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Meine erste Berlinale-Luft habe ich in der vergangenen Woche geschnuppert und die hat Lust auf mehr gemacht! 8 Filme in 4 Tagen, ein recht gemütliches Programm hatte ich mir zurecht gelegt, um genug Freiraum für den einen oder anderen netten Plausch mit in Berlin gestrandeten Freunden zu haben. Meine Einschätzungen zur einen Hälfte der Filme habe ich schon pflichtschuldigst gepostet, die anderen folgen in den nächsten Tagen. Aber auch zur Berlinale selbst möchte ich ein paar Worte verlieren.

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Schön sehen Sie aus, die Eintrittskarten, aber sie zu bekommen war gar nicht so einfach. Die Tickets für die Filme werden nämlich immer erst 3 Tage vor der Vorstellung online buchbar. Für mich als Besucher von außerhalb bedeutete das, dass ich mich über mehrere Tage hinweg jeden Vormittag eine Viertelstunde mit dem Ticketing-System der Berlinale auseinandersetzen durfte, das nicht besonders komfortabel ist – immerhin kenne ich jetzt meine Kreditkartennummer auswendig. Die Idee hinter dieser Zeitverzögerung ist wohl, dass die Entstehung eines Schwarzmarktes unterbunden werden soll. Das mag ja bei begehrten Wettbewerbsfilmen wie True Grit und Konsorten Sinn machen, aber von “meinen” 8 Vorstellungen war keine einzige auch nur annähernd ausverkauft.

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Kommen wir zu den Festival-Kinos, von denen ich fünf kennenlernen durfte: Das Cinemaxx, das Cubix, das Colosseum, das Cinestar und den Celphi äh, Delphi-Filmpalast. Die ersten drei waren im Großen und Ganzen ok, im Colosseum (Saal 1) war die Leinwand etwas zu klein für die Größe des Saals und im Cubix war der Sound viel zu basslastig. Wirklich beeindruckt hat mich das Cinestar, mit superscharfem Bild und sehr schön ausbalanciertem Sound sowie mit den stylischsten Toiletten die ich je in einem Kino gesehen habe. Siehe das Foto aus dem Inneren einer Herrentoilette oben, wobei die CD allerdings  nicht Bestandteil des Original-Designs war, sondern von einem kreativen und geschmackvollen Geist (also nicht von mir) mit beidseitigem Klebeband hingepappt wurde.

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Mein Lieblingskino ist aber der Delphi-Filmpalast, ein schönes, ehrwürdiges, altes Kino mit Funzellampen im Eingangsbereich und einem herrlichen Kinosaal (natürlich mit Empore), in dem man nur darauf achten muss, sich einen Platz hinter einem möglichst kleingewachsenen Vordermann zu suchen. Die Technik ist top, und vor Beginn der Vorstellung erklingt tatsächlich genau derselbe Gong, den ich aus dem Hamburger Metropolis gewohnt bin! Ich hab mich also gleich ganz wie zuhause gefühlt :-)

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Enttäuscht war ich jedoch über die fehlende Festivalatmosphäre, in vielen Kinos sah alles nach Business as usual aus (siehe das Cinemaxx oben). Ja, überall hingen Berlinale-Plakate und vor jedem Film gab es die obligatorische Begrüßung des Publikums, die aber ziemlich karg und lieblos ausfiel, so nach dem Schema  “Willkommen auf der Berlinale, wir zeigen jetzt den Film XYZ. Viel Spaß.” Da kann man mit ein bisschen Charme, Persönlichkeit und emotionaler Ansprache des Publikums deutlich mehr draus machen, selbst wenn man sich nicht den Stress geben mag, Hintergründe zu den Filmen zu recherchieren.

Auch von den Aktivitäten die neben den Vorführungen so liefen hab ich als “normaler” Kinogänger so gut wie nichts mitbekommen: kulturelle Veranstaltungen, Parties, Gesprächsrunden – wenn es sie gab, musste man wohl danach suchen. Kein Vergleich zu den kleineren Festivals, die ich in den letzten Jahren kennenlernen konnte!

