Original: Pako to mahô no ehon, (2008) von Tetsuya Nakashima

Der alte und verbitterte Onuki (Koji Yakusho) muss wegen eines Herzinfarkts in einer – sagen wir: fantastischen – Klinik versorgt werden. Dort besteht sein ganzer Lebensinhalt darin, den anderen Patienten und dem Personal auf die Nerven zu gehen und sie zu erniedrigen. Bis ihm das Mädchen Paco (Ayaka Wilson) begegnet, das bei einem Autounfall seine Eltern und sein Kurzzeitgedächtnis verlor und nun jeden Tag aufs neue seinen Geburtstag feiert und in einem Bilderbuch die Geschichte des gemeinen Froschprinzen liest.

Onuki freundet sich zum großen Erstaunen aller mit Paco an und beginnt, ihr jeden Tag aufs Neue die Geschichte vorzulesen. In seinem verzweifelten Versuch, einen noch so kleinen Keil der Erinnerung in ihr Gedächtnis zu treiben, lebt er die Geschichte des Bilderbuches immer mehr nach und überredet schließlich die anderen, sie in einem Theaterstück für die sterbende Paco nachzuspielen.

Der letzte Film von Nakashima war der Überraschungshit Memories of Natsuko, und wer den kennt wird sich in der aus verschiedenen Handlungsebenen bestehenden Struktur des Films schnell zurechtfinden und auch die Grundidee – nach und nach kommt der wahre Charakter eines Außenseiters zum Vorschein – bekannt finden. Nur dass Paco noch um ein Vielfaches bunter, fantastischer und überdrehter ist als Memories. Der Trailer ist eindrucksvoller Beleg:

[flash]http://www.youtube.com/watch?v=2iUDG9s_OaY[/flash]

Das Theaterstück, in dem Onuki nahezu mit der Figur des Froschprinzen verschmilzt, wird jedoch nicht nur für ihn zur Katharsis. Auch anderen Patienten (und dem Personal!) der Klinik gelingt es dadurch, ihre Probleme wenn nicht zu lösen, so doch zumindest zu konfrontieren, allen voran ein früherer Kinderstar, der nur noch seinem Ruhm nachtrauert und in Selbstmitleid versinkt. So hält der Film eine Reihe von kurios-absurden Charakteren bereit, mit denen sich der Zuschauer identifizieren und Zugang zur Geschichte finden kann (mein Favorit ist der Yakuza, der von seinem Lieblingsaffen angeschossen wurde und diesen Umstand peinlichst geheimhalten will).

Bei all dem Spaß und den Verrücktheiten bleibt dem Zuschauer ein hollywood-mäßiges Happy End aber erspart verwehrt, wovon ich hier aber nicht mehr verraten will in der Hoffnung, dass Paco auch außerhalb von Festivals hierzulanden noch in die Kinos kommt oder zumindest einen ähnlich guten DVD-Release erleben wird wie Memories of Matsuko. Bis dahin kann man sich auch noch mit dem Soundtrack von Kaela Kimura trösten…

[flash]http://www.youtube.com/watch?v=xF8TOfHsJEg[/flash]

Was mich an diesem rundum mitreißenden und begeisternden Film besonders faszinierte war der fließende Übergang von Realfilm und animierten Sequenzen, die sich wechselseitig wunderbar ergänzten. Etwas vergleichbares habe ich seit Roger Rabbit nicht mehr gesehen! Mit ihrer einzigartigen Animationstradition und ihrer Experimentierfreude in diesem Bereich hoffe ich, von japanischen Filmemachern in dieser Richtung zukünftig noch mehr zu sehen. Und natürlich auch von Regisseur Nakashima, der mit seiner scheinbar unerschöpflichen Fantasie und seinem Sinn für schräge Details schon als Tim Burton Japans bezeichnet wird.