Habe gerade durch Zufall gemerkt, dass im IE6 Blogbeiträge mit Bildern irgendwie etwas verstümmelt aussehen… aus unerfindlichen Gründen ist die Spaltenbreite im IE6 geringer als eigentlich vorgesehen. Das führt dazu, dass die 450 Pixel breiten Screenshots die Spalte sprengen und andere Design-Elemente überlagern. Unschön, aber nicht wirklich schlimm.

Browser-Statistiken

Da zudem Nutzer des Internet Explorer hier in der Minderheit sind (von den oben angegebenen 38 Prozent nutzen noch ca. 70 Prozent den IE6, Tendenz fallend), werde ich mich jetzt nicht in unnötige Arbeit stürzen. Und wer ein Problem damit hat, soll eben endlich auf einen gescheiten Browser wechseln!

Rotbart

Original: Akahige (1965) von Akira Kurosawa

Es gibt diese ganz seltenen Filme, die dem Zuschauer mit aller Brutalität die Grausamkeit und Unerträglichkeit des Lebens vor Augen führen und gleichzeitig dessen einzigartige Schönheit zelebrieren und klar machen, warum das Leben trotz aller Beschwernis in jeder Sekunde lebenswert ist. So ein Juwel ist Rotbart.

Der junge Arzt Yasumoto (Yuzo Kayama) tritt nach dem Ende seines Studiums eine Stelle in einem ländlichen Armen-Hospital an. Obwohl völlig unerfahren, tritt er hochnäsig und eingebildet auf und weigert sich zunächst, seinen Pflichten nachzukommen und sich den strikten Regeln des „Rotbart“ genannten Chefarztes Niide (Toshiro Mifune) zu unterwerfen. Für diesen stehen immer die Patienten an erster Stelle, zudem hat er ganz eigene Ansichten über das Leben und die Heilung der physischen und psychischen Wunden, die es den Menschen zufügt.

Je mehr Yasumoto jedoch erlebt, wie selbstlos Niide Gutes tut und sich für seine Patienten einsetzt und je mehr er selbst über das Leben und die Arbeit eines Arztes erfährt, um so mehr beginnt er, Niide zu achten. Als er dann seinen ersten eigenen Patienten, das junge, in einem Bordell misshandelte Mädchen Otoyo, zugewiesen bekommt, beginnt er, in Niides Fußstapfen zu treten und dessen Lektionen selbst zu leben und an Otoyo weiterzugeben.

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Symbol der Güte, der Hilfsbereitschaft und der Erkenntnis des Guten selbst wird in Rotbart das Licht einer einzelnen Kerze. In fast allen für die Entwicklung der „Schüler“ Yasumoto und später Otoyo wichtigen Szenen brennt eine Kerze: In den Gesprächen zwischen Niide und Yasumoto, während Yasumoto die junge Otoyo pflegt und schließlich, als das Mädchen beginnt, seine traumatische Vergangenheit zu überwinden und das Gute zunächst in Yasumoto und dann auch in sich selbst zu erkennen und diese Güte zurück- und weiterzugeben.

So wie Niide anfangs Yasumoto zum Schüler nahm und ihn die Erkenntnis des Guten lehrte, so nimmt sich Yasumoto die junge Otoyo zur Schülerin, und diese wiederum einen kleinen Jungen. Kurosawa entzündet gewissermaßen eine Kerze für das Gute und zeigt uns, wie sich diese kleine Flamme in einer Art Lichterkette von Mensch zu Mensch ausbreitet.

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Dass Rotbart trotz dieser scheinbar banalen humanistischen Botschaft niemals in Banalitäten abgleitet, liegt zum einen daran, dass der Weg zur Erkenntnis des Guten steinig ist. Wie so oft demonstriert Kurosawa dies mittels des Verhältnisses von Schüler und Meister.

Niide bietet mit seiner nach außern hin abweisenden, zynischen Art reichlich Reibungsfläche für den jungen Yasumoto, der aber bald erkennt, dass unter der rauen Haut Niides ein unermüdlicher Kämpfer für das Gute steckt. Die anhand der furchtbaren Schicksale der Patienten (Vergewaltigungen, Misshandlungen, zerrissene Familien, Selbstmorde) demonstrierte unerträgliche Realität ignoriert Niide mit unendlicher Sturheit und Geduld. Nichts kann ihn davon abbringen, Menschen zu helfen und ihnen Gutes zu tun.