Vielleicht liegt das einfach an der Größe der Berlinale. Wer ein solches Massenpublikum bedient, kann wahrscheinlich gar nicht mehr nette Kamingespräche anbieten, weil der Andrang viel zu groß wäre. Allein bei der Masse an Medienvertretern wird wohl aus jeder Diskussionsrunde mit einem Filmschaffenden gleich eine Pressekonferenz. Verständlich, aber irgendwie auch schade, geht so doch das Besondere an der Festival-Atmosphäre verloren.

PS: Einen wunderschön bebilderten Berlinale-Bericht gibt es bei Fritz.

Ach, Berlin! Eine tolle Stadt, die eigentlich immer eine Reise wert ist. Freunde des japanischen Films dürfen sich derzeit ganz besonders auf Berlin freuen, denn vom 10. bis 20. Februar läuft die Berlinale und auch wenn dieses Jahr im Wettbewerb keine japanischen Beiträge vertreten sind, in der Sektion Forum ist Japan dafür sehr präsent. Der Titel des 41. Forums der Berlinale lautet “Risse in der Fassade”, der sich eigentlich wohl auf gesellschaftlich-politische Entwicklungen beziehen soll, aber irgendwie sind wohl auch viele familienbezogene Themen drin. Wie auch immer, entscheidend ist, was über die Leinwand flimmert!

Wir können uns freuen auf:

  • Kuchao (A Gum Boy) von Masaki Okuda, Animation
  • Byakuyakou (Into the White Night) von Yoshihiro Fukagawa
  • FIT von Hirosue Hiromasa
  • Heaven’s Story von Zeze Takahisa
  • Kazoku X (Household X) von Yoshida Kōki
  • Sekai Good Morning!! (Good Morning to the World!!) von Hirohara Satoru

Zusätzlich gibt es noch Special Screenings von 8 Filmen des 1980 verstorbenen Minoru Shibuya, eines Schülers von Mikio Naruse und Heinosuke Gosho, der in den 50er und Anfang der 60er Jahre sehr erfolgreiche sozial angehauchte Komödien und Dramen drehte. Außerdem ist er außerhalb Japans bisher kaum bekannt, ich musste mich auch erstmal über ihn informieren. Wer mehr über Shibuya Minoru und vor allem über seine Filme erfahren möchte, bekommt reichlich Gelegenheit:

  • Honjitsu kyushin (Doctor’s Day Off) von Shibuya Minoru, Japan 1952
  • Gendaijin (Modern People) von Shibuya Minoru, Japan 1952
  • Seigiha (Righteousness) von Shibuya Minoru, Japan 1957
  • Akujo no kisetsu (The Days of Evil Women) von Shibuya Minoru, Japan 1958
  • Mozu (The Shrikes) von Shibuya Minoru, Japan 1961
  • Kojin kojitsu (A Good Man, a Good Day) von Shibuya Minoru, Japan 1961
  • Yopparai tengoku (Drunkard’s Paradise) von Shibuya Minoru, Japan 1962
  • Daikon to ninjin (The Radish and the Carrot) von Shibuya Minoru, Japan 1964

Das finale Programm steht noch nicht fest, daher fehlt auch noch der genau Spielplan. Ich hab mir jedenfalls schon mal Urlaub genommen und stehe in den Startlöchern :-)

Achja, und wer schon in Berlin ist, sollte sich unbedingt auch noch die Ausstellung Proto Anime Cut ansehen. Die hat dieser Tage eröffnet und läuft bis 6. März. Gezeigt werden Originalzeichnungen von solch genialen Animekünstlern wie Hideaki Anno, Koji Morimoto und Mamoru Oshii! Ausstellungsort ist das Künstlerhaus Bethanien in Kreuzberg, der Eintritt ist frei.

Huh, wie schnell die Zeit vergeht bei schönem Wetter und Fußballfieber! Aber bevor die WM richtig Fahrt aufnimmt, versuche ich mich noch an einem Fazit zum nunmehr schon einige Wochen zurückliegenden 11. JFFH, bei dem ich leider so wenig Filme zu sehen bekommen habe wie noch nie zuvor :-(

Außer Konkurrenz lief für mich natürlich Rashomon, der auf der großen Leinwand große Freude gemacht hat. Obwohl die Kopie unübersehbar alt war, war die Qualität dennoch ok. Lediglich die Untertitel waren teilweise schwer zu lesen, und auf der zweiten Filmrolle ließ die Tonqualität stark nach. Das tat der Faszination, die dieser Film auch beim x-ten Sehen ausübt, aber keinen Abbruch. Nach der Vorstellung wurde ich dann noch von einem älteren Herrn angesprochen, der vor 40 Jahren den Film im Kino gesehen hatte und regelrecht euphorisiert war, dass er nochmal die Gelegenheit hatte.

