Original: Jun kissa isobe (2008) von Keisuke Yoshida

Leider Gottes werden japanische Komödien meistens unter dem Label “durchgeknallter Trash” promotet, was Café Isobe nun so ganz und gar nicht gerecht wird. Auch wenn im Film einige schräge Gestalten auftauchen, bewegt er sich doch auf sehr viel ruhigerem und ernsterem Territorium und widmet sich mit großer Offenheit und viel Herz seinen Protagonisten und deren Problemen.

Im Zentrum des Films stehen die Teenagerin Sakiko (Riisa Naka) und ihr geschiedener Vater Yujiro, bei dem sie lebt. Yujiro (Hiroyuki Miyasako) ist ein Faulenzer wie er im Buche steht, was zwischen den beiden immer mal wieder für Spannungen sorgt. Als sein Vater stirbt und ihm ein beträchtliches Erbe hinterlässt, schmeisst er seinen Job hin und eröffnet ein Café, das er aber so eigenwillig einrichtet, dass sich kein Mensch blicken lassen will. Sakiko ist von dem ganzen überhaupt nicht begeistert, ihr Vater und sein Café sind ihr so peinlich, dass sie es sogar ihren Freunden verheimlicht.

Als eines Tages die hübsche Motoko (Kumiko Aso) im Café auftaucht, verliebt Yujiro sich vom Fleck weg und stellt sie als Kellnerin ein. Natürlich riecht Sakiko den Braten, die Spannungen zwischen ihr und Yujiro nehmen zu, immer öfter flüchtet sie sich heimlich zu ihrer Mutter. Doch Yujiro schwebt im siebten Himmel, nicht zuletzt weil dank Motoko und ihrem knappen Kostüm auch das Café endlich brummt. Doch auch Sakiko verliebt sich in einen Gast und wird bitter enttäuscht.

Ganz wunderbar und ohne Effekthascherei gelingt es dem Film, uns in die Gefühlswelten der drei Hauptcharaktere einzuführen: Yujiro, der anfangs wie ein alternder Frauenheld wirkt, eigentlich aber nach der großen, romantischen Liebe sucht; Sakiko, die noch nicht so recht weiß, was sie von der Liebe erwarten soll; wie beide durch Enttäuschung zusammengeschweisst werden. Und auch der Kristallisationspunkt Motoko hat es nicht leicht und muss mit dem Unverständnis und der Ablehnung der Menschen umgehen.

Café Isobe unterhält mit feinem, immer wieder überraschendem Humor, befasst sich dabei aber auch sehr stimmig und ernsthaft mit Freundschaft, Familie und den verworrenen Pfaden der Liebe. Ein kleiner, unaufdringlicher und sehr symapthischer Film mit großartigen Darstellern (Riisa Naka gewann mehrere Nachwuchspreise), der sich auf den Spuren ruhiger Komödien wie Linda Linda Linda oder Maison de Himiko bewegt und einen tollen Eröffnungsfilm für das 10. JFFH abgab.