Archive for Juni, 2008

Nur noch drei Wochen müssen die Japaner warten, dann startet Hayao Miyazakis neuester in den Kinos. Ein neuer Trailer soll das Publikum schon mal einstimmen, der natürlich sogleich im Frühstücks-TV bewundert werden will! Das Video zeigt neben dem Trailer – der im Gequatsche der Moderatoren fast etwas untergeht – sehr schön, wie solche Sendungen typischerweise in Japan aufgezogen sind: Ein halbes Dutzend Moderatoren/Gäste bekommt ein Thema vorgesetzt und dann wird drauflos gequatscht. Per Bild-in-Bild werden die Reaktionen auf das im Hauptbild gezeigte für die Zuschauer eingefangen.

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In diesem Fall bleibt vom Trailer kaum noch was übrig, da auch noch weitere Infos (zu dem Mädchen das den Titelsong singt, Uhrzeit, hastenichgesehn) eingeblendet werden. Frühstücks-TV halt.

Via Conversations on Ghibli

Total spannendes Mitmach-Blog-Projekt: Film of the Month Club. So erklären die Initiatoren ihren Ansatz:

Film of the Month Club is an internet forum for watching and discussing movies. Each month a member will select a film, after which other members can watch and post their reflections and reactions. Selections will be driven by member interests and can range from the commercial to the experimental, from the signifcant to the forgotten. The idea behind this grab bag approach is to facilitate a conversation among all corners of the film blogosphere. And to watch more movies.

Die Regeln fürs Mitmachen sind ziemlich simpel, eigentlich braucht man nur einen Blogger-Account und vorgeschlagene Filme müssen legal als RC1 verfügbar sein. Das Ganze hat nicht dezidiert was mit japanischen Filmen zu tun, aber da im Mai zum Auftakt Kazuo Haras The Emperor’s naked army marches on besprochen wurden, beschäftigen sich einige Posts mit diesem Film bzw. dem Regisseur.

Und als zweites hab ich dann noch Watashi to Tokyo (auch bekannt unter dem Namen Mari diary), in dem die Autorin Mari querbeet alles mögliche und unmögliche thematisiert, was in Tokyo, Japan und dem Internet so passiert. Viele tolle Links, Videos und immer lesenswerte Einblicke in die japanische Alltagskultur. Ab und zu ist dann auch mal was rund ums Thema Film dabei, wie z.B. neulich, als die japanische Post Briefmarken zur Anime-Serie Patlabor auflegte und Mari dazu ein Ranking zu den beliebtesten Anime einstellte.

Die Animationsschule Studio Goldfish mit ihrem Gründer Shinya Tsuji bieten im Juli Vorträge und Workshops zu Anime an. In diesem Rahmen sollen auch einige Anime-Kurzfilme, die bei früheren Workshops entstanden sind, gezeigt werden. Das ganze findet im Japanischen Kulturinstitut in Köln statt und wird von der Japan Foundation gefördert, daher auch die günstigen Konditionen:

1. WORKSHOP FÜR JUGENDLICHE (Altersgruppe 10 – 15 Jahre)

23. – 25. Juli 2008, jeweils von 15 – 17 Uhr
Teilnahmegebühr (komplett für alle drei Tage) EUR 25.00

2. WORKSHOP FÜR ERWACHSENE (Altersgruppe ab 16 Jahre)

28. – 30. Juli 2008, jeweils von 18 – 20 Uhr
Teilnahmegebühr (komplett für alle drei Tage) EUR 35.00 (ermäßigt EUR 30.00)

Der Vortrag mit demTitel “Die Geschichte der japanischen Anime” befasst sich wohl vor allem mit der früheren Phase, bevor Anime so richtig weltweit populär wurden und findet am 25. Juli um 19.00 Uhr statt.

Klingt spannend, wer interessiert ist kann noch weitere Infos lesen oder sich direkt anmelden.