Der Yamaguchi-Fokus bestehend aus insgesamt drei Filmen bot Licht und Schatten: Während Der Beweis des Detektivs mich nicht überzeugen konnte, war ich von den beiden jüngeren Kurzfilmen sehr angetan. Sehr ruhig und einfühlsam mit einem guten Händchen für Stimmungen und Atmosphäre inszeniert.

Darüber hinaus habe ich nur noch vier weitere Filme gesehen, die waren aber alle top! Bereits vorgestellt habe ich All to the sea und Black Cat, demnächst muss ich mich auch noch an die beiden anderen machen. Ich vergebe zwar keine Sterne oder Punkte wie Marald in seinem Kommentar, aber der Tendenz nach schließe ich mich ihm an was die besten Filme vom JFFH2010 angeht:

1. Sad Vacation
2. Summer Wars
3. All to the sea
4. Black Cat

Eine ganze Reihe der Filme, die ich mir eigentlich vorgenommen hatte, habe ich verpasst. Zum Teil krankheitsbedingt, zum Teil habe ich mich kurzfristig umentschieden oder bei der Orga mit angepackt. Die hat auch dieses Jahr wieder großen Spaß gemacht und ich glaube, dass uns ein wirklich schönes Filmfest gelungen ist.

Besonderes Highlight war (wieder mal) das Filmfrühstück im 3001, das trotz aufziehenden Nieselregens ausverkauft war und dank dem ich jetzt den Dreh fürs Onigiri-in-Dreiecksform-Kneten richtig gut raushabe. Ist eigentlich ganz einfach, es kommt wie beim Golfen vor allem auf den Swing an, und natürlich muss man ordentlich in den Reis reinspucken! Kleiner Scherz ;-)

Filmfrühstück JFFH2010

Die Dinger waren wohl so lecker, dass die ca. 15 Platten, die wir den ganzen Morgen über geknetet haben, ratzfatz leer waren. Siehe obiges Beweisfoto mit vereinsamtem Tofu. Auch sonst lief eigentlich alles wie geschmiert, ohne  größeren Pannen oder Probleme. Ein großer Fortschritt war natürlich das erstmals eingesetzte Ticketingsystem, das wir uns von anderen Hamburger Filmfestivals ausleihen konnten. Theoretisch wäre es damit wohl sogar möglich, Tickets über die Festival-Webseite zu verkaufen…mal sehen, was die Zukunft bringt!

Aus aktuellem Anlass (eine Nachfrage per Mail) stelle ich heute mal einen (sehr) knappen Überblick über wichtige Filmfeste – mit Schwerpunkt auf Deutschland – zusammen, wie üblich natürlich vorzugsweise solche, die sich stark mit japanischen Filmen befassen.

  • Rotterdam: Das IFFR ging gerade am Sonntag zu Ende, findet normalerweise Ende Januar/Anfang Februar statt und hat traditionell einen ausgeprägten Japan-Schwerpunkt. 2010 waren (wenn ich mich nicht verzählt habe) 52 Filme aus Nippon im Programm, darunter aktuelle ebenso wie Klassiker.
  • Berlin: Die Berlinale startet übermorgen, bis Ende der 70er fand sie noch im Sommer statt, seitdem im Februar. Dieses Jahr sind etwa 20 japanische Filme im Programm, darunter einige besonders spannende Klassiker wie etwa mehrere Filme von Yasujiro Shimazu aus den 30er Jahren,  Filme von Nagisa Oshima sowie Kurosawas Ikiru. Außerdem sind Koji Wakamatsu und Yoji Yamada mit ihren neuen Filmen vertreten (letzterer wird auch für sein Lebenswerk geehrt).
  • Frankfurt: Zur NipponConnection, die immer Mitte April mehr als 100 japanische Filme und Kurzfilme zeigt, muss ich ja wohl kaum große Worte machen.
  • Barcelona: Das Barcelona Asian Filmfest läuft Ende April/Anfang Mai und weist einen starken japanischen Schwerpunkt auf (2009 waren es an die 40 Filme, das Programm für dieses Jahr ist noch nicht bekannt).
  • Udine: Fast zeitgleich mit dem BAFF findet in Udine das Far East Festival statt. Für dieses Jahr sind noch keine Details aus dem Programm bekannt, nur dass 15 noch nie außerhalb Japans gezeigte Filme des 1961 bankrott gegangenen Studios Shintoho geplant sind. Wer Udine nicht kennt: Das ist eine kleine Stadt im Nordosten Italiens, nicht weit von der österreichischen Grenze.
  • Hamburg: Unser kleines aber feines JFFH steht Ende Mai an und bringt so ca. 30-40 Filme aus Japan auf die Leinwand. Dabei legen wir einen ausgeprägten Schwerpunkt auf Nachwuchsfilmemacher und speziell die Region Osaka, die seit Jahren als Zentrum des Independent Film in Japan gilt.
  • München: Zum Jahresende im Oktober/November zeigt das Asia Filmfest eine beachtenswerte Auswahl japanischer Filme.

