Mehr als zwei Jahre nach dem japanischen Kinopublikum bekommen wir diese Woche endlich auch die Gelegenheit, das neueste Werk von Hayao Miyazaki auf der großen Leinwand bestaunen zu können! Ab Donnerstag, dem 16.09., läuft Ponyo in den deutschen Kinos, hier bei mir in Hamburg jedoch leider nur nachmittags im Kinderprogramm, so dass ich mich bis zum Wochenende gedulden muss. Alles in allem aber doch ein Happyend, denn fast 2 Jahre lang wurde über das Schicksal des Films spekuliert und phasenweise sah es schon fast so aus, als würde der Film nie in die Kinos kommen, was auch zum meistkommentierten Artikel hier im Blog geführt hat.
Jetzt heisst es: Ab in die Kinos, so zahlreich wie möglich! Als allererstes am besten Freunde und Familie ansprechen, die Kinder haben. Denen dürfte der Film am leichtesten zu vermitteln sein. Je mehr Leute ins Kino gehen, um so geringer die Wahrscheinlichkeit, dass wir beim nächsten Mal wieder so ein Hickhack miterleben müssen. Als kleine Motivationshilfe hier der Trailer für diesen wunderbaren Film:
25 Aug
Der japanische Film hat einen seiner wichtigsten, kreativsten und innovativsten Regisseure verloren – Satoshi Kon starb gestern im Alter von nur 46 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Als ich die Nachricht heute morgen las, war ich schlicht fassungslos, konnte und wollte es nicht glauben. So wird es uns allen gegangen sein, die wir seine der Zahl nach geringen, dafür aber umso bewundernswerteren Werke schätzten, verehrten, liebten. Für ihre psychologische Tiefgründigkeit, ihre überbordende Fantasie und ihren Detailreichtum, ihre atemberaubenden Perspektivenwechsel, ihren trockenen und feinsinnigen Humor, ihre technische Perfektion und ihre tiefe Menschlichkeit.
Was seinen Tod so tragisch, so unbegreiflich macht, sind nicht nur sein noch junges Alter und der Gedanke an die vielen genialen Momente, die er Filmliebhabern auf der ganzen Welt noch hätte bescheren können. Es ist auch das Wissen, dass er ein so einzigartiger, kompletter Künstler war, dass er unersetzbar ist. Niemand sonst könnte Filme machen, wie er sie gemacht hat. Satoshi Kon war nicht nur ein begnadeter Animationskünstler, oder ein intelligenter Drehbuchautor – er hatte die Fähigkeit, mit jedem seiner Werke eine geschlossene, durchdachte und neue Wege beschreitende Vision zu verwirklichen. Er war ein verdammtes Genie! Sein Tod ist ein dramatischer Verlust für die Animewelt und alle Liebhaber anspruchsvoller Filme.
Einem von ihm verfassten Abschiedsbrief, der heute auf seiner persönlichen Webseite veröffentlicht wurde, können wir entnehmen, dass er offenbar erst vor wenigen Monaten von den Ärzten die erschütternde Botschaft bekam, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat. Trotzdem sorgte er sich offenbar um die Fertigstellung seines nächsten, gerade in Arbeit befindlichen Werks – ein Perfektionist und im positiven Sinne vom Filmemachen Besessener.
Eine auszugsweise englische Übersetzung dieses Briefs kann bei ANN nachgelesen werden, aber um die Überschrift zu verstehen, brauche ich keine Hilfe: さようなら – sayonara.
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Nachtrag: Eine komplette, exzellente Übersetzung des Abschiedsbriefs ins Englische findet sich bei Makiko Itoh.
21 Aug
Im Dezember haben wir hier die Besetzung des Regiestuhls beim neuen Ghibli-Film Karigurashi no Arrietty mit dem noch ziemlich jungen Hiromasa Yonebayashi diskutiert. Vom Look und Feel des Films konnten wir uns inzwischen anhand des einen oder anderen Trailers einen Eindruck machen. Inzwischen läuft der Film seit 18. Juli, also gut vier Wochen, in den japanischen Kinos, Zeit um mal einen Blick auf die Zahlen zu werfen.
Leider sind die Zahlen der verschiedenen Quellen nicht so wirklich deckungsgleich, aber das Einspielergebnis des Startwochenendes lag wohl leicht unter dem von Ponyo, was Verleiher Toho positiv stimmt und Gesamterlöse von mindestens 10 Billionen Yen (etwa 120 Mio $) erwarten lässt. Jetzt, nach vier Wochen, werden von Boxoffice Mojo für Karigurashi no Arrietty 74 Mio US-$ vermerkt, damit hat er bereits deutlich mehr eingespielt als Gedo Senki, das Spielfilmdebut von Hayao Miyazakis Sohn Goro.
Yonebayashi scheint bei seinem Debut also den Nerv des Publikums schonmal deutlich besser getroffen zu haben, das stimmt weiter positiv und lässt auch für die Zukunft auf schöne Ghibli-Filme hoffen!
18 Jul
Von einer lieben Freundin habe ich über facebook den Tipp bekommen, dass 3sat vom 20. bis 29. Juli eine Animationsfilmreihe zeigt. Neben Hayao Miyazakis Das wandelnde Schloss (24. Juli) läuft auch noch Mamoru Hosodas Das Mädchen, das durch die Zeit sprang in der deutschen Erstausstrahlung (21. Juli).
Die Kommunikationsstrategie des JKI werd ich wohl nie verstehen… Da stellen die eine Retrospektive eines Kultregisseurs wie Yasuzo Masumura zusammen und informieren ihre Newsletter-Abonnenten erst eine Woche nach dem Beginn der Retro, als die ersten Filme schon gezeigt wurden.