Hula Girl

Original: Hula gâru (2006), von Sang-il Lee

1965, in einer kleinen Bergarbeiterstadt im Norden Japans: Die örtliche Kohlemine soll dicht gemacht werden, Tausende stehen vor dem Nichts. Anstelle der Mine will die Firma um die örtlichen heißen Quellen herum einen hawaiianischen Erlebnispark aufbauen. Die Tänzerinnen dafür sollen aus den Bergarbeiterfamilien kommen, doch die lehnen das scheinbar aussichtslose Projekt rigoros ab. Nur Kimiko (Yu Aoi) und Sanae (Eri Tokunaga) begreifen dies als Chance, das harte Leben hinter sich zu lassen.

Unterstützung finden sie bald bei der in Tokyo engagierten Tanzlehrerin Hirayama (Yasuko Matsuyuki), die eigentlich total abgehalftert ist und sich nun mit diesem miesen Job in der Provinz abgeben muss. Zunächst nur widerwillig nimmt sie die Mädchen unter ihre Fittiche, aber bald bemerkt sie, wie wichtig das Tanzen für diese ist und gegen welche Widerstände in ihren Familien sie sich durchsetzen müssen, so dass sie sich immer engagierter für die Mädchen und die Sache einsetzt. Dadurch gelingt es ihr schließlich, sogar Kimikos Bruder Yojiro, einen Bergarbeiter der das Hawaii-Projekt strikt ablehnt, umzustimmen.

Hula Girls Screenshot 2

Hula Girl beruht auf einer wahren Geschichte, und einer sehr interessanten noch dazu, aus der man eine ganze Reihe sehr verschiedener Filme hätte machen können: Eine Gesellschaftsstudie mit politischer Message vor dem Hintergrund des Niedergangs des Kohlebergbaus über die Auswirkungen auf die Menschen und wie diese mit den Veränderungen umgehen, welche Konflikte dabei entstehen und wie sie ausgetragen werden. Eine Liebesgeschichte zwischen der Tanzlehrerin und Yojiro. Eine Geschichte über einige Mädchen, die aus ihrem Bergarbeiterumfeld ausbrechen und etwas aus ihrem Leben machen wollen, darüber Konflikte mit ihren Familien austragen und am Ende den großen Traum Wahrheit werden lassen. Eine Charakterstudie der in Tokyo gescheiterten Tänzerin, die sich verzweifelt an den früheren Ruhm klammert, aber nun in der Provinz neu anfangen muss und dabei zu sich selbst findet. Einen klassischen Sport- und Tanzfilm mit typischen Elementen wie Teamgeist, harten Trainings, Fahrten zu Auftritten, Verarbeitung von Rückschlägen und Niederlagen und dem großen Triumph am Ende.

All das hätten vor dem spannenden historischen Hintergrund richtig gute und aussagekräftige Filme werden können. Leider konnten sich die Macher für keine der Möglichkeiten entscheiden und haben deshalb versucht, alles auf einmal in den Film hineinzustecken.

Hula Girls Screenshot 1

Dabei blieb vieles auf der Strecke: Konflikte und Charaktere werden kurz angerissen, Handlungsfäden angedeutet, aber allzu viel bleibt leider oberflächlich. Die komödiantischen Elemente wollen irgendwie nicht so recht zum ernsten Hintergrund (inklusive eines Grubenunglücks, bei dem der Vater einer der Tänzerinnen stirbt) passen. Die emotional-sentimentalen Höhepunkte zum Ende des Films sind stark übersteigert und ziehen sich scheinbar endlos dahin – die letzten 15 bis 20 Minuten des Films bestehen eigentlich nur noch aus Tränen, Tanzen und Trara.

So bleibt Hula Girl leider weit unter dem Potenzial der Ausgangsgeschichte. Herausgekommen ist ein brauchbares Stück leichter Familienunterhaltung, das einige Einblicke in das harte ländliche Leben im Japan der 1960er Jahre gibt (was schon selten genug ist), über das ich mich aber doch ziemlich geärgert habe, denn mit ein bisschen Mut zur Entscheidung und Konzentration auf das Wesentliche hätte man so viel mehr aus diesem Film machen können!

Ende der 1950er Jahre strotzte die japanische Filmindustrie geradezu vor Kraft, die Menschen drängten in die Kinos und kauften 1958 unglaubliche 1,127 Milliarden Eintrittskarten in fast 7500 Kinos. Japanische Filme hatten eine Reihe internationaler Preise gewonnen, inklusive des ersten Oscars – alles schien bestens.