Weltweit gibt es natürlich noch eine ganze Reihe weiterer spannender Festivals, die ich irgendwann hoffentlich auch mal selbst besuchen kann, z.B. das Japanese Film Festival in Australien, das ähnlich wie das Fantasy Filmfest durch mehrere Städte tourt, das Asian Filmfest in Vancouver, das New York Asian Film Festival, das Los Angeles Asian Pacific Film Festival und natürlich die Filmfeste in Japan selbst, wie PIA und Tokyo FilmEX.

Vielleicht sieht man sich mal im Kino :-)

Vor ein paar Wochen erst habe ich von meinen Sorgen über die Zukunft japanischer bzw. asiatischer Filmfestivals geschrieben, Anlass war damals die Info über das Aus für ein Filmfests in Lyon. Im Hinterkopf hatte ich außerdem schon das Barcelona Asian Filmfest (BAFF), über dessen 2010-Ausgabe es lange keine Neuigkeiten gab. Erst pünktlich zu Weihnachten kam dann die Nachricht, dass es vom 30. April bis 9. Mai stattfinden wird. Letztes Jahr hatte das BAFF eine beeindruckende Reihe japanischer Filme im Programm und ich hoffe, dass das auch in diesem Jahr wieder so sein wird, denn ich habe vor, hinzufliegen.  :-)

Außerdem habe ich gerade von Mustafa Görgün erfahren, dass dieses Wochenende (vom 15. bis 17. Januar) in Istanbul zum sechsten oder siebten Mal ein kleines japanisches Filmfest stattfindet. Organisiert wird es wohl von einer japanischen Kulturbehörde, der Eintritt ist sogar kostenlos! Die Macher scheinen sich an der Devise “klein aber fein” zu orientieren, folgende sieben hochkarätigen Filme sind im Programm:

Es besteht also doch noch Hoffnung für die Filmfeste!

Vor ein paar Tagen habe ich nebenbei aufgeschnappt, dass ein mir bisher nicht bekanntes asiatisches Filmfest, die Asiexpo in Lyon, in diesem Jahr wohl zum letzten Mal stattfindet. Die Gründe scheinen, so mich die Überbleibsel meines Schulfranzösisch nicht in die Irre führen, hauptsächlich wirtschaftlicher Natur zu sein. Gerade mal 8000 Euro will die staatliche Kulturförderung für das Festival wohl noch locker machen, angesichts der Größe und Wirtschaftskraft der Stadt ein lächerlich niedriger Betrag.

Und doch ist das eine Situation, die ich vom JFFH nur zu gut kenne. Als nicht-kommerzielles Nischenfestival sind auch wir sehr stark auf Förderung mit staatlichen Mitteln angewiesen und wir sind sehr froh, dass wir uns bisher auf diese Unterstützung verlassen konnten. Aber die Stadt Hamburg ist als Handelsstadt von der Wirtschaftskrise natürlich besonders betroffen, so dass auch hier um jeden Euro gekämpft werden muss.

Angesichts solcher Nachrichten (oder auch angesichts des Cineasia Filmfest, das schon vor zwei Jahren eingestellt wurde) macht man sich natürlich schon seine Gedanken: Wie stellen wir sicher, dass es dem JFFH nicht genauso geht? Wie sieht die Zukunft von Filmfesten und speziell asiatischen Filmfesten aus?

