Archive for the ‘Miyazaki Hayao’ Category

Original: Rupan Sansei: Kariosutoro no shiro, (1979) von Hayao Miyazaki

Hayao Miyazakis erster Spielfilm basiert auf der TV-Serie Lupin III, bei der er bereits in mehrere Episoden Regie geführt hatte. Serie und Film greifen wiederum auf die Bücher Maurice LeBlancs zurück, der Anfang des letzten Jahrhunderts die Figur des Meisterdiebs Arsène Lupin erfand und um dessen “Enkel” sich Serie und Film drehen.

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Meisterdieb Lupin und sein Kompagnon Jigen bemerken nach dem Überfall auf ein Casino, dass sie gelinkt wurden und die Geldsäcke nur Blüten enthalten. Um herauszufinden, wer hinter den Fälschungen steckt, machen sie sich auf nach Cagliostro, einem europäischen Zwergenstaat. Dort herrscht ein böser Graf, der Clarisse, die letzte Nachfahrin des alten Geschlechts der Erzherzöge, gefangen hält. Lupin und Jigen entdecken, dass der Graf Urheber der Blüten ist und durch eine erzwungene Hochzeit mit Clarisse einen alten Schatz heben will. Mit viel Geschick, Ideenreichtum und Kampfkraft durchkreuzen sie seine Pläne.

The Castle of Cagliostro ist eine Achterbahnfahrt voller Verfolgungsjagden, Explosionen, Abenteuer und Komik. Es fehlt jedoch der Tiefgang sowohl der Charaktere als auch der Handlung, der Miyazakis folgende Filme zu echten Meisterwerken macht. Weder Lupin noch Clarisse und schon gar nicht der schurkische Graf (der erste einseitig böse Wiedersacher, der mir in einem Film Miyazakis begegnet ist) müssen sich mit inneren Konflikten auseinandersetzen oder entwickeln sich weiter. Damit ist der Film zwar sehr unterhaltsam und – für damalige Verhältnisse – exzellent gezeichnet, aber letztlich doch weitgehend oberflächliches Popcornkino.

Was aber auch daran liegen mag, dass Miyazaki unter unglaublichem Zeitdruck arbeitete: Für die Produktion des Films waren nur vier Monate eingeplant (für Miyazakis derzeit in Produktion befindlichen neuesten Film sind fast zwei Jahre veranschlagt!), weshalb er auch nicht das von ihm ursprünglich vorgesehene Ende realisieren konnte. Bis heute hat er nicht verraten, wie The Castle of Cagliostro eigentlich hätte ausgehen sollen. Vielleicht hätte er seinem Erstling gerne mehr Tiefgang verliehen, hatte dazu aber schlicht keine Zeit.

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Einige Markenzeichen Miyazakis kommen aber bereits vor: Der Graf besitzt einen merkwürdigen Flugapparat ähnlich einem Hubschrauber, im Schloß gibt es überall Falltüren und Schächte durch die immer wieder Charaktere in die Tiefe fallen, Lupin und Jigen verschlingen unglaubliche Mengen beim Essen und zeichnen sich dabei nicht gerade durch Tischmanieren aus. Daneben finden sich auch hier bereits ansatzweise die berauschend schönen Landschaftsbilder.

Auch seine Detailversessenheit und sein Perfektionismus sind trotz der – verglichen mit seinen späteren Werken – einfachen Gestaltung des Films bereits offensichtlich: Die Autos beruhen alle auf realen Modellen wie etwa dem Fiat 500, den Lupin fährt, oder der 2CV von Clarisse (Miyazakis erstes Auto war ein 2CV). Ebenso sind alle gezeigten Waffen von Fujikos Uzi bis zu den Handgranaten nach realen Vorbildern gezeichnet.

Trotz seiner Schwächen ist The Castle of Cagliostro ein sehenswerter, sehr unterhaltsamer Film, der gewissermaßen einen Zwischenschritt Miyazakis beim Übergang von der Arbeit an TV-Serien hin zu seinen grandiosen Spielfilmen markiert. Als solcher ist er definitiv ein Meilenstein und für das Verständnis des Gesamtwerks und der Entwicklung des Künstlers Hayao Miyazaki bedeutsam.