Aber 1963, nur fünf Jahre später, hatte sich die Zahl der Kinogänge bereits mehr als halbiert, bis 1965 sank sie auf nur noch 373 Millionen, oder um insgesamt 75 Prozent. 1961 ging mit Shintoho das erste der sechs großen Studios in den Bankrott, 1971 folgte Daiei und Nikkatsu stellte im selben Jahr die Produktion neuer Spielfilme vorübergehend ein. Übrig blieben nur noch Toho, Shochiku und Toei.

Auslöser dieser Entwicklung war die zunehmende Verbreitung von Fernsehgeräten in den japanischen Haushalten, die besonders im Vorfeld der Olympischen Spiele von Tokyo 1964 stark voranschritt: Jeder wollte die Übertragungen der Wettkämpfe mitverfolgen. So stand Mitte der 1960er in 60 Prozent der Haushalte ein TV-Gerät, wer selbst keines hatte, guckte bei Verwandten, Freunden oder Nachbarn. 1970 gab es bereits 4 private und 2 öffentliche Fernsehsender und Japan war zum größten Produzenten von TV-Programmen weltweit aufgestiegen.

Die Filmstudios versuchten vergeblich, einen Anteil an dieser Entwicklung zu sichern: Sie versuchten, sich bei Sendern einzukaufen und bemühten sich, ihre Produktpalette umzustellen. Doch keinem gelang es, einen Fuß in den Fernsehmarkt zu bekommen. So überlebten die genannten drei großen Studios in erster Linie dank ihrer filmfernen Geschäftsfelder wie Freizeitparks, Immobilien oder Hotels.

Doch der Wandel der Studio-Landschaft machte sich natürlich auch bei den produzierten Filmen bemerkbar. In ihrer Verzweiflung suchten die Produzenten nach neuen Erfolgsformeln, neuen Genres und neuen Talenten. Mit Entsetzen musste beispielsweise Toei mitansehen, wie Jidai-geki-Serien im Fernsehen den zuvor so erfolgreichen chambara-Schwertkampffilmen des Studios Konkurrenz machten und an Popularität bald überholten. So suchte man nach einem neuen Setting für die alte Erfolgsformel und fand diese in der Unterwelt der Yakuza: Die Popularität dieser neuen Gangster-Filme machte den Jidai-geki endgültig den Garaus, rettete aber gleichzeitig das Studio vor dem Bankrott.

Shochiku wiederum überlebte die Siebziger fast ausschließlich dank des phänomenalen Erfolgs der Tora-san Reihe, die gerade ihr 40. Jubiläum feiert und mit 48 Teilen die am längsten laufende Filmserie der Welt ist. Toho dagegen setzte ganz auf in Serie produzierte Monsterfilme: Godzilla musste wieder und wieder antreten und erhielt im Lauf der Zeit illustre Verstärkung von Mothra oder Gamera. Nikkatsu nahm nach einiger Zeit die Filmproduktion zwar wieder auf, beschränkte sich dabei aber fast ausschließlich auf das selbst erfundene Genre des Roman poruno (pornographische Romanzen), ein Subgenre des Pink eiga. Diese Filme, die nur knapp über eine Stunde liefen und meist eine niedrige Qualität aufwiesen, machten in den 70ern etwa die Hälfte der gesamten japanischen Filmproduktion aus.

Von diesem Rückzug der großen Studios und dem Kollaps des dahinterstehenden Studiosystems mit rigiden Verträgen und genau durchplanten Karriereschritten für Filmschaffende profitierten andererseits aber unabhängige Filmschaffende. Diese konnten nun mit einfachen Mitteln experimentelle, kreative und sozialkritische Filme drehen und tatsächlich auch einem Publikum präsentieren. Viele davon, wie Nagisa Oshima, Koji Wakamatsu oder Shohei Imamura zählen heute zu den wichtigsten japanischen Regisseuren und trugen entscheidend zur Weiterentwicklung des japanischen Kinos bei.