Mit der ersten Frage beschäftigt sich zugegebenermaßen nur eine überschaubare Gruppe von Menschen, aber die Zukunft der Filmfeste war im Frühjahr Thema der 54. Ausgabe von Schnitt, in der mehrere Festivalmacher aus aller Welt ihre Meinung und ihre Prognosen schilderten. Vielen der dort zu Papier gebrachten Gedanken kann ich nur zustimmen, zum Beispiel auch diesen beiden Zitaten (die ich abgetippt habe, also bitte die Typos ignorieren):

Ein Filmfestival muß wahre Interventionskraft auf das Kino ausüben können, indem es die Anerkennung eines Filmemachers oder das Erscheinen eines Landes auf der Karte des Weltkinos vorantreibt oder begünstigt. Eine Rolle, die lange der Kritik zugefallen war und die diese seit einem Jahrzehnt an die Verantwortlichen der großen, einflußreichen Festspiele abgegeben hat. (Olivier Père, Festival de Cannes)

Wenn kleine Festivals überleben sollen, muß man daher eingestehen, daß ihre Funktion nicht notwendigerweise die eines Profiterzeugers ist, sondern die eines Fürsprechers: aufzuzeigen, warum die Arbeit verkäuflich ist und der Künstler weitere Aufträge verdient; zu fördern, zu interpretieren, zu kontextualisieren und, dies ist entscheidend, diejenigen Künstler zu unterstützen, deren Werke vielleicht kommerziell riskant oder sogar unhaltbar sind, aber künstlerisch bedeutsam. Dies ist von allerhöchster Wichtigkeit. (Adam Pugh, Aurora Filmfest)

Natürlich sollen Festivals Vorreiter sein, neue, innovative Kräfte fördern und vergessene Juwelen ans Tageslicht fördern. Die Frage nach dem Profit, den man aus einem Filmfest zieht, stellt sich aber nunmal unausweichlich vor allem bei Sponsoren aus der Privatwirtschaft, und ohne die geht heutzutage auch bei kleinen Festivals kaum noch etwas. Insofern finde ich die Aussage, Festivals sollten nicht als Profiterzeuger sondern als Fürsprecher gesehen werden, natürlich richtig, zugleich angesichts der wirtschaftlichen Realitäten aber auch ein Stück weit naiv.

Sehr interessant fand ich die folgende Beobachtung:

Auch in Deutschland hat es in den vergangenen Jahrzehnten eine rasante Zunahme von Filmfestivals gegeben, allein seit 1990 sind an die 30 größere und kleinere neue Veranstaltungen entstanden. Neben ihrer Bedeutung als weiche Standortfaktoren spielen viele von ihnen kaum eine Rolle in der kommerziellen Filmverwertung. Gleichwohl erfüllen sie aber den ursprünglichen kulturellen Auftrag: das Sichtbarmachen von Filmen, die kaum eine Chance in deutschen Kinos haben, die Begegnung von Publikum und Künstlern, die Begegnung mit internationaler Filmkunst. Gerade diese Festivals sind es, die in den letzten 10-15 Jahren immer öfter die Lücke geschlossen haben, die durch das Verschwinden kommunaler oder Programmkinos entstanden ist. So stellen Filmfestivals einen wichtigen Faktor dar, um das Kino als Ort der Begegnung mit Filmkultur zu stabilisieren und ein neugieriges Kinopublikum zu fördern.  (Silke Johanna Räbiger, Internationales Frauenfilmfestival Dortmund)

Am Kinosterben führt kein Weg vorbei, allein in der Zeit, die ich in Hamburg lebe, wurde hier jedes Jahr ein Kino geschlossen. Dass Festivals ein Stück weit diese Lücke füllen könnten, ist ein interessanter Gedanke. Vor allem für die großen Kinoketten, die selbst kein Programmkino bieten, könnte es perspektivisch durchaus interessant werden, mit Nischenfestivals zusammenzuarbeiten, um ohne großen eigenen Aufwand ein (zahlungskräftiges?) Publikum zu erreichen, das sonst die Mainstream-Multiplexe eher meidet. Und ganz nebenbei könnte ein austauschbares Multiplex durch ein solches Festival auch den Ruf aufpolieren.