Original: Kaze no tani no Naushika, (1984) von Hayao Miyazaki

In einer post-apokalyptischen Welt sind die überlebenden Menschen von einem Wald giftiger Pflanzen bedroht, der von gigantischen Insekten, den Ohmu, beschützt wird. Die Prinzessin Nausicaä entdeckt das Geheimnis des Waldes: Er reinigt den verseuchten Boden und versorgt die Menschen mit sauberem Wasser. Sie will eine friedliche Koexistenz von Menschen und Insekten erreichen, stößt damit aber auf Unverständnis und gerät mit ihrem Volk sogar zwischen die Fronten zweier sich bekriegender Königreiche, die mittels eines wiederbelebten Kriegstitans den Wald und die Insekten zerstören wollen, die daraufhin einen Großangriff auf die Menschen starten.

Um die Menschheit vor der sicheren Vernichtung zu retten, opfert Nausicaä ihr eigenes Leben. Doch die Ohmu, die wie der Wald selbst über heilende Kräfte verfügen, erkennen den Großmut und die Selbstlosigkeit dieser Tat an, geben ihr das Leben zurück und verschonen die Menschen. Eine neue Zeit des harmonischen Zusammenlebens bricht an.

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Hayao Miyazaki selbst gab Nausicaä nur 65 von 100 Punkten, weil er durch den religiös interpretierbaren Schluss des Films, Nausicaäs Auferstehungsszene, die Überzeugungskraft geschmälert sah. Ein Stück weit mag er damit Recht haben, aber alles in allem ist Nausicaä ein grandioser Film! Mit ihm wurde nicht nur der Grundstein für das Studio Ghibli gelegt, sondern auch für viele spätere Filme Miyazakis.

Das zentrale Thema seiner Filme, das Verhältnis von Mensch und Natur, begegnet uns hier zum ersten Mal, ebenso wie die Erlöser-ähnliche, vermittelnde Heldenfigur der Nausicaä. Auch der visuelle Stil mit seinen opulenten Landschaftsbildern und seiner Liebe zum Detail (wenn auch wegen fehlender Mittel noch bei weitem nicht so ausgeprägt wie in späteren Werken) ist unverkennbar. Und natürlich die sich durch das ganze Werk Miyazakis ziehenden Bezüge zum Fliegen.

Die Figur der Nausicaä ist an eine Prinzessin aus der alten japanischen Sage “Tsutsumi Chunagon Monogatari” angelehnt, die sehr naturverbunden und tierlieb ist und darüber hinaus allem aufgeschlossen und vorurteilsfrei gegenübertritt. Nausicaäs daraus resultierende Mittlerrolle findet sich später bei Ashitaka in Prinzessin Mononoke wieder. Während Ashitaka aber erst durch die Auseinandersetzung mit dem ihm auferlegten Fluch diese Rolle übernimmt, wurde Nausicaä ihr Schicksal gewissermaßen in die Wiege gelegt: Bereits als kleines Kind hatte sie versucht, eine Ohmu-Larve zu retten.

Die kurzen Flashbacks, in denen diese Naturverbundenheit und Nausicaäs besondere Veranlagung, ihre Auserwähltheit, angedeutet werden, gehören für mich zu den absolut unvergesslichen Szenen der Filmgeschichte! Die von Joe Hisaishis (Miyazakis Hauskomponist) rätselhafter und zugleich ergreifender Musik unterlegte, surreale Szene ist ganz in Gold- und Brauntöne gehalten.

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Man sieht Nausicaä in einem goldenen Feld, wie sie von ihrem Vater gerufen wird. Der zuerst vertrauenerweckende Ruf des Vaters und seine scheinbar helfend ausgestreckte Hand werden jedoch gleich darauf befehlend, ja fordernd.

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Aus der einen Hand des Vaters werden plötzlich viele, das Gefühl der Bedrohung und Verletzlichkeit wird überwältigend, vor allem weil der Zuschauer nicht weiß, dass die Hände nicht nach Nausicaä ausgestreckt sind, sondern nach der jungen Ohmu, das sie vor den Menschen und ihrem eigenen Vater beschützt und versteckt hält.

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Nicht nur diese Szenen, der ganze Film bezieht einen großen Teil seiner Faszination aus der kongenialen Musik Hisaishis, der bis heute die Musik zu allen weiteren Filmen Miyazakis (und auch zu einigen von Takeshi Kitano, etwa Hana-Bi) beitrug.

