Original: Karigurashi no Arrietty (2010) von Hiromasa Yonebayashi

Der junge Sho verbringt den Sommer im alten Haus seiner Tante. Schon bald bemerkt er, dass das Haus ein Geheimnis birgt: Versteckt in den dunklen Ecken und Fundamenten lebt die winzige Borgerin Arrietty zusammen mit ihren Eltern und “borgt” sich die Dinge des täglichen Bedarfs von den Menschen. Oberstes Gebot ist eigentlich, dass die Menschen von der Anwesenheit der Borger nichts bemerken dürfen. Doch Arrietty übertritt das Tabu und schließt Freundschaft mit Sho, dessen Ankunft und besonders die Neugier der Haushälterin Haru jedoch eine zunehmende Bedrohung für Arriettys heile Welt darstellen.

Seit Mitte der 90er Jahre war Hiromasa Yonebayashi beim Studio Ghibli tätig und in dieser Zeit als Animationskünstler an allen großen Filmen Hayao Miyazakis beteiligt. Diese Schule und die Prägung durch Miyazaki ist seinem Regiedebut Arrietty auf Schritt und Tritt anzusehen: Der Film zeichnet eine wunderschöne Welt der kleinen Dinge mit einer Vielzahl an liebevollen Details, ganz im Stil von Werken wie Kikis kleiner Lieferservice oder Mein Nachbar Totoro.

Ähnlich wie in diesen Filmen werden auch in Arrietty Geschichte und Charaktere nicht durch konstruierte Abenteuer und gut-gegen-böse Konstellationen vorangetrieben. Vielmehr dreht sich der Film um die kleinen Abenteuer, so dass schon eine in einem Moskitonetz feststeckende Krähe zu einem actiongeladenen Höhepunkt wird.

Die aus vielen Filmen Miyazakis bekannte Thematik der gestörten Harmonie im Miteinander von Mensch und Natur wird in Arrietty nicht so offensiv angegangen, findet sich aber wieder in der Kontrastierung des einfachen, an der Natur orientierten Lebens der Borger mit dem der großen Menschen. Dass die Möglichkeit eines echten Zusammenlebens von Borgern und Menschen für keine einzige Sekunde erwägt wird, wirft Fragen auf und gibt dem Film bei aller Freude und Schönheit einen melancholisch-pessimistischen Hauch.

Mit Arrietty ist Yonebayashi ein wunderbares Debut gelungen, ein Film für die ganze Familie, der Spaß macht, schön anzusehen ist aber auch unseren Umgang mit anderen Lebensformen und -weisen hinterfragt. Am 2. Juni kommt die kleine Borgerin auch in die deutschen Kinos, eine Gelegenheit die sich niemand entgehen lassen sollte!