Archive for the ‘Persönlich’ Category

Heute ist ein schwerer Tag für mich, ich muss wirklich ganz stark sein, denn ich werde 30! Jetzt kann ich mir zwar den Spitznamen “Sanjuro” zulegen, aber so wirklich glücklich macht mich das auch nicht. Aufmunternder war da schon eine sehr liebe Glückwunschkarte von Freunden, die ich heute morgen aus dem Briefkasten gefischt habe:

Wir stehen dir an deinem schweren Tag natürlich seelisch und moralisch bei und verkneifen uns jeglichen dummen Spruch über dein fortgeschrittenes Alter. Daher senden wir einfach herzliche Geburtstagsgrüße und wünschen uns, dass du so bleibst, wie du bist: jugendlich-attraktiv, welt- und redegewandt, unglaublich sexy und erfolgreich – aber vor allem: immer ein wenig älter als wir…

Die habens wirklich drauf, erst Bauchpinselei vom allerfeinsten und dann im Nachgang, wenn man nicht mehr damit rechnet, noch mal schön im Vorbeigehen den Ellbogencheck rausholen!  ;-)

Um erst gar keine Depressionen aufkommen zu lassen, möchte ich mir heute noch selbst einen blogbezogenen Wunsch erfüllen, und zwar ein Filmquiz, das ich im Lauf des Tages starten werde. Angesichts der besonderen Umstände hat sicher jeder Verständnis, dass es sich in diesem Fall auch mal um nicht-japanische Filme handeln darf, oder?

Wie mein cineastisch veranlagter Leser sicher weiß, verstarben vorgestern – also am 30. Juli – innerhalb weniger Stunden zwei der herausragendsten Regisseure der Kinogeschichte: Ingmar Bergman und Michelangelo Antonioni. Beide hatten mit ihren Werken der 1950er und 60er Jahre Kinogeschichte geschrieben und nicht nur das europäische Autorenkino entscheidend geprägt.

Doch der Anlass dieses Posts (eigentlich wollte ich heute Abend den nächsten Beitrag meiner NGE-Reihe zu Shinji Ikari schreiben) ist nicht so sehr der Tod dieser beiden Meisterregisseure, sondern vielmehr meine Enttäuschung, als ich eben meinen Feedreader öffnete und feststellen musste, dass von den etwa 25 deutschen und englischen Blogs rund um Filme und Kino, die ich abonniert habe, sich nur ein einziger in den letzten beiden Tagen mit diesem Verlust für das Weltkino beschäftigt hat! OK, viele dieser Blogs haben teilweise thematisch sehr spezielle Schwerpunkte, so dass ich mir klar war, dass die beiden Todesfälle hier oder dort niemals Thema sein würden. Aber ein einziges Blogpost zu Bergmans Tod? Und keines zu Antonioni? Zwei Fragen drängen sich mir da auf: Sollte ich das eine oder andere Feed-Abo vielleicht überdenken? Und können Blogs – auch wenn sie noch so gut gemacht sind – klassische Medien ersetzen?

Erstere Frage werde ich jetzt hier nicht en détail erörtern, nur soviel: Ich war positiv überrascht von den Fünf Filmfreunden, deren exzellent gemachter Blog mir bisher für ein Abo zu mainstreamig war, die aber zwei anständige Nachrufe brachten und auch das Finale von Antonionis Zabriskie Point, diesen Meilenstein der Filmgeschichte, einbanden. Die zweite Frage muss für heute wohl mit einem klaren Nein beantwortet werden. Und so greife ich nach längerer Zeit mal wieder zur Süddeutschen, empfehle den Bergman-Nachruf von Fritz Göttler und den dazu passenden Aufriss der Biographie des großen Schweden sowie einen Rückblick auf Leben und Werk Antonionis.

an meine sechs Jahre in Mannheim, während denen das Atlantis-Kino erheblich dazu beitrug, dass ich zu dem Filmfan wurde, der ich heute bin. Was habe ich dort für großartige Filme gesehen: Die Brücke am Kwai, Dogville, Alexis Sorbas, Maria voll der Gnade, Mulholland Drive, Memento, Frühstück bei Tiffany, Der englische Patient, Gegen die Wand, Lost in Translation und natürlich noch viele mehr.