Um die Geschichte von Nausicaä überhaupt als Film realisieren zu können, zeichnete Miyazaki sie zuerst als mehrbändigen Manga, dessen Erfolg es ihm dann ermöglichte, die Produzenten von der Finanzierung dieses ungewöhnlichen Animes überzeugen zu können. Das Ergebnis ist wahrhaft ein Meilenstein, diesen Film muss man gesehen haben!

Original: Tonari no totoro, (1988) von Hayao Miyazakidustbunny

Mein Nachbar Totoro ist wahrscheinlich der schönste Film – im Sinne von rundum glücklich machendem Wohlfühlkino – den ich je gesehen habe! Auch nach drei Jahren, die ich den Film kenne und in denen ich ihn bestimmt ein halbes Dutzend Mal gesehen habe, weine ich in manchen der anrührenden, liebevollen und atemberaubend schönen Szenen wie ein kleines Kind.

Es geht um zwei junge Schwestern, Satsuki und Mei, die mit ihrem Vater ein Haus auf dem Land beziehen, während ihre Mutter im Krankenhaus ist. Bald entdecken die beiden, dass in dem großen Baum hinter dem Haus der Waldgeist Totoro wohnt, mit dem sie sich anfreunden. Totoro erweist sich als sehr hilfreich, als die kleine Mei ausreißt, und ebenso, als die Schwestern ihre Mutter im Krankenhaus besuchen möchten, denn er kann – wie es sich für einen Geist gehört – fliegen. Außerdem kann er den Katzenbus rufen… einfach ein toller Geist!

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Das Wunderbare an Totoro ist, dass er ohne all die Disney-Klischees auskommt: Es gibt keine Bösewichte, keinen gemeinen Stiefvater, keine Rabenmutter. Satsuki und Mei leben in einer völlig normalen Welt (ok, mit Geistern) ohne all die konstruierten Konflikte und Abenteuer, die sonst die Handlung eines Films tragen, und müssen sich mit den Problemen und Herausforderungen des normalen Lebens herumschlagen.

Besonders Satsuki wird dabei auf eine harte Probe gestellt, muss sie doch in Abwesenheit der Mutter viel Verantwortung im Haushalt und für ihre kleine Schwester Mei übernehmen. Sie bewältigt diese Aufgaben auch mit Bravour, bis sie von einer Verschlechterung des Zustands der Mutter erfahren. In der entstehenden Krisensituation verliert sie erstmals die Nerven und beschimpft Mei, die daraufhin ausreißt. Die Sorge um Mei und das Gefühl, ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden zu sein, treibt Satsuki zu einer verzweifelten, dramatischen Suche (Miyazaki kontrastiert die innere Spannung und Verzeiflung Meis in diesem Teil des Films mit bezaubernd schönen Bildern). Als letztes Mittel wendet sie sich schließlich an Totoro, der ihr und Mei aus der Patsche hilft.

Wie in vielen Filmen Miyazakis ist das harmonische Nebeneinander von Mensch und Natur ein zentrales Thema. Im Gegensatz zu anderen Filmen muss hier um diese Harmonie aber nicht hart gekämpft werden, sie stellt sich durch die kindliche Aufgeschlossenheit und Neugier der beiden Mädchen auf ganz natürlich Art und Weise von selbst ein. Damit ist die Botschaft von Totoro etwas anders nuanciert als bei Miyazakis sonstigen Filmen, die sich mit dem Verhältnis von Mensch und Natur befassen.

Daneben begeistert Mein Nachbar Totoro durch seine originellen, unglaublich fantasiereichen Details. Allein der Katzenbus ist es wert, dass man sich den Film anschaut! Und natürlich ist er der perfekte Film für Kinder, aber auch junggebliebene Erwachsene werden ihre Freude daran haben!

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Was ein Timing! Gerade fange ich an, mich hier im Blog ausführlicher mit Anime im Allgemeinen und – zum Einstieg – mit Hayao Miyazaki im Besonderen zu beschäftigen, da wird offiziell das neue Projekt des Anime-Meisters vorgestellt. Bereits seit vergangenem Oktober laufen die Arbeiten an Gake no ue no Ponyo (Ponyo on a cliff), im Sommer nächsten Jahres soll er dann in die Kinos kommen. Der Film basiert auf einer chinesischen Legende und dreht sich um den fünfjährigen Sosuke und die Goldfischprinzessin Ponyo, die ein Mensch werden möchte.