Zum anderen zeigt Kurosawa aber auch die Schattenseiten von Niides Kampf für das Gute: Dieser legt nicht nur sich selbst und seinen Ärzten ein asketisches Leben auf sondern greift auch zu Lügen und Erpressung und prügelt zur Not auch ein paar Schurken krankenhausreif. Er ist sich der Zwiespältigkeit seines Tuns bewusst und es ist für ihn nicht immer leicht, damit umzugehen. Doch er hat für sich entschieden, was „das Gute“ ist, handelt entsprechend und verleiht dadurch seinem Leben Sinn. Yasumotos schwere Aufgabe besteht darin, ihm auf diesem Weg zu folgen.

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Doch Kurosawa beschäftigt sich nicht nur mit seinem Dauerthema Schüler-Lehrer, er berichtet auch konsequent und mit verschiedenen Mitteln (Erzählungen aus erster oder zweiter Hand, ausgedehnte Flashbacks) von den Schicksalen der Patienten. So etwa das einer Frau, die in ihrer Kindheit wiederholt vergewaltigt wurde und in der Folge mehrere Männer nach dem Geschlechtsakt ermordete.

Im Kontrast dazu stehen einige Szenen, die wenig Bedeutung für die Entwicklung der Geschichte oder der Charaktere haben, deren pure Schönheit aber zum Sinnbild für die Möglichkeit eines erfüllten, glücklichen und sinnspendenden Lebens werden.

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Bei der Bildkomposition auffallend ist die selbst für Kurosawa exzessive Verwendung von Ojektiven mit extrem langer Brennweite. In zahlreichen Szenen verschmelzen Vorder- und Hintergrund zu einer Ebene und der dargestellte Raum wird extrem komprimiert, was vereinzelt zu Desorientierung des Zuschauers führen kann, etwa wenn in einer Einstellung Yasumoto direkt vor der Tür zu sitzen scheint und in der nächsten, aus anderer Perspektive gezeigten Einstellung plötzlich klar wird, dass er sich in Wirklichkeit mitten im Raum befindet.

Besonderen Gebrauch macht Kurosawa in Rotbart von Sound und Musik. Das wird bereits während des Vorspanns deutlich, in dem in Großaufnahme die Dächer der Klinik und der Stadt gezeigt werden. Die darüber gelegte Titelmusik bricht jedoch immer wieder ab und Geräusche aus Stadt und Natur werden hörbar. Solche immer wieder eingestreuten Hintergrundgeräusche machen die Welt des Films auch akustisch greifbar. Die zauberhaft leichte, geradezu beschwingte Musik von Masaru Sato kommt nur in seltenen Momenten zum Einsatz, benötigt dann aber nur wenige Akkorde, um ihre ganze Emotionalität zu entfalten und unterstützt die Wirkung der Bilder hervorragend.

Das Zusammenspiel der brillanten Bilder mit der berührenden Musik und den akustischen Effekten schafft immer wieder Momente von exquisiter Schönheit. Den entstehenden Konflikt mit den dargestellten deprimierenden Einzelschicksalen löst Kurosawa durch die Rotbart und vielen anderen seiner Filme zu Grunde liegende Botschaft auf: Selbsterkenntnis, Hingabe an ein höheres Ziel und Einsatz für die Verbesserung gesellschaftlicher Umstände machen das Leben trotz aller Beschwernis lebenswert und ermöglichen es, seine Schönheit zu erfahren.

Der heute für aus Japan stammende Animationsfilme übliche Begriff Anime entstand erst in den späten 1960er Jahren, mit der Entwicklung einer echten Animationsindustrie. Die zuvor in den Jahren seit 1917 produzierten Filme waren als Doga bezeichnet worden.

Der erste japanische Animationsfilm Mukuzo Imokawa wurde von Hekoten Shimokawa, einem Mitarbeiter des humoristischen Magazins Tokyo Puck im Jahr 1917 produziert. Im selben Jahr entstanden auch Hanahekonai’s New Sword von Junichi Kouchi und The Battle of the Monkey and the Crab von Seitaro Kitayama, der 1921 das erste japanische Animationsstudio gründete (das allerdings bereits nach dem großen Kanto-Erdbeben 1923 wieder auflöste).

