Zunächst ein paar Worte zum Autor von Schoolgirl Milky Crisis. Jonathan Clements muss ein echtes Multitalent und ein Anime- und Manga-Verrückten im positivsten Sinne sein. Er studierte Japanisch, übersetzte Manga und Anime-Untertitel, sprang selbst als Synchronsprecher ein, betreute Schauspieler und Filmemacher, sprach auf Conventions und in Hörsälen gleichermaßen, führte Interviews und schrieb Kolumnen für verschiedene Magazine. Es scheint kaum jemanden im Anime- und Manga-Business zu geben, den er nicht kennt, kaum eine Show zu geben, die er noch nicht gesehen hätte.

In Schoolgirl Milky Crisis – Adventures in the Anime and Manga Trade trägt er viele seiner Schriften, seiner skurrilsten Erlebnisse und erhellendsten Gespräche zusammen. Wie der Untertitel verspricht, ist das Buch überaus unterhaltsam, an vielen Stellen regelrecht witzig geschrieben. Das enorme Wissen, das Clements im Lauf der Jahre angesammelt hat, drängt er dem Leser nicht auf, er versucht es eher spielerisch zu vermitteln und so mancher Einblick in die Funktionsweise der Industrie ist zwischen den Zeilen zu finden.

So taugt das Buch trotz des Index nicht als Nachschlagewerk, aber eine Enzyklopädie über Anime hat Clements ja auch schon geschrieben. Vielmehr muss man es wie eine Sammlung aus Kurzgeschichten betrachten, von denen manche Wissen vermitteln und manche einfach zum Genießen sind.

Nun wird es aber auch Zeit für ein paar Beispiele, um die Bandbreite des Buchs zu demonstrieren. Das „strukturiert“ die meist 2-3 Seiten langen Geschichten in 18 Kapitel, die von Sachthemen wie „Interviews and Profiles“ oder „Legalities“, über Themen wie „Manga goes to Hollywood“ bis zu Kuriositäten a la „Rubber Monsters“ reichen. Das Kapitel „Five Girls named Moe: The Anime Erotic“ besteht einzig aus einem Vortrag, den Clements einmal an einer Universität über animierte Pornos hielt. Im Kapitel „Toy Stories“ erfahren wir unter vielem anderen die Vermarktungsgeschichte von Hello Kitty und das Kapitel „Manga Snapshots“ gibt einen kleinen Überblick über die merkwürdigsten Spezial-Manga, etwa für Golfer oder Pachinko-Spieler.

Wer sich besonders für die Insider-Stories aus dem Anime-Business interessiert, der wird in den Kapiteln „Industries and Marketries“, „Legalities“ und „Punditry“ fündig. Hier holt Clements richtig schön aus, hält mit seiner Verachtung für ahnungslose Anzugträger nicht hinterm Berg, zeigt auf, wie zufallsgetrieben oft Entscheidungen für oder gegen die Veröffentlichung eines Anime zustande kommen, welcher Schindluder mit Statistiken getrieben wird und wie so manche 08/15-DVD plötzlich zur Special Edition wurde.

Diese Hintergrundstories sind es vor allem, die das Buch so lesenswert machen. Das heisst aber auch, dass es nur begrenzt ein Buch für den „Fanboy“ ist, denn Clements verabreicht auch so manche bittere Pille. Wer sich aber wirklich für Anime, deren Produktion und Vermarktung interessiert, dem ist das Buch rückhaltlos zu empfehlen.