Original: Gendaijin (1952) von Minoru Shibuya

Ogino (Sô Yamamura), Chef einer Abteilung im Bauministerium, lässt sich von einem windigen Bauunternehmer schmieren, um die Krankenhausrechnung für seine Frau zahlen zu können. Obendrein führt er noch eine Affäre mit der Barbesitzerin Shinako (Isuzu Yamada), die ebenfalls der Bauunternehmer finanziert. Als der neue Mitarbeiter Odagiri (Ryô Ikebe) in die Abteilung kommt, will Ogino diesen jedoch aus den unredlichen Machenschaften heraushalten und denkt sogar daran, ihn mit seiner Tochter Michiko zu verheiraten.

Michiko und Odagiri verlieben sich auch tatsächlich ineinander. Um Michiko den Traum von der perfekten Familie zu ermöglichen, beginnt Odagiri jedoch ein undurchsichtiges Intrigenspiel: Zuerst spannt er dem Vater Shinako aus und drängt ihn aus dem Geschäft mit der Vergabe von Bauaufträgen. An Stelle Oginos verstrickt er sich nun selbst immer tiefer in die Fänge der Korruption. Als ihm klar wird, dass er mit seinen Ränkeschmieden sowohl den Vater wie die Tochter gegen sich aufgebracht hat, will er einen Schlussstrich ziehen, doch es gibt kein Zurück mehr: Betrunken zettelt er einen Streit mit dem Bauunternehmer an und erschlägt ihn, anschließend steckt er auch noch das Büro in Brand um Beweise zu vernichten.

Der Film eröffnet mit einer Flugsequenz über eine Industrie- und Großstadtlandschaft, unterlegt mit bedrohlicher Musik und einem Off-Sprecher, der Kriminalität und Gewissenlosigkeit anprangert. Da ist es nicht verwunderlich, dass mit Odagiri der Hauptcharakter, der zunächst unbefleckt von diesen Machenschaften auftritt, in Korruption, Gewalt und Kriminalität versinkt und am Ende der Todesstrafe entgegensieht. Verwunderlich ist jedoch, mit welcher Direktheit Regisseur Shibuya seine Kritik an gesellschaftlichen Zuständen (die in vielen seiner Filme vertreten ist) vorbringt. Das ist schon kein Wink mit dem Zaunpfahl mehr, hier winkt er gleich mit dem ganzen Zaun!

Fünf Filme Shibuyas konnte ich auf der Berlinale sehen und verglichen mit diesen fällt Modern People noch unter zwei weiteren Gesichtspunkten ziemlich aus dem Rahmen: Zum einen hatten die anderen Filme bei aller Ernsthaftigkeit und Dramatik immer auch ihre komischen Momente, die in Modern People dagegen völlig fehlen. Zum anderen zeichneten sich die übrigen Filme Shibuyas duch ihre liebenswert gezeichneten und durch und durch menschlichen, wenn auch manchmal etwas überdrehten Charaktere aus, mit denen wir Zuschauer mitfiebern und uns identifizieren konnten.

Im Gegensatz dazu mag man sich in Modern People mit keinem der Charaktere wirklich identifizieren: Ogino ist ein permanent herumstammelnder Schwächling ohne einen Hauch von Rückgrat, Odagiri ist berechnend und nimmt keine Rücksicht auf die Gefühle der Menschen, Shinako ist käuflich und arrogant, der Bauunternehmer sowieso ein gewissenloses Arschloch und Michiko eine verwöhnte Träumerin.

Offenbar liegt hier der Hund begraben: „Moderne Menschen“ haben ihre Menschlichkeit verloren. Worin allerdings die Ursache für die allgegenwärtige Gewissenlosigkeit und die Selbstbezogenheit liegt, darauf gibt uns Shibuya keine Hinweise. Die Motivation der einzelnen Charaktere für ihr Handeln ist jedenfalls von Fall zu Fall verschieden, ein Muster nicht wirklich erkennbar. Hier liegt die Schwäche des Films, der zwar die Zustände anprangert, aber weder Ursachen benennt noch einen möglichen Ausweg weist.

Ein sehr direkter und kritischer Film, der schonungslos und mutig die üblen Machenschaften zwischen Politik und Wirtschaft im Nachkriegsjapan zum Thema macht und Schwächen der Menschen adressiert. Leider wird die Botschaft aber ziemlich plakativ vermittelt und die Problematik etwas eindimensional betrachtet. Mit Righteousness ist Shibuya ein paar Jahre später ein besserer Wurf zu einer ähnlichen Thematik gelungen.