Vom 13. bis 15. Juli feiert diese 2003 als bestes Kino Baden-Württembergs ausgezeichnete Institution des Mannheimer Kulturlebens mit einem großen Jubiläumswochenende ihren 25. Geburtstag. Geboten werden u.a. eine Buchpräsentation, ein Fotoprojekt, eine Kurzfilmnacht und am Sonntag Morgen eine Matinee.

Schade, dass ich nicht dabei sein kann. Ich gratuliere hiermit aus der Ferne und verneige mich tief vor diesem großartigen Programmkino, in dessen roten Sesseln sitzend ich viele begeisternde Film-Stunden verbrachte und das mit seiner stuckgeschmückten Decke, der Empore und der großen Bühne mit dem altmodischen Vorhang für mich immer eine Verkörperung idealer Kinoatmosphäre bleiben wird.

via Kino-Zeit

entdeckt David Bordwell und lässt uns dankenswerterweise wieder einmal an seinen Erkenntnissen teilhaben. Ausgangspunkt ist die dem Leben und Werk des Schwertfilmstars Bando gewidmetet Dokumentation Bantsuma: The Life of Tomasaburo Bando, die ihm zufolge tiefe und begeisternde Einblicke in die außergewöhnliche Kreativität und Innovationskraft des japanischen Actionkinos der frühen 1920er Jahre erlaubt.

In seiner unnachahmlichen Weise verdeutlicht Bordwell dies mit Analysen zahlreicher Screenshots und ausgewählter Szenen und kommt zu der Schlussfolgerung, dass bereits diese frühen Filmemacher die Logik und Normen des Continuity-Cuttings verinnerlicht haben und konsequent anwenden. Dabei gehen sie aber noch einen Schritt weiter und stehen – Bordwell zufolge – damit in einer Reihe mit den etwa zur gleichen Zeit von Eisenstein entwickelten Ideen der Montage.

This is innovative filmmaking of a high order, and it took place in a shamelessly commercial film industry. Mainstream filmmaking in Japan has been open to stylistic experiment to a degree rare in other popular cinemas. You can trace a line from the 1920s to the present, from the chambara directors through Ozu and Mizoguchi and Kinoshita and Suzuki Seijin right up to Kitano and Miike.

Und genau dieser Wille und diese Bereitschaft zur Innovation und zum Außergewöhnlichen auch des kommerziellen Kinos sind es, die mich von Anfang an so an japanischen Filmen faszinierten. Immer wieder entdecke ich Neues, Atemberaubendes und Unerwartetes, sei es in “klassischen” Filmen eines Mizoguchi, Shindo, Teshigahara, ihren Nachfolgern der Gegenwart wie Miike oder Iwai oder den vor Kreativität und Wagemut geradezu sprühenden Anime. Das macht das japanische Kino für mich so unvergleichlich!

Falls jemand das Post zum Kurosawa-Essay sucht: Hier gehts lang.

Und falls sich jemand wundert, wieso dieser alte Beitrag die letzten Tage plötzlich wieder ganz oben stand: Freitag habe ich den Kurosawa-Vortrag für die DJG Oldenburg gehalten und wollte etwaigen am Essay interessierten Zuhörern das Suchen im Blog ersparen, weshalb mal das Adhesive-Plugin zum Einsatz kam.

Im Rahmen der Veranstaltung der DJG in Oldenburg bin ich auch einer wahren Heldin begegnet, und zwar einer netten jungen Dame des lokalen Radiosenders, die mit mir mein erstes Radiointerview machte (und deren Namen ich beschämenderweise wieder vergessen habe). Die hatte sich doch tatsächlich auf ein 5-minütiges Interview mit einem völlig unbedeutenden Fan japanischer Filme vorbereitet und wusste sogar, dass Kurosawa sehr viel mehr Drehbücher schrieb, als er Filme drehte! Die Erinnerung an dieses Interview rüht mich jetzt noch zu Tränen und lässt mich hoffen, dass unsere Medien vielleicht doch noch zu retten sind.

Dazu musst du jetzt schnell oben auf den neuen Link “Shop” klicken und wie wild DVDs und Bücher in meinem neuen Japankino-Shop kaufen! Dabei handelt es sich um einen Amazon aStore, auf den ich durch pauline aufmerksam geworden bin.