Via GhibliWorld

Original: Mononoke Hime (1997), von Hayao Miyazaki

Mit Prinzessin Mononoke fing alles an. Knapp fünf Jahre ist es her, dass ich ihn das erste Mal auf Video gesehen habe, und dieses Erlebnis war für mich wie eine Offenbarung! Dieser Film hatte so gar nichts mit den Animationsfilmen gemein, die ich bis dahin gesehen hatte (sprich: Disney und Pixar) und war so viel durchdachter, tiefgehender und menschlicher, dass ich mir wie ein Zweitliga-Kicker vorkam, den es plötzlich in die Nationalmannschaft verschlagen hat.

Wie immer bei Miyazaki ist die Welt des Films eine Mischung aus historischer Realität und dem Reich der Magie: Prinz Ashitaka rettet sein Dorf vor dem Angriff eines Dämons, wird dabei aber mit einem Fluch belegt. Auf der Suche nach dem Ursprung des Dämons stößt er auf eine Stadt, die Erzvorkommen ausbeutet und deren Herrin Eboshi Gewehre herstellt und damit die alten Waldgeister bekämpft. Auf der Seite des Waldes und seiner Tiere kämpft San, von den Menschen Prinzessin Mononoke genannt, in die Ashitaka sich sofort verliebt, wodurch er sich zwischen alle Fronten gerät.

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Die Geschichte ist sehr komplex, definitiv nicht für kleine Kinder geeignet (es fließt reichlich Blut) und unglaublich faszinierend! Auch das kleinste Detail ist wunderschön gezeichnet, die Landschaftsbilder sind atemberaubend und die Charaktere glaubwürdig und im Gegensatz zu US-Filmen nicht in ein schwarz-weiß-Schema von gut gegen böse gepresst. Beispielsweise befreit die scheinbar böse Eboshi Frauen aus der Prostitution, um ihnen ein neues Leben zu ermöglichen, und kümmert sich rührend um Leprakranke. So hat jeder Charakter seine guten, aber auch seine schlechten Seiten.

Miyazaki klagt in Prinzessin Mononoke vor allem den Raubbau an der Natur aus egoistischen Motiven und kurzfristigem Gewinndenken an, sowie die Unfähigkeit der Menschen, in Harmonie untereinander und mit der Natur zu leben. Er plädiert für einen Neubeginn, eine neue Kultur und ein neues Bewusstsein im Umgang mit der Natur aber auch mit den Menschen. Er ist sich im Klaren, dass er sich damit Feinde auf beiden Seiten macht.

Dieses Dilemma verkörpert Ashitaka, der erkennt, dass sowohl die Menschen der Stadt als auch die Tiere und Geister des Waldes ihre Daseinsberechtigung haben. Damit stößt er sowohl bei Eboshi als auch bei San auf Unverständnis, phasenweise gar Hass. Der auf ihm lastende Fluch ist damit nicht nur dämonischer Zorn angesichts von Starrsinn und Zerstörung, sondern auch die schwere Erkenntnis, dass nur in der harmonischen Koexistenz von Mensch und Natur ein Ausweg aus den blutigen Kämpfen liegt. Ashitakas schwierige Aufgabe ist es, diese Erkenntnis zu verbreiten.

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Immer wieder zeigt Miyazaki uns die durch den Fluch verunstaltete Hand des Helden, als wollte er uns auffordern, etwas zu tun, um diesen Fluch abzuwaschen. Erst ganz am – zwar glücklichen aber dennoch sehr nachdenklich stimmenden – Ende des Films, als alle Beteiligten ihre Verfehlungen eingesehen haben und zu einem Neubeginn bereit sind (bzw. dazu gezwungen wurden), verschwindet der Fluch. Ashitaka hat etwas bewirkt, eine Veränderung im Bewusstsein der Menschen angestoßen und den Weg in eine bessere Zukunft aufgezeigt.

Die Kernbotschaft von Mononoke ist damit umrissen; der Film ist jedoch so vielschichtig, dass ich ein ganzes Buch schreiben könnte, aber das schaffe ich heute Abend nicht mehr.

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