Original: Shojotachi no rashinban (2011) von Shunichi Nagasaki

Vier Schülerinnen einer Theater-AG rasseln mit der leitenden Lehrerin aneinander und entschließen sich, aus der AG auszutreten und ihr eigenes Ding zu machen. Unter dem Namen “Girls’ Compass” studieren sie ungewöhnliche Stoffe ein, proben auf der Strasse und auf öffentlichen Plätzen. So  und versammeln sie schnell eine wachsende Schar an Fans um sich, und werden obendrein auch noch enge Freunde.

Doch der Erfolg wird überschattet von üblen Beleidigungen und persönlichen Angriffen auf der Webseite der Gruppe gegen eines der Mädchen. Obendrein gibt es Streit zwischen zwei anderen über das Drehbuch für ein Stück, das die Truppe bei einem wichtigen Kulturwettbewerb aufführen will.

So wie oben beschrieben hat die Story super funktioniert, und mit den durchweg sehr guten darstellerischen Leistungen der Nachwuchs-Stars Riko Narumi, Shiori Kutsuna, Ayaka Morita und Mayuu Kusakari zusammen wäre das eine runde Sache geworden mit allen Optionen für ein Happy-End oder auch einen tragischen Ausgang. Allerdings haben die Macher um die Story der Theater-Gruppe herum noch eine Rahmenhandlung gesponnen, die sich mit dem Tod einer der vier beschäftigt.

Girls’ Compass beginnt deshalb mit der Anreise einer Schauspielerin zu Dreharbeiten an einem Independent Film, der in einem abgelegenen, zerfallenen Hotel spielt. Wir wissen nicht, wer die Schauspielerin ist, aber schnell wird klar, dass sie etwas mit “Girls’ Compass” zu tun hatte und dass es um die Theatergruppe ein dunkles Geheimnis gibt. In immer länger werdenden Rückblenden wird nun die eingangs beschriebene Story erzählt, bis sich am Ende herausstellt, dass der Schauspielerin der Mord an einem der “Girls’ Compass”-Mitglieder vorgeworfen wird – und dass die Zeit für Rache gekommen ist.

Vielleicht wollten die Macher nicht einfach einen weiteren Film über kreative Schülerinnen machen, die sich zusammenraufen und ihre Band oder was auch sonst immer gegen alle Umstände durchziehen. Fair enough, das ist ein hehres Ziel. Leider passen die beiden zeitlich versetzten Handlungsstränge aber nicht wirklich zusammen, worunter besonders die Atmosphäre leidet. Die ist in jedem der beiden Stränge für sich genommen absolut stimmig, nur zusammen will das ganze einfach nicht richtig zünden.

Dennoch ist Girls’ Compass ein guter und interessanter Film, aus meiner Sicht war er noch einer der besten beim JFFH2013. Die Charaktere sind gut ausgelotet mit spannenden, glaubhaften Konflikten und Problemen und die Theaterstory bietet einige ungewöhnliche Ideen. Hätten die Macher ein bisschen mehr Mut zur Schere gehabt und dem Film entweder ein anderes Ende verpasst oder gleich zwei eigenständige Filme daraus gemacht, hätte das ein echtes Highlight werden können. Auf die vier jungen Schauspielerinnen werde ich aber zukünftig auf jeden Fall ein Auge haben, könnte mir denken, dass wir von denen noch einiges hören und sehen werden.