In dieser Frühphase wurden Animationsfilme meist für Schulungen eingesetzt. Einer der Zeichner in Kitayamas Studio, Sanae Yamamoto, begann bald eigenständig Filme zu produzieren und wurde neben Yasuji Murata und Noburo Ofuji zu einem der Aushängeschilder der Animationsindustrie. Ihre Filme basierten meist auf asiatischen Legenden, Märchen und Sagen und orientierten sich stark an den amerikanischen Vorbildern. Eine Spezialität Ofujis war die Animation von bemalten Papierausschnitten.

Der typische Animationsfilm der 1930er Jahre war schwarz-weiß, hatte eine Länge von sechs bis 14 Minuten und behandelte Sagen, Tieranimationen im Disney-Stil und Komödien mit militaristischem Hintergrund. Auch wenn wichtige Animateure wie Ofuji oder Murata ihren Themen treu blieben, wurden im Laufe der 30er Jahre doch immer mehr propagandistische Filme gedreht. Spätestens nach dem Angriff auf Pearl Harbor entstanden dann fast ausschließlich Animationsfilme mit propagandistischem Hintergrund. Ihr Zweck war es, die Glorifizierung der Armee und des Krieges in den Realfilmen zu ergänzen und damit eine größere Abdeckung der Bevökerung zu erreichen, speziell Familien und Kinder.

Umso erstaunlicher, dass es Kenzo Masaoka 1943 gelang, mit Kumo to chourippu eines der größten Meisterwerke aus der Frühzeit des Animationsfilms zu schaffen. Darin versucht eine große schwarze Spinne, ein Marienkäfermädchen in ihr Netz zu locken. Im letzten Moment entdeckt die Marienkäfer-Dame die Falle und flüchtet in eine schützende Tulpe. Die Spinne gibt nicht auf und webt die gesamte Tulpe ein in welcher der Marienkäfer sitzt. Doch da setzt ein Sturm ein und die Spinne muss plötzlich selbst um ihr Netz und ihr Leben kämpfen.

Nach Kriegsende schlossen sich Sanae Yamamoto und Kenzo Masaoka zusammen und gründeten die Produktionsfirma Nihon Doga. Trotz der neuen Organisationsform und der Zusammenarbeit zweier bekannter Animationskünstler fehlte es aber an professionellen Produktionsmitteln. Außerdem blieben viele Animateure den gewohnten Arbeitsmethoden und –techniken treu, so dass die Filme der späten 1940er Jahre sich kaum von denen der 30er unterschieden. Nur mussten sie jetzt mit den aus den USA importierten, aufwändig in Farbe produzierten Disney-Filmen konkurrieren.

1955 entschied Toei, eines der großen japanischen Filmstudios, eine Abteilung für Animationsfilme zu einzurichten und kaufte Nihon Doga auf, so dass 1956 Toei Doga entstand. Erklärtes Ziel war es, das „Disney Asiens“ zu werden. Ab 1958 entstand nun unter der Leitung von Taji Yabushita und Yasuji Mori jedes Jahr ein abendfüllender Farbfilm, für den sie zunächst auf das erprobte Disney-Schema der Adaption von Märchen und Sagen zurückgriffen, in denen süße Tiere und viel Magie vorkamen.

Fast zeitgleich baute auch Ryuchi Yokoyama, ein bekannter Manga-Zeichner, ein eigenes Studio auf, mit dem er mehrere preisgekrönte Filme produzierte. Zudem begann Tadahito Mochinaga für das Fernsehen erste Werbespots (Once Upon a Time There Was Beer) und Kurzfilme zu drehen, von denen Little Black Sambo Conquers the Tigers 1958 beim Internationalen Filmfest in Vancouver ausgezeichnet wurde. Der Grundstein für eine blühende Animationsindustrie war gelegt.

Teil II lesen

Nippon Connection Frankfurt

Der Vorverkauf für Eintrittskarten läuft jetzt auch online und auch das 41 Seiten (!) umfassende, kommentierte Film- und Veranstaltungsprogramm ist inzwischen online und steht als PDF zum Download bereit.

CineAsia Köln

Ein schönes Roundup zum kürzlich zu Ende gegangenen sechsten CineAsia Festival findet sich bei critic.de, in dem unter anderem Memories of Tomorrow mit Ken Watanabe, Strawberry Shortcakes und Faces of a Fig Tree von Kaori Mamoi besprochen werden.