Sie konnten jedoch den Bedeutungsverlust des Spielfilms nicht ausgleichen, und da den japanischen Produktionen auch der Weg auf den Weltmarkt verwehrt blieb, sah Joseph Anderson eine düstere Zukunft vorher:

At the bottom line in 1982, the Japanese film industry, in contrast to so many other Japanese manufacturers, had no significant foreign markets and the worst prospects at home. It had become Japan’s answer to Chrysler.

Offenbar hatte er nicht damit gerechnet, dass die Rettung und der Weg zu neuem Glanz ausgerechnet von einem Genre kommen könnte, das im Fernsehen zu großer Popularität gelangt war. Mehr davon demnächst.

Wer schon mal einen Film von Hayao Miyazaki gesehen hat, wird sie nie vergessen: Die mal majestätische, mal zu Tränen rührende, aber immer mitreißende Musik von Joe Hisaishi, der seit Nausicaä eng mit dem Anime-Meister zusammenarbeitet und zu allen seinen Filmen den Score komponierte.

1950 als Mamoru Fujisawa in Nagano geboren, entdeckte er bereits früh die Liebe zur Musik, ging auf die Kunitachi Musikschule in Tokyo und begann in den 1970ern erste Arbeiten als Komponist, unter anderem für einige Anime-Serien. Er war in dieser frühen Phase seiner Karriere sehr von New Age beeinflusst und orientierte sich an einer minimalistischen Philosophie, wandte sich im Lauf seiner Karriere aber immer mehr orchestraler Musik zu. Sein erstes Album erschien 1981, und ungefähr zu dieser Zeit legte er sich auch seinen Künstlernamen Hisaishi Joe zu, den er aus der japanischen Aussprache von Quincy Jones ableitete (eine alternative Lesart von “Hisaishi” ist “Kuishi”).

Durch eine Empfehlung wurde 1983 Hayao Miyazaki auf ihn aufmerksam und war von seinen Ideen für den Film so begeistert, dass er den ursprünglichen Plan, einen bekannten Komponisten zu engagieren, aufgab und Hisaishi den Soundtrack zu Nausicaä aus dem Tal der Winde und in der Folge für alle weiteren Filme Miyazakis komponierte:

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Prinzessin Mononoke:

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Chihiros Reise ins Zauberland:

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Mein Nachbar Totoro:

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Das Schloss im Himmel:

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Porco Rosso:

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Das wandelnde Schloss:

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Und natürlich steuert Hisaishi auch bei Miyazakis neuestem Werk Ponyo on a cliff by the sea, das diesen Sommer in die japanischen Kinos kommt, wieder seine fantastische Musik bei. Die gibts übrigens schon zu kaufen.

Aber Hisaishi verband nicht nur eine lange und regelmäßige Zusammenarbeit mit Miyazaki, er komponierte auch noch für einen weiteren großen japanischen Regisseur: Takeshi Kitano. Eines seiner schönsten und bezauberndsten Werke überhaupt ist zweifellos der Soundtrack für Kikujiros Sommer, für den er nach 1992, 1993, 1994 und 1999 im Jahr 2000 den Japan Academy Award zum fünften Mal erhielt:

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Kids Return:

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Hana Bi:

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Charakteristisch für die Zusammenarbeit mit Kitano (die übrigens vor einigen Jahren endete, angeblich weil Hisaishis Gehaltsvorstellungen den Budgets der Filme nicht mehr entsprachen) ist ein absolut unverwechselbares Zusammenspiel aus Piano und Synthesizer-Musik, die in den Konzert-Mitschnitten leider nicht rüberkommt. Daher zur Veranschaulichung hier noch Original-Soundtracks, etwa von Sonatine aus dem Jahr 1993:

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Oder Dolls:

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Nun ist die Qualität dieser Youtube-Videos natürlich nicht so dolle. Wem gefallen hat, was er hier eben gehört hat, findet eine reichhaltige Auswahl an CDs bei Amazon, sowohl Original-Soundtracks als auch Compilations und natürlich viele der klassischen Werke, die Hisaishi über die Jahre “einfach so” komponierte.

Hisaishi ist zweifellos einer der herausragendsten Filmkomponisten unserer Zeit, und so ganz langsam scheint sich das auch bei uns herumzusprechen, davon zeugen zum einen die vielen CDs die es bei Amazon gibt, aber auch, dass seine Titel in letzter Zeit immer wieder etwa bei Klassikradio gespielt werden. Zudem ist er inzwischen auch für ausländische Produktionen tätig gewesen, etwa für den koreanischen Streifen Welcome to Dongmakgol oder The Sun also rises aus China. Nur nach Hollywood scheint sich sein Ruf noch nicht herumgesprochen zu haben…

Die besten Shops für japanische Filme und DVDs ist eines der beliebtesten (und nützlichsten) Postings das ich bisher geschrieben habe. Und bisher hatte ich auch nie Anlass, mir über einen Beitrag zu den schlechtesten Shops Gedanken zu machen. Bis ich dann vor ein paar Monaten den englischen Shop Moviemail entdeckte und dummerweise auch DVDs bestellt habe, womit ein nichtendenwollendes Ärgernis begann.

Eine kurze Chronologie des Grauens:

18. Februar: Perfect Blue von Satoshi Kon bestellt.
6. März: Nichts passiert, ich erkundige mich, was los ist: Der Film wäre derzeit noch nicht lieferbar, ich solle mich noch etwas gedulden.
19. März: Meine Bestellung wird storniert, weil Perfect Blue nicht mehr lieferbar ist. Grmpf.
10. April: Ich bestelle Zatoichi von Takeshi Kitano sowie den Mizoguchi-Doppelpack Ugetsu Monogatari & Oyu-sama.
24. April: Nachricht erhalten, dass meine Bestellung nicht abgewickelt werden konnte, weil die von mir hinterlegten Zahlungsinformationen fehlerhaft seien… Kreditkartennummer falsch eingegeben, mein Fehler, korrigiere ich natürlich sofort.
12. Mai: Wieder passiert wochenlang nichts und erkundige mich, was los ist: Meine Bestellung wurde wegen der falschen Kreditkartennummer automatisch storniert, und das, ohne mich zu informieren! Ich kaue schon kräftig an der Tischplatte vor Ärger, gebe aber dieselbe Bestellung sofort nochmal auf, sind ja schließlich tolle Filme zum Schnäppchenpreis.
3. Juni: Die zweite Bestellung von Zatoichi wird storniert, diesmal weil die DVD nicht mehr lieferbar ist. Grummel, nerv! Ich natürlich stinksauer, schreibe an den Support und beschwere mich. Zurück kommt eine Mail mit dem Tenor “Selber schuld, wenn du DVDs bestellst, die auf der Website nicht als In Stock markiert sind”.
12. Juni: Das voraussichtliche Lieferdatum für die beiden Mizoguchis wird heute nochmal verschoben, ich habe endgültig die Schnauze voll und storniere die Bestellung.

Tja, und so hab ich in den letzten vier Monaten drei Bestellungen abgegeben, nichts geliefert bekommen und ca. ein halbes Dutzend Mails mit dem Support gewechselt. Meinen Account bei Moviemail werde ich jetzt ebenfalls löschen. Sowas ist mir echt noch nicht untergekommen, geht ja gar nicht! Und das ärgerlichste dabei ist, dass die Angebote total verlockend sind, der Laden aber anscheinend überhaupt nicht in der Lage ist, das in Aussicht gestellte dann auch zu liefern. Klassische Lockangebote ohne was dahinter also. Mein Rat: Lasst bloß die Finger von Moviemail!

Hast du auch schonmal solche Erfahrungen machen müssen? Lass es uns wissen und berichte davon in den Kommentaren!

Nachtrag: Die Lieferung des Mizoguchi-Doppelpacks hat über Amazon-UK ganze 6 Tage gedauert und das bei fast identischen Preisen. Soviel zu “nicht lieferbar”.

Lang hat es gedauert, der letzte Festivaltag liegt schon mehr als eine Woche zurück, aber jetzt ist Zeit für ein Fazit, denn Griechenland gegen Schweden ist einfach unerträglich langweilig! Gleich vorneweg der Hinweis dass ich zuallererst aus der Sicht des Filmfans Bilanz ziehen werde, weniger als Mitwirkender im Team.

