und sich als “Mädchen” für alles zur Verfügung stellen.

Helfer werden mit allem Notwendigen versorgt und können kostenlos die Filme ansehen! Aus meiner eigenen Erfahrung vom JFFH kann ich jedem, der in der Frankfurter Region wohnt und Zeit hat nur dringend empfehlen, mitzumachen! Speziell Gästebetreuung macht einen Riesenspaß, diese Gelegenheit solltet ihr euch nicht entgehen lassen!

Wer bereit ist, meldet sich einfach unter helfer[at]nipponconnection.com, und wer noch ein Zimmer frei hat für Gäste des Festivals schreibt an info[at]nipponconnection.com!

Über Japankino

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