Japanisches Filmfestival Hamburg

Leider gibt’s hier keine bahnbrechenden Neuigkeiten, außer dass meine Neugier auf das Programm sich langsam dem roten Bereich nähert… hoffe auf das oben erwähnte Regiedebut von Kaori Mamoi, das auch schon in Frankfurt lief, Paprika und Goro Miyazakis Debut Gedo Senki. Als Fan seines alten Herrn bin ich natürlich sehr gespannt, wie der Junior sich so schlägt und ob und wie er sich vom Papa absetzt bzw. auf ihn Bezug nimmt. Auch den an Ghost World erinnernden German + Rain der hochgelobten Newcomerin Satoko Yokohama würde ich gern sehen. *daumendrück*

Original: Rupan Sansei: Kariosutoro no shiro, (1979) von Hayao Miyazaki

Hayao Miyazakis erster Spielfilm basiert auf der TV-Serie Lupin III, bei der er bereits in mehrere Episoden Regie geführt hatte. Serie und Film greifen wiederum auf die Bücher Maurice LeBlancs zurück, der Anfang des letzten Jahrhunderts die Figur des Meisterdiebs Arsène Lupin erfand und um dessen „Enkel“ sich Serie und Film drehen.

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Meisterdieb Lupin und sein Kompagnon Jigen bemerken nach dem Überfall auf ein Casino, dass sie gelinkt wurden und die Geldsäcke nur Blüten enthalten. Um herauszufinden, wer hinter den Fälschungen steckt, machen sie sich auf nach Cagliostro, einem europäischen Zwergenstaat. Dort herrscht ein böser Graf, der Clarisse, die letzte Nachfahrin des alten Geschlechts der Erzherzöge, gefangen hält. Lupin und Jigen entdecken, dass der Graf Urheber der Blüten ist und durch eine erzwungene Hochzeit mit Clarisse einen alten Schatz heben will. Mit viel Geschick, Ideenreichtum und Kampfkraft durchkreuzen sie seine Pläne.

The Castle of Cagliostro ist eine Achterbahnfahrt voller Verfolgungsjagden, Explosionen, Abenteuer und Komik. Es fehlt jedoch der Tiefgang sowohl der Charaktere als auch der Handlung, der Miyazakis folgende Filme zu echten Meisterwerken macht. Weder Lupin noch Clarisse und schon gar nicht der schurkische Graf (der erste einseitig böse Wiedersacher, der mir in einem Film Miyazakis begegnet ist) müssen sich mit inneren Konflikten auseinandersetzen oder entwickeln sich weiter. Damit ist der Film zwar sehr unterhaltsam und – für damalige Verhältnisse – exzellent gezeichnet, aber letztlich doch weitgehend oberflächliches Popcornkino.

Was aber auch daran liegen mag, dass Miyazaki unter unglaublichem Zeitdruck arbeitete: Für die Produktion des Films waren nur vier Monate eingeplant (für Miyazakis derzeit in Produktion befindlichen neuesten Film sind fast zwei Jahre veranschlagt!), weshalb er auch nicht das von ihm ursprünglich vorgesehene Ende realisieren konnte. Bis heute hat er nicht verraten, wie The Castle of Cagliostro eigentlich hätte ausgehen sollen. Vielleicht hätte er seinem Erstling gerne mehr Tiefgang verliehen, hatte dazu aber schlicht keine Zeit.

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Einige Markenzeichen Miyazakis kommen aber bereits vor: Der Graf besitzt einen merkwürdigen Flugapparat ähnlich einem Hubschrauber, im Schloß gibt es überall Falltüren und Schächte durch die immer wieder Charaktere in die Tiefe fallen, Lupin und Jigen verschlingen unglaubliche Mengen beim Essen und zeichnen sich dabei nicht gerade durch Tischmanieren aus. Daneben finden sich auch hier bereits ansatzweise die berauschend schönen Landschaftsbilder.

Auch seine Detailversessenheit und sein Perfektionismus sind trotz der – verglichen mit seinen späteren Werken – einfachen Gestaltung des Films bereits offensichtlich: Die Autos beruhen alle auf realen Modellen wie etwa dem Fiat 500, den Lupin fährt, oder der 2CV von Clarisse (Miyazakis erstes Auto war ein 2CV). Ebenso sind alle gezeigten Waffen von Fujikos Uzi bis zu den Handgranaten nach realen Vorbildern gezeichnet.