Wie schon im letzten Jahr bot das Japanische Filmfest wieder eine bunte Mischung aus allerlei Genres, Klassikern, Bekanntem und Unbekanntem. Miike war wieder mit an Bord und noch eine Reihe weiterer großer Namen wie Mamoru Oshii oder Kaori Momoi, dazu viele talentierte Nachwuchskünstler, denen wir für ihre zukünftige Karriere das allerbeste wünschen. Allerdings war die Auswahl dann doch etwas eingeschränkter, einfach weil statt 40 auch “nur” 31 Filme liefen. Das merkte ich zum Beispiel, als ich Freunden, die nicht gerade auf Gewalt, Horror oder Experimentelles stehen, Filme empfehlen wollte. Außer Bride of Noto oder Fuckin Runaway fiel mir da kaum was ein, das war letztes Jahr noch ganz anders! Selbes gilt besonders für die Anime, die 2007 mit Paprika und Tekkonkinkreet so ziemlich das Allerbeste zu bieten hatten, was die Animestudios hergaben. Dennoch hab ich alles in allem wieder nur gute bis sehr gute Filme gesehen, mit Sukiyaki Western Django als Ausreißer nach unten.

Damit komme ich dann auch zu meinen drei Top-Hits des JFFH2008, die mir wieder nicht gerade leicht gefallen sind (mit Rankings tue ich mir ja immer schwer…)

  1. Faces of a fig tree
  2. Noisy Requiem
  3. Fuckin Runaway

Auf Platz eins kommt bei mir Faces of a fig tree, weil mich das unkonventionelle, bitter-süße Hinterfragen von Familienleben und ganz Alltäglichem sehr beeindruckt hat, die Charaktere so schön schräg sind und der ganze Film so herrlich bunt ist. Schwere Themen werden hier auf sehr lockere Art angegangen, womit sich der Film wohltuend von den vielen anderen, eher schwer verdaulichen Werken abhebt. Auf Platz zwei dann der mit Abstand am schwersten zu verdauende von allen, Noisy Requiem, ein Film von solcher Radikalität und Konsequenz, dass es schon fast weh tut; den jeder der ihn einmal gesehen hat nie vergessen wird. Und auf Platz drei dann Fuckin Runaway, ganz knapp vor Chain, bei dem ich wirklich ganz lange geschwankt habe. Aber Fuckin Runaway ist dann doch etwas ausgereifter und runder und kann zudem mit wunderbar gezeichneten, problembeladenen Charakteren überzeugen.

Leider fehlten Festival-Highlights wie die Party oder das sonntägliche Filmfrühstück, für das mit Bride of Noto ein perfekter Film im Programm gewesen wäre. Aber aus organisatorischen Gründen war das dieses Jahr nicht drin, es war eben ein Jahr des Umbruchs und der Veränderungen im Team und das hat man gemerkt. Mehr dazu bei Gelegenheit. Dafür gab es den Bondage-Themenabend, der wohl ein Riesenerfolg war und der hoffentlich eine Fortsetzung finden wird. Dennoch bleibt einer meiner beiden Hauptkritikpunkte aus dem letzten Jahr bestehen: Es muss viel mehr um die Filme herum geboten werden, ein richtiges Rahmenprogramm gehört heutzutage zu einem guten Festival dazu. Hier gibts also noch Luft nach oben und ich bin sicher, dass sich nicht nur in diesem Bereich einiges tun wird in Zukunft.

Denn während das Festival-Team im Umbruch ist, steht das Metropolis-Kino kurz vor dem Abbruch, es müssen also auch neue Spielstätten her. Und weil 2009 das 10. Jubiläum ansteht, werden wir uns alle sehr ins Zeug legen, damit nächstes Jahr das beste Japanische Filmfest ever wird! Ich freu mich jetzt schon und würde am liebsten sofort mit der Vorbereitung anfangen, denn nach dem Festival ist vor dem Festival!

Mein Buch über Akira Kurosawa

Akira Kurosawa ist der mit Abstand bekannteste japanische Regisseur aller Zeiten, seine Filme waren Vorbilder und Inspiration für eine ganze Generation Filmschaffender. "Zwischen Samurai und Helden des Alltags" - das Buch vom Autor des Japankino-Blogs lädt ein zu einer Entdeckungsreise in die Filmwelt des Meisterregisseurs.

oder: Das Buch gleich kaufen.

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