Auf die Frage, ob Festivals in einer Welt mit vielen Plattformen, in der die meisten Filme elektronisch gesehen werden, bereits anachronistisch sind, würde ich mit einem vorsichtigen Nein antworten. (Sandra Hebron, BFI Film Festival)

Beim JFFH machen wir zwar auch die Erfahrung, dass viele Fans gerade von Anime sich nicht für Festivals interessieren, weil sie sich ihre Filme/Serien aus dem Netz besorgen. Aber ich bin überzeugt, dass der soziale Aspekt des Festivals als geteiltes, gemeinsam erlebtes Ereignis, durch nichts ausgeglichen werden kann. Wenn es aber zunehmend vor allem dieser “Event-Charakter” ist, der das Besondere an Festivals ausmacht, weil die Filme im Sinne des Long Tail immer auch irgendwo in den Tiefen des Netzes gefunden und gesehen werden können, dann müssen Festivals dieses Alleinstellungsmerkmal hegen und pflegen. Und mehr noch:

Wenn es den Filmfestivals nicht gelingt, ihr Produkt zu entwickeln und den sozialen Mehrwert eines Filmfestivals nachhaltig und überzeugend zu formulieren, werden sie verzichtbar. Filmfestivals müssen lernen, die Beschränkung auf Ort und Zeit zu überwinden; sie müssen Bücher und DVDs machen, Partys und Konferenzen, sie müssen das bessere Fernsehen sein und die bessere Universität. (Lars Henrik Gass, Kurzfilmtage Oberhausen)

Ich glaube, dass diese Weiterentwicklung von Filmfesten zur “Marke”, die in verschiedenen Lebensbereichen vertreten und aktiv ist, ein zentraler Baustein ist, um die Zukunft eines Filmfestes zu sichern. Deshalb sind wir beim JFFH seit diesem Jahr auch bemüht, mehr als nur Filme zu bieten, das Rahmenprogramm auszuweiten, den Erlebnisfaktor zur erhöhen und unsere Besucher, Gäste und Filmfans stärker am Filmfest zu beteiligen und zu integrieren.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wird für uns sein, dass wir bald einen Filmfest-Blog starten werden, der sowohl einen Blick hinter die Kulissen des JFFH als auch einen Einblick in die japanische Kultur erlauben wird. Erstaunlicherweise habe ich bisher praktisch keine vergleichbaren Blogprojekte von Filmfesten gefunden, wir scheinen an dieser Front also schonmal Vorreiter zu sein. Wenn uns das darüber hinaus auch noch im einen oder anderen Bereich gelingt, dann ist mir nicht länger bange um die Zukunft meines geliebte JFFH!

Die erste Japankino-Umfrage, in der ich herausfinden wollte, was euch an Filmfesten besonders wichtig ist, lief während der letzten Monate und jetzt war es Zeit für eine Auswertung. Mehr als 50 Besucher haben ihre Stimmen abgegeben, danke!

Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, logo. Trotzdem ist ziemlich eindeutig, dass für euch bei Filmfestivals vor allem die Filme im Vordergrund stehen, und dass es dabei relativ egal ist, ob sie im genialen 35mm-Format gezeigt werden oder mit niedrigerer Qualität. Da es euch vor allem darauf ankommt, seltene Filme zu sehen, macht das auch Sinn. Denn bei seltenen Filmen ist man froh, dass man sie überhaupt zu Gesicht bekommt und beschwert sich nicht über ein paar Unschärfen.

Etwas überrascht war ich persönlich, dass das Rahmenprogramm so wenig Stimmen bekam, besonders weil die Festival-Stimmung deutlich besser abschnitt. Für mich hängt die Festivalstimmung immer direkt mit dem Rahmenprogramm zusammen, aber offenbar sind für die Stimmung auch andere Dinge wichtig.

So, mal sehen was ich als nächstes von euch wissen will.

Wenn man monatelang auf so ein Event wie das JFFH hinarbeitet und mit einem gestandenen Team richtig viel Zeit und Energie investiert, dann fällt es schwer, sich vorzustellen, dass das alles umsonst gewesen sein könnte. Weil plötzlich etwas unvorhergesehenes passiert und das gesamte Projekt, das ganze Filmfest am seidenen Faden hängt. Doch genau so ging es uns dieses Jahr.