Aber immerhin: Die Retrospektive läuft noch bis 29. Juli, wer also im Kölner Raum lebt, hat noch reichlich Gelegenheit, sich ein umfassendes Bild von Masumuras Werk zu machen. Stolze 18 Filme – überwiegend frühe Werke aus den 50er und 60er Jahren – zeigt das Japanische Kulturinstitut. Leider laufen die Filme an Wochentagen, so dass Auswärtige kaum eine Chance haben, aber was meckere ich hier rum, schaut euch einfach das Programm an!
5 Mai
Auch wenn wir es nicht ganz geschafft haben, den versprochenen Termin einzuhalten: die neue JFFH-Webseite, die seit gestern weitgehend fertig ist und die Infos zu allen 40 Filmen und den kompletten Spielplan enthält, kann sich – das behaupte ich jetzt einfach mal dreist – sehen lassen.
Wie es der Zufall so will, fand sich heute ein Review unseres Eröffnungsfilms Tajomaru im Feedreader. Und was hat der sehr geschätzte Kollege von AK-News and Information zu unserem Highlight geschrieben?
There is this genre of films that are so bad that, when watched together with a group of people, they become almost perfect entertainment, allowing you to constantly point at things on the screen and laugh until your stomachs hurt. Tajomaru (2009) is one of those films, and as such a brilliant cinematic present to any group wanting to have a good time on a Friday evening.
Wunderbar, bessere Werbung hätten wir uns ja kaum wünschen können! Jeder Marketingfritze würde sich nach Zitaten wie “almost perfect entertainment” und “brilliant cinematic present” die Finger lecken! Nur schade, dass unser Eröffnungsabend am Mittwoch ist und nicht am Freitag. Aber wie gehts denn weiter?
It is difficult to describe Tajomaru. I would love to present you with a full plot-outline, but I doubt that anyone could really follow it, as the film has more twists and turns than a Swiss alpine road on steroids.
Das wird ja immer besser, der Film ist nicht nur unglaublich witzig sondern bietet auch eine abwechslungsreiche und unvorhersehbare Story! Na da brauch ich doch gar nicht erst weiterzulesen, sondern freue mich schonmal rundum auf den Film und natürlich das ganze JFFH!
PS: Wir haben auch jede Menge wirklich genialer Filme im Programm
Gerade ist das Rätsel um Andres verschollenen Film gelöst, schon findet sich die nächste Mail im Briefkasten, die ich euch nicht vorenthalten will. Sie kommt von Ruth Jäschke vom Japanischen Generalkonsulat in Düsseldorf. Ruth ist anscheinend auch regelmäßige Leserin hier, was eindeutig für ihren Filmgeschmack spricht! Sie schreibt:
In dem Zusammenhang ist mir der Gedanke gekommen, dass Sie vielleicht auf Ihrer Internet-Seite Freunde des japanischen Kinos auf unsere kleine Japanische Filmwoche hinweisen könnten, die das Japanische Generalkonsulat Düsseldorf in Zusammenarbeit mit dem Japanischen Kulturinstitut Köln und dem Filmmuseum Düsseldorf in der Black Box, dem Kino im Filmmuseum (Schulstr. 4, 40213 Düsseldorf), veranstaltet. Gezeigt werden alle Filme in Japanisch mit deutschen Untertiteln; der Eintritt ist frei.
Kein Problem, mach ich doch gerne! Danke für die Info
Die Japanische Filmwoche in Düsseldorf beginnt am kommenden Sonntag (31. Januar) und endet am 6. Februar. Sieben Filme werden im Filmmuseum zu sehen sein, darunter Klassiker wie Shall we dance, Twilight Samurai, After Life oder Tokyo Godfathers. Der Eintritt ist wie oben erwähnt frei, alle Veranstaltungen in der Übersicht bietet der Flyer als pdf.
17 Jan
Vor ein paar Wochen erst habe ich von meinen Sorgen über die Zukunft japanischer bzw. asiatischer Filmfestivals geschrieben, Anlass war damals die Info über das Aus für ein Filmfests in Lyon. Im Hinterkopf hatte ich außerdem schon das Barcelona Asian Filmfest (BAFF), über dessen 2010-Ausgabe es lange keine Neuigkeiten gab. Erst pünktlich zu Weihnachten kam dann die Nachricht, dass es vom 30. April bis 9. Mai stattfinden wird. Letztes Jahr hatte das BAFF eine beeindruckende Reihe japanischer Filme im Programm und ich hoffe, dass das auch in diesem Jahr wieder so sein wird, denn ich habe vor, hinzufliegen.
Außerdem habe ich gerade von Mustafa Görgün erfahren, dass dieses Wochenende (vom 15. bis 17. Januar) in Istanbul zum sechsten oder siebten Mal ein kleines japanisches Filmfest stattfindet. Organisiert wird es wohl von einer japanischen Kulturbehörde, der Eintritt ist sogar kostenlos! Die Macher scheinen sich an der Devise “klein aber fein” zu orientieren, folgende sieben hochkarätigen Filme sind im Programm:
Es besteht also doch noch Hoffnung für die Filmfeste!
Neue Kommentare
12 japanische Filme, die man gesehen haben muss (49):- TommyTom: Ich liebe japanische Filme, vor allem Klassiker oder neuere die sich mit dem alten Japan beschäftigen. Kenne viele aus...
Das Beste der anderen – Dezember11 (1):