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Die Vorbereitungen für das nächste Japanische Filmfest Hamburg laufen weiter auf Hochtouren, und weil wir nächstes Jahr unser 10. Festival haben, legen wir uns natürlich ganz besonders ins Zeug und haben bereits den Termin festgemacht: Das JFFH2009 läuft vom 27. bis 31. Mai!

Um die frohe Botschaft entsprechend unters Volk zu bringen, haben wir auch einen Flyer im Angebot (der übrigens super geworden ist, großes Dankeschön Ulli!), den wir seit ein paar Tagen bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten verteilen. Und so sieht er aus:

Flyer JFFH2009

Außerdem fand gestern die “Mitgliederversammlung” von Nihon Media statt, dem Verein, der das JFFH organisiert. Unser Cheffe Olli konnte dort den andächtig lauschenden Mitgliedern von seiner Japanreise berichten, auf der er endlich die seit langem geplante Nakajima-Retrospektive eintüten konnte. Außerdem waren noch die üblichen Formalitäten zu regeln und dann haben wir bei Bier und Chicken Wings noch lange gequatscht und Ideen und Pläne ausgeheckt.

Nihon Media sucht übrigens ständig nach neuen Partnern, Sponsoren und Helfern, ganