Stuart Galbraith IV, vielen sicherlich bekannt als der Autor von The Emperor and the Wolf, der Doppel-Biographie von Toshiro Mifune und Akira Kurosawa, hat ein neues Buch am Start. In diesem zeichnet er die Geschichte von Toho nach, und zwar anhand eines chronologischen Verzeichnisses aller von Toho produzierten Filme: The Toho Studios Story: A History and Complete Filmography. Das Buch selbst dürfte wohl nur für die echten Hardcore-Fans unter uns interessant sein, dafür sorgt schon der stolze Preis von über 100 US-$, aber Stuart Galbraith hat in einem ausführlichen Interview einige wichtige Punkte angesprochen und interessantes erzählt, was ich eben kurz zusammenfassen darf…

Toho wird ihm zufolge aus heutiger, westlicher Sicht falsch wahrgenommen. Die Aushängeschilder wie Kurosawa, Mifune oder Godzilla waren keineswegs typisch für Toho, dessen Hauptgeschäft eigentlich Salaryman-Komödien waren. Entsprechend gibt es eine ganze Reihe von Filmschaffenden, deren Werke er gern im Westen veröffentlicht sähe:

Two filmmakers that immediately come to mind are Mikio Naruse and Shiro Toyoda. Naruse’s films are finally starting to become available, but there’s still so much out that that remains unreleased, and the situation is even worse with Toyoda. Or Tadashi Imai — talk about being unjustly ignored! Early postwar directors like Hiromichi Horikawa, Zenzo Matsuyama, Senkichi Taniguchi, Seiji Maruyama — almost nothing is available in the U.S., and that’s criminal in a market where Americans have easy access to every Pokemon movie.

Heute produziert Toho kaum noch selbst Filme sondern verlässt sich auf von eigenständigen kleinen Studios und Kommitees produzierte Filme. Entsprechend gibt es auch das frühere firmeninterne Ausbildungs- oder Talentrekrutierungssystem schon lange nicht mehr, was sich seiner Meinung in der Qualität der aktuellen Filme zeigt:

The New Face system of training and building up young actors, the same system that gave rise to Toshiro Mifune and lots of other stars is long gone, which is why filmmakers are turning to TV non-talent and J-Pop stars like the guys from SMAP. There’s no nurturing of filmmakers like Kurosawa and Okamoto who rose up through companies’ apprentice programs. That’s why there aren’t many good films being made in Japan by people under the age of 70.

Toho (und japanische Studios generell), sind extrem zurückhaltend bei der Vergabe internationaler Rechte. Meist werden immense Summen gefordert die in keinem Verhältnis zu den kommerziellen Erfolgsaussichten des Filmes stehen, so als wollten sie die Verbreitung ihrer Filme im Ausland unterbinden bzw. gezielt erschweren (trotz meiner erst jungen Erfahrungen beim Japanischen Filmfest Hamburg kann ich das bestätigen).

So versuchte Galbraith, selbst ein DVD-Label für unbekannte alte japanische Filme auf die Beine zu stellen, musste aber schnell erfahren, dass dies bei den geforderten Summen für die Rechte utopisch war. Da dies praktisch alle Studios betrifft, führt er dies sogar auf eine kulturelle Einstellung zur eigenen Filmgeschichte zurück:

I think also there’s a proprietary attitude by the Japanese toward their own cinema, a feeling by some Japanese that, for instance, foreigners can never truly understand Ozu, that movies like that are really for their consumption alone, and not the world’s. Here in Japan, you can routinely buy DVDs of Hollywood movies for under 1,000 yen while most Japanese DVDs are ludicrously expensive, usually 4,800 to 6,000 yen apiece. I asked Donald Richie once why he thought Japanese home video labels almost never provide English subtitles on their DVDs, and he had a very interesting answer: “Battaa kusai” (”stinks like butter”).

Er geht auch auf die Schwierigkeiten bei der Recherche für das Buch ein, die vor allem mit Übersetzungsschwierigkeiten zusammenhingen (etwa bei Filmtiteln) sowie den Eigenheiten der japanischen Sprache bzw. den Schriftsystemen, die dafür sorgen, dass die Aussprache eines Namens oft nicht eindeutig klar ist:

The biggest problems with a project like this are things like trying to nail down Japanese names definitively. The producer commonly known as Tomoyuki Tanaka is usually called “Yuko Tanaka” by those that knew him, actor Akira Takarada for instance, because the characters for Tomoyuki can also be read as “Yuko.” Which is correct? Oftentimes, there’s no way to know for sure short of knocking on the door of the family home and asking their spouse or children.

Das ganze, ziemlich umfangreiche Interview findet ihr bei Ryuganji.