Trotz seiner Schwächen ist The Castle of Cagliostro ein sehenswerter, sehr unterhaltsamer Film, der gewissermaßen einen Zwischenschritt Miyazakis beim Übergang von der Arbeit an TV-Serien hin zu seinen grandiosen Spielfilmen markiert. Als solcher ist er definitiv ein Meilenstein und für das Verständnis des Gesamtwerks und der Entwicklung des Künstlers Hayao Miyazaki bedeutsam.

Seit Freitag war der Blog zeitweise offline oder es wurden veraltete Inhalte angezeigt, denn ich habe den Provider gewechselt und musste erstmal mit der Datenbank und dem ganren Kram umziehen. Sorry falls sich jemand gewundert hat, jetzt (scheint) aber wieder alles zu stimmen und zu funktionieren.

Ich hatte die Faxen von 1&1 (meinem alten Provider) endgültig dicke! Mein bisheriges Hoster-Paket von denen bietet zwar einen Haufen Optionen und Funktionen, die man aber allesamt nicht braucht, wenn man sich ein bisschen auskennt. Wirklich wichtige Leistungsmerkmale wie etwa mehrere MySQL-Datenbanken fehlen dagegen. Obendrauf ist 1&1 auch noch teuer, das Rechnungswesen ist völlig intransparent und der Service ist auch ne Katastrophe, du machst also besser einen großen Bogen um die, falls du einen Hoster suchst! So, das musste einfach mal raus.

Aber jetzt ist alles natürlich viel besser! 🙂

Robotic Angel

Original: Metoroporisu, (2001) von Rintaro

Beim ersten Sehen fiel es mir sehr schwer, der Handlung zu folgen. Zu fesselnd waren die auf mich einstürmenden Bilder, eine höchst außergewöhnliche Mischung aus 2D-Charakteren und unfassbar detaillierter 3D-Welt sowie der jazzige Soundtrack. Ich kam einfach aus dem Staunen nicht mehr heraus. Erst auf den zweiten Blick habe ich auch einen Zugang zur Geschichte und den vielschichtigen Charakterbeziehungen gewonnen.

Der Film basiert auf einem 1949 erschienenen Manga von Osamu Tezuka, der dazu wiederum durch eine Szene aus Fritz Langs Metropolis inspiriert worden war. Die Anime-Adaption nimmt jedoch zahlreiche Modifikationen an Tezukas Manga vor und die Macher Rintaro und Katsuhiro Otomo geben zu, dass Tezuka sicher versucht hätte, ihre Verfilmung zu verhindern, wäre er noch am Leben gewesen (dieses Eingeständnis allein ist bemerkenswert).

Robotic Angel präsentiert uns eine streng in hierarchische Zonen organisierte Welt, in der die Reichen und Schönen in Wolkenkratzern leben, die Unterprivilegierten dagegen in der Unterwelt. Neben diesem Riss durch die Gesellschaft gibt es noch einen zweiten Konflikt, nämlich den mit einer Armee von omnipräsenten Robotern, die vom Straßenkehrer über den Butler bis zum Polizisten alle denkbaren Funktionen übernehmen.

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Die von mir angesprochene faszinierende Inszenierung dieser Welt beruht auf einem gewagten Mix: Anleihen aus Fritz Langs Metropolis und dem Blade Runner sind offensichtlich und vermischen sich zu einem manchmal düsteren, manchmal technokratisch-kalten, manchmal bezaubernd schönen 3D-Porträt der industriellen Großstadt. Die gezeichneten Figuren mit ihren großen Augen und ihrem Retro-Look (besonders beim Privatdetektiv Ban muss ich immer an Figuren aus Tim und Struppi denken) wollen zuerst so gar nicht in diese 3D-Welt passen, gehen aber letztlich eine fantastische Symbiose mit ihr ein.

Im Zentrum der Handlung steht Tima, ein vollendeter Roboter, von einem genialen Wissenschaftler für Duke Red geschaffen, den Machthaber der Stadt. Er will, dass Tima in Zukunft über die Stadt und damit die Welt herrscht. Doch sein eigener Ziehsohn Rock, der die Roboter hasst, vereitelt seinen Plan und Tima geht vor ihrer Fertigstellung verloren. Gefunden wird sie von Kenichi, der sich um sie kümmert, ihr das Sprechen beibringt und sich in sie verliebt, ohne zu merken, dass sie kein Mensch ist.

