Archive for the ‘Persönlich’ Category

Vor einiger Zeit habe ich Freunden bei der Deutsch-Japanischen Gesellschaft zu Hamburg angeboten, im Rahmen ihrer Shinwakai-Treffen einen Vortrag zu Akira Kurosawa zu halten. Im kleinen Rahmen, nichts berühmtes. Wir haben uns dann auf den 1. März als Termin geeinigt und vor ein paar Tagen hat die DJG die Einladungen verschickt. Kaum geschehen, meldet sich bei mir ein Herr Teller von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft aus Oldenburg. Und jetzt halte ich den Vortrag zwei Wochen später im April auch in Oldenburg!

Wenn das so weitergeht, moderiere ich nächstes Jahr die Oscar-Verleihung. ;-)

Eine bitterböse Abrechnung mit aktuellen Tendenzen der Filmkritik hat neulich Thomas in sein Filmtagebuch gehackt. Abgesehen davon, dass darin sogenannte Filmkritiker, die letztlich nur weichgespülte PR für die gerade angesagten Blockbuster machen, in die Pfanne gehauen werden, finden sich auch wichtige Gedanken zur Bedeutung von Filmkritik:

Filmkritik kann vieles sein. Zuallererst eine Dokumentation von Erfahrung. Dann Speicher für Beobachtungen, Festhalten von Eindrücken und Auffälligkeiten. Nicht zuletzt wird der einzelne Film mit seinen ephemeren Qualitäten verankert in einem Netz aus Bedeutungen, Ansichten, Geschichten, Traditionen. Filmkritik ist Reden über einen Film – mit dem Vorteil einer dokumentierenden Speicherung der Auseinandersetzung.

Wo er Recht hat, hat er Recht! Reden über einen Film – am besten in vertrauter Runde – bringt immer noch die besten Gedanken hervor, hilft dabei, das Erlebnis Film zu verarbeiten und sich zu vergegenwärtigen, was der Film in einem selbst bewegt und ausgelöst hat.

Diese Chance bietet ein Stück weit auch eine Filmkritik, denn der Autor setzt sich natürlich mit einem Film, über den er schreibt, zwangsweise ganz anders auseinander. Was einer klassischen Filmkritik aber immer abgeht, ist das Einbeziehen und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Sichtweisen. Der Kritiker schreibt eben aus seiner Perspektive, und man kann sich dann seinen Teil dazu denken.

Das Großartige an Kritiken in Blogs ist dagegen, dass sich durch Kommentare das Reden über den Film gewissermaßen simulieren lässt. Das war eben auch die Hoffnung, die ich mit dem Bloggen hier verbunden habe: Diskutieren über die genialen – und natürlich auch weniger genialen – Filme, Eindrücke austauschen und Stimmen sammeln. Da mir natürlich bewusst ist, dass ich mir dafür eine ziemlich abstruse Nische ausgesucht habe, ist mir auch klar, dass ich einen langen Atem brauche. Aber ich bin zuversichtlich, denn da draußen gibt’s genug Verrückte wie mich. ;-)

Was war drin? Natürlich zwei DVDs: Das Leben der Frau Oharu und Die 47 Samurai, zwei Meisterwerke von Kenji Mizoguchi, nach denen ich schon lange gesucht hatte.

In Deutschland waren die einfach nicht aufzutreiben, aber wozu gibt’s schließlich Ebay? Dort bin ich dann bei einem (netten und zuverlässigen) Typen aus Südkorea fündig geworden, der öfter mal Klassiker des japanischen Kinos anzubieten scheint. Da ist mir mal wieder klar geworden, dass ich ohne die technische und wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen 10 bis 15 Jahre mit meinem Hobby ganz schön aufgeschmissen wäre!

Lang lebe das Internet! Lang lebe die Globalisierung!

Beim Auspacken hab ich dann zwar kurz einen kleinen Schrecken bekommen, als auf der einen Hülle keine englischen Untertitel erwähnt waren (koreanische Untertitel sehen zwar lustig aus, sind aber nicht wirklich hilfreich, und mein japanisch ist bestenfalls *hüstel* rudimentär).

Jetzt freu ich mich natürlich erstmal auf zwei faszinierende Filmabende! Und sobald ich mal wieder Zeit hab, folgen die Eindrücke zu den Filmen.

Habe gerade entdeckt, dass das Bright Lights Journal seine Artikel zum japanischen Kino auch online zugänglich macht. Wer also tiefgehende, gut geschriebene Rezensionen, Interviews oder Ankündigungen neuer DVD-Sammlungen oder was auch immer nachlesen möchte, und sich an der englischen Sprache nicht stört, ist dort genau richtig.

Es werden von der von mir vergötterten schwarz-weiß-Ära bis zu Takashi Miike eine breite Bandbreite an Themen abgedeckt, die Artikel sind zum Teil aber schon mehrere Jahre alt. Ich find’s super und hab den Link auch gleich zur Blogroll hinzugefügt.

Das Hamburger Filmfest ist für dieses Jahr vorüber und meine anfängliche Enttäuschung wurde leider nicht wieder wettgemacht. Ganz im Gegenteil, sie ist noch deutlich größer geworden, was vor allem an der Programmgestaltung und Organisation lag:

  • Der Programmplan sah fast durchweg nur zwei Filme pro Tag und Kinosaal vor, Spätvorstellungen gab es überhaupt keine.
  • Ausgeprägte Europa/Nordamerika-Zentrierung, kaum Filme aus Lateinamerika (mit denen ich bisher in Mannheim sehr gute Erfahrungen gemacht habe) oder dem boomenden asiatischen Kino.
  • Ein großer Teil der Filme im Programm wurde während des ganzen Festivals nur einmal gezeigt! Gerade bei Beiträgen, die im Rahmen eines Specials wie “Finnland Deluxe” laufen und deshalb einen hohen Grad an Aufmerksamkeit genießen, ist mir das völlig unverständlich.
  • Es gab wohl Filmtalks in der Pony-Bar zum allgemeinen Austausch. Aber Möglichkeiten, die Filmschaffenden vor oder nach dem Film zu Gesicht bekommen, waren Fehlanzeige (oder so schlecht promoted, dass Sie mir entgangen sind). Die Filmtalks fanden genialerweise statt, während in den Kinos die Filme liefen.

OK, ich muss bei all der Schelte zugeben, dass ich wegen einer ekligen Erkältung ein paar Tage verpasst habe, und somit selbst Schuld bin wenn mir gute Filme entgangen sind. Aber bei einer vernünftigen Programmplanung hätte ich mir den einen oder anderen in einer Wiederholung ansehen können. Naja, vielleicht gerät das hier ja in die richtigen Hände und nächstes Jahr wird’s besser.

… denn leider laufen dort dieses Jahr keine japanischen Filme! Ansonsten wird es aber auf dem in wenigen Tagen beginnenden 14. Hamburger Filmfest sicher wieder viele interessante, wegweisende und spannende Filme zu sehen geben.

Besonders von der Länderretrospektive, die sich dieses Jahr mit dem finnischen Kino befasst, verspreche ich mir einiges. Als großer Kaurismäki-Fan und stiller Bewunderer der finnischen Kultur und Lebensweise rechne ich fest mit dem einen oder anderen, hintergründig-komischen, bitter-romantischen Kleinod.

Und beim nächsten Filmfest gibts dann vielleicht auch mal was über japanische Beiträge zu berichten.

Am Anfang war Prinzessin Mononoke.

Das grandiose Anime-Meisterwerk des genialen Hayao Miyazaki war mein erster Kontakt mit einem Film aus Japan, und hinterließ einen schwer beeindruckten Cineasten. Der zündende Funke war letztlich “Rashomon”, mit dem ja auch Akira Kurosawa (und in seiner Folge das japanische Kino insgesamt) seinen Durchbruch auf der internationalen Bühne hatte. Von nun an brannte das Feuer in mir lichterloh und das japanische Kino ist in der jüngeren Vergangenheit zu einem mich immer mehr begeisternden Hobby geworden.

Eine besondere Faszination üben dabei die Filme der schwarz-weiß Ä„ra auf mich aus; als das japanische Kino sich noch durch bestimmte Erzählformen sowie ästhetische und thematische Besonderheiten vom Weltkino abhob und Meisterregisseure wie Kurosawa, Ozu, Mizoguchi oder Naruse ihm ihren Stempel aufpägten.

Auf dieser Seite möchte ich meine Eindrücke von Filmen und erworbenes Wissen weitergeben, meine Begeisterung greifbar machen und auch ein Stück weit weitergeben. Natürlich bin ich sehr an Kommentaren, Hinweisen, Tipps und interpretativem Austausch interessiert. Ich bin mir durchaus bewusst, dass das Thema dieses Blogs etwas verdammt exotisch ist und dass mir wahrscheinlich nicht gerade die Tür eingerannt werden wird. Umso mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung kann ich dem geschätzten Leser zukommen lassen!

Viel Spaß beim Lesen und schöne Grüße

Klaus

Über Japankino

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