Ich saß im ICE, unterwegs in die süddeutsche Heimat, als mein Handy klingelte und eine Freundin aus dem Filmfest-Team dran war. Ein wichtiger Sponsor hatte gerade sein Engagement abgesagt! Eine Finanzierungslücke tat sich auf, die unsere gesamten Planungen über den Haufen warf. Und das 6 Wochen vor der Eröffnung!

Ohne die Unterstützung dieses Sponsors hätten wir das geplante Filmprogramm deutlich zusammenstreichen müssen, und das ausgerechnet im 10. Festival-Jahr, für das wir uns so viel vorgenommen hatten. Die fast abgeschlossenen Filmplanungen, die Arbeit am Poster, dem Programmheft, die Pressearbeit: alles wurde eingefroren.Die Suche nach alternativer Finanzierung wäre so kurzfristig aussichtslos gewesen, das war uns klar. Fieberhaft wurde mit dem Sponsor verhandelt und nach einigen Tagen konnten wir – nicht zuletzt dank externer Unterstützer – doch noch eine Übereinkunft erzielen.

Das JFFH war in letzter Minute gerettet, aber unser Zeitplan war gehörig durcheinander geraten. Unter anderem verpassten wir wichtige Drucklegungstermine der Presse, die Filmfestplakate und das Programmheft wurden erst im allerletzten Moment fertig. Zu spät, um große Aufmerksamkeit zu erzielen und den Bekanntheitsgrad des Filmfests so zu steigern, wie wir das in unserem Jubiläumsjahr eigentlich geplant hatten.

Warum schreibe ich das hier?

Weil Veranstaltungen wie das Japanische Filmfest Hamburg, die vom Engagement und der Leidenschaft einiger Freiwilliger getragen werden, nicht selbstverständlich sind. Ganz im Gegenteil ist es vielmehr ein Wunder, dass es gelingt, gerade solche kulturellen Events nur mit ehrenamtlicher Arbeit auf die Beine zu stellen.

Angesichts klammer staatlicher Kassen und des Renditezwangs in der Wirtschaft sind dies aber sehr wacklige Beine, und schon ein einzelner Stolperstein kann all das, was über die Jahre aufgebaut wurde, zunichte machen. Da die Budgets für Kulturförderung bzw. Kultursponsoring in Krisenzeiten als erste zusammengestrichen werden, sind es gerade auch die kleinen, ehrenamtlichen Veranstaltungen, denen dann schnell das wenige Geld, das sie zur Umsetzung überhaupt brauchen, abhanden kommt.  Und dabei sind es gerade Events wie das JFFH, die mit lächerlich geringen finanziellen Mitteln einen erheblichen Beitrag zur kulturellen Vielfalt leisten.

Ich darf gar nicht darüber nachdenken, dass mit einer einzigen Investmentbanker-Abfindung die Zukunft des JFFH wahrscheinlich für die nächsten 50 oder 100 Jahre gesichert wäre! Welche gesamtgesellschaftlichen, kulturellen Werte sich hier schaffen ließen! Vom interkulturellen Austausch ganz zu schweigen.

Umso mehr freut es mich aber, dass die Anziehungskraft des JFFH ungebrochen ist, ja, dass die Begeisterung immer weiter um sich greift. Während und nach dem Filmfest haben sich ein halbes Dutzend Besucher bei mir gemeldet, die unser Team gerne verstärken möchten. Solange es diese Begeisterung und Bereitschaft bei den Menschen gibt, sich für eine tolle Sache zu engagieren, bin ich zuversichtlich, dass das JFFH auch unter großen wirtschaftlichen Problemen die nächsten 10 Jahre weiter gedeihen und einzigartige japanische Filmperlen nach Hamburg bringen wird.

Wer jetzt zu Tränen gerührt ist und unbedingt auch mit anpacken möchte, kann sich gern jederzeit bei mir melden. Und wer nicht in Hamburg oder Umgebung wohnt, kann trotzdem dabei helfen, das JFFH finanziell etwas unabhängiger zu machen und Mitglied bei Nihon Media e.V. werden, dem Verein, der die organisatorische Plattform für das Filmfest abgibt. Einfach den Mitgliedsantrag herunterladen, ausfüllen und uns schicken.

Ich sage schonmal danke und bis nächstes Jahr beim 11. JFFH! :-)

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