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Tima ist dabei immer auf der Suche nach sich selbst, ihrer Identität und ihrem Ursprung und orientiert sich dabei an Kenichi, für den sie große Zuneigung empfindet. Als Duke Red sie letztlich findet, ihre wahre Herkunft offenbart und sie auf den Thron setzt, richtet sich Timas Enttäuschung, nicht wie Kenichi zu sein, gegen die ganze Menschheit: Sie setzt die von Menschen für sie geschaffene Technik nun zur Zerstörung der Menschen ein. Erst im letzten Moment kann Kenichi diese abwenden, doch Tima ist für immer verloren.

Ich könnte nun viel über die politischen und sozialen Hintergründe und die Kritik, die der Film mit seiner Gegenüberstellung verschiedener Gesellschaftsschichten übt, die sich in der Auseinandersetzung zwischen Menschen und Robotern nochmals spiegeln, schreiben. Ich möchte mich aber ganz auf Tima, den künstlichen Engel, und ihr Verhältnis zu Kenichi und Rock konzentrieren.

Rock und Tima verbindet ihre Suche nach Orientierung und Halt, beide haben keine Eltern und projezieren ihre Gefühle auf eine Person, Red Duke respektive Kenichi. Während Rock jedoch von glühender Eifersucht getrieben ist und seine Unsicherheit und Suche nach Zuneigung mit Gewalt und Hass kompensiert, ist Tima durch und durch gütig, geradezu engelsgleich. Als Kröne der Schöpfung ist sie damit die manifestierte Hoffnung auf eine bessere Welt.

Sie sieht in Kenichi all das, was für sie die menschliche Existenz ausmacht: Hilfsbereitschaft, Aufrichtigkeit, Güte und Liebe. Sie erfährt die Welt zunächst durch ihn, lernt mit seiner Hilfe sprechen und schreiben und orientiert sich ganz an seinem Vorbild. In einer wunderbaren Szene versucht Kenichi ihr den Unterschied zwischen „ich“ und „du“ zu erklären, und bringt dann selbst die Identitäten durcheinander.

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Doch als sie von Kenichi getrennt wird, von ihrer wahren Existenz erfährt und von dem Schicksal, das ihr von machtbesessenen Menschen vorherbestimmt wurde, und sie die Schattenseiten des Menschseins erfahren muss, bricht ihr Herz. Sie nimmt die Position als allmächtiges Überwesen an und verwandelt sich dabei in eine Vernichtungsmaschine. Nur Kenichi kann den Untergang der Menschheit abwenden.

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Neben all den angedeuteten sozialen Aspekten ist Robotic Angel für mich in erster Linie eine umwerfende Studie dessen, wozu der Mensch – im Guten wie im Bösen – fähig ist. Durch eine einzigartige Verbindung von modernen CGI-Grafiken, altmodischen Zeichnungen und Filmmusik entwickelt er einen Charme, dem sich wohl kaum jemand entziehen kann. Die vielen Nebenhandlungen und die den Hintergrund abgebenden sozialen und ethisch-moralischen Fragen bieten zudem Gesprächsstoff für so manchen langen Abend! Ein außergewöhnlich guter, aber auch ein sehr fordernder Film, der sich nicht so ohne weiteres erschließt.

Nächste Woche startet in Berlin debut, eine von critic.de organisierte Filmreihe mit Deutschlandpremieren internationaler Newcomer. Den Auftakt macht dann auch gleich ein Japaner: Izumi Takahashi hat seinen Film The Soup, one morning im Gepäck und wird nach der Aufführung Rede und Antwort stehen.

Wichtiger Bestandteil des Konzepts scheint nämlich das Reden über Film zu sein, nicht nur der Konsum. Ein sehr lobenswerter und wichtiger Ansatz, den sie hoffentlich im Blog ausführlich begleiten und dokumentieren! Ich wünsche den Jungs und Mädels viel Erfolg damit und hoffentlich schaffe ich es auch mal vorbeizukommen, auch wenn ich dann keine Chance mehr auf freien Eintritt habe.