Archive for the ‘Links’ Category

Das Nippon Connection Festival 2007 ist vorbei, es gab laut Pressemeldung 16.000 Besucher, die 170 Filme ansehen konnten. Der mit 2.000 Euro dotierte Nippon Cinema Award ging an Isshin Inudous La Maison de Himiko.

Eigentlich wollte ich hier jetzt gleich einige Augenzeugen-Berichte anführen, aber die Suche bei technorati brachte doch ziemlich dünne Ergebnisse… wer was gelesen hat oder selbst dort war: Bitte um kurzen Hinweis in den Kommentaren! Jedenfalls gibt es bei kimera und im tmdarkstar-Blog Eindrücke und Zusammenfassungen zu einigen Filmen zu lesen. Hoffe, dass in den nächsten Tagen noch ein bisschen was nachkommt…

Update: Bei den Fünf Filmfreunden finden sich jetzt auch ein paar Eindrücke von der NC 2007.

Außerdem:
Das Programm des 8. Japanischen Filmfestivals Hamburg ist endlich da! (Komisch nur, dass ich trotz Nachfrage per Mail nichts davon erfahren hab). Mehr dazu jedenfalls in Bälde!

Sehr begeistert von Mikio Naruses Stummfilm Nasanu naka zeigt sich Thomas, der im Zuge der Berlinale Retrospektive das Glück hatte, diesen seltenen Film sehen zu können. Er schreibt:

Nasanu Naka folgt dem Melodram im geschickten Aufbau – Erzählokonomie, Figurenkonstellationen und dergleichen befinden sich durchweg auf höchstem Niveau. Davon aber abgesehen ist es vor allem die Inszenierung des Films, die staunen lässt: Nasanu Naka ist von einer unvergleichlichen Bild- und Bewegungsdynamik getragen. Die Position und Bewegung der Kamera sind in jedem Moment reflektiert und als Ergebnis einer ästhetischen und gestalterischen Entscheidung vordergründig präsent: Nie hat man den Eindruck in einer distanzierten Position des Geschehens zu verharren, stets ist man ‘mittendrin’: Die Kamera bannt nicht das Geschehen, sondern folgt ihm nach.

Interessant finde ich besonders den Hinweis auf die Dynamik der Kamerabewegungen, die mir aus den späten, sehr stark statisch geprägten Naruses kaum bekannt sind. Die Veränderungen im Stil zwischen seinen Filmen der 30er und der 50er Jahre scheinen doch erheblich zu sein. Inzwischen entwickelt sich in den Kommentaren zum Post zudem eine (auch von mir geführte) Diskussion über die verspätete Einführung des Tonfilms in Japan.

Und im Forum von Rolling Stone gibt es einen Thread, in dem Naruse diskutiert und einige – besonders frühere Filme als die von mir gesehenen – vorgestellt werden.

Also schaut’s mal rein!

Zu diesem Fazit gelangt Robert Castle in seinem Artikel über die Zatoichi-Filmserie der 1960er und 1970er Jahre, der gerade in der neuesten Ausgabe vom Bright Lights Film Journal erschienen ist.

Er berichtet von Castles Überraschung, als er durch Takeshi Kitanos “Zatoichi” von den 25 Vorgängerfilmen um den blinden Schwertkämpfer Ichi erfuhr und wie er die Serie lieben lernte. Ich habe einige mir wichtig erscheinende Aussagen des (englischen) Artikels zusammengefasst, eine sehr gute Übersicht über den Inhalt der ganzen Ausgabe hat Thomas zusammengestellt. Und bei twitchfilm gibt’s übrigens eine Review zu den auf DVD erscheinenden TV-Folgen von Zatoichi.

Was zeichnet also Ichi, den Held von 25 Filmen, aus?

  • Seine menschlichen Schwächen: Abgesehen von seiner Blindheit ist Ichi ein passionierter Glücksspieler und gehörte früher zur Yakuza.
  • Seine Bescheidenheit: Durch die Blindheit weiss er um seine Schwächen und Grenzen, er akzeptiert diese und maskiert damit zugleich seine Unbezwingbarkeit im Schwertkampf.
  • Sein Wille, sich durch nichts ablenken zu lassen: Neben der übermenschlichen Schräfung seiner anderen Sinne gehört dazu auch sein überwiegendes Desinteresse an Frauen.
  • Seine Hilfsbereitschaft und Gutmütigkeit: Er kann keine Bitte ablehnen und hilft jederzeit den Schwächeren und Bedrängten.

Als das Paradoxon der Serie bezeichnet Robert Castle, dass Ichi trotz all dieser positiven, friedfertigen Eigenschaften immer wieder mit absolut mörderischer Gewalt konfrontiert wird. Die Urheber dieser Gewalt müssen jedoch immer mit dem Leben bezahlen. Damit werde Ichi zum idealen Helden der kleinen Leute, so Castle.

Das überraschendste an der Serie scheint zu sein, dass trotz der 25 Teile anscheinend kein Verfall, keine schematischen Wiederholungen auftreten, dass es den Produtzenten im Gegenteil immer wieder gelang, durch kleine Kniffe die Serie zu beleben.

Daher das Fazit: Zatoichi forever!

Habe gerade entdeckt, dass das Bright Lights Journal seine Artikel zum japanischen Kino auch online zugänglich macht. Wer also tiefgehende, gut geschriebene Rezensionen, Interviews oder Ankündigungen neuer DVD-Sammlungen oder was auch immer nachlesen möchte, und sich an der englischen Sprache nicht stört, ist dort genau richtig.

Es werden von der von mir vergötterten schwarz-weiß-Ära bis zu Takashi Miike eine breite Bandbreite an Themen abgedeckt, die Artikel sind zum Teil aber schon mehrere Jahre alt. Ich find’s super und hab den Link auch gleich zur Blogroll hinzugefügt.

Über Japankino

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