Da ich schon des öfteren gefragt wurde, wo man denn diese ganzen Filme über die ich immer schreibe oder die Bücher dazu kaufen könne, ist die Einbindung eines solchen Shops nur konsequent: Wer sich für das Thema interessiert und Literatur oder Filme sucht, muss sich so nicht erst lange durch das gigantische Amazon-Sortiment wühlen, sondern bekommt alles schön von mir vorsortiert präsentiert. Und ich muss nicht mehr lange erklären, wo es welche Bücher gibt und warum man auf jeden Fall die DVD aus der BFI-Edition kaufen soll und nicht die deutsche Ausgabe.

Eine klassische Win-Win-Situation würde ich sagen… achja, und Amazon kann sich natürlich auch nicht beklagen. ;-)

Seit Monaten habe ich mich fast ausschließlich mit Filmen von Mikio Naruse und Akira Kurosawa beschäftigt. Beide Regisseure haben mir mit ihren Filmen großartige, bereichernde und erfüllende Stunden geschenkt und auch die Beschäftigung mit der Literatur zum Thema war immer interessant und sehr aufschlussreich. Aber jetzt habe ich das Gefühl, dass ich etwas Abwechslung brauche, einen filmischen Tapetenwechsel gewissermaßen.

Und natürlich habe ich schon ein neues Feld gefunden, das ich beackern kann. Eines, dem ich mich bisher noch so gut wie überhaupt nicht gewidmet habe und das ursprünglich doch mein Interesse an japanischen Filmen erst geweckt hat: Anime. Es waren ursprünglich nämlich die Filme des Studio Ghibli, deren Faszination ich mich nicht entziehen konnte und die ein weitergehendes Interesse am japanischen Kino weckten. Zudem sind Anime seit jeher ein integraler Bestandteil der Kinolandschaft in Japan, heute mehr denn je. Etwa die Hälfte aller Kinokarten werden für Animes verkauft, die auch international erfolgreichsten Filme der letzten Jahre waren Animes.

Ich bin schon sehr gespannt auf diese neue Filmwelt, von der ich bisher noch kaum etwas weiß. Herantasten werde ich mich erst einmal über die Werke des Großmeisters Hayao Miyazaki, Klassiker wie Akira und Ghost in the shell stehen natürlich auch ganz oben auf meiner Liste, und dann gibt es ja noch die Anime-Bestenliste. Natürlich sind Tipps und Filmvorschläge gern gesehen!

Achja, da ich bei der Vorbereitung meines Kurosawa-Vortrags entdeckt habe, dass man mit dem VLC-Player ganz einfach Screenshots machen kann, werde ich jetzt auch öfter mal Filmbesprechungen mit Bildern anreichern. Wie sich das für ein multimediales Medium wie das Internet gehört!

…habe ich für meinen Vortrag bei der DJG Hamburg zwar nicht eingeheimst, aber dafür reichlich Lob von den etwa 30 Zuhörern. Fast noch wichtiger: Mir selbst hat’s auch riesigen Spaß gemacht!

Etwas nervös war ich vorher schon, schließlich habe ich einen derartigen Vortrag noch nie gehalten. Klar, Referate an der Uni, aber da reichen doch meist 20 Minuten und ein paar Folien. Mit einer angepeilten Rededauer von 80 Minuten und einer Powerpoint-Präsentation mit sage und schreibe 100 Folien – die meisten davon allerdings Screenshots aus Filmen – war das dann doch ein ganz anderes Kaliber. Aber nachdem ich dann losgelegt hatte, gab es keine Nervosität und kein Halten mehr.

Eine Lektion hab ich aber auf alle Fälle gelernt: Immer eine Übersicht über die Abfolge der Folien in den Notizen mit einbauen. Ich bin doch des öfteren etwas aus dem Tritt gekommen, wenn plötzlich eine Folie zu einem eigentlich schon abgeschlossenen Thema kam, oder die mir sonstwie grade nicht in den Kram passte.

Großen Dank auch noch an meinen Kollegen Tobi, der mir einen überaus praktischen Laserpointer mit Steuerungsfunktion für Powerpoint auslieh, an dem ich mich während des Vortrags festhalten konnte. ;-)

In den nächsten Tagen werde ich übrigens noch meine Notizen überarbeiten und dann hier in Essay-Form zum Download bereitstellen.

Über Japankino

Hier dreht sich alles um japanische Filme: Filmgeschichte, Filmbusiness, Rezensionen, Festivals, Tipps zu DVDs und Büchern und vieles mehr. Kommentare und Hinweise sind jederzeit willkommen und ich freue mich immer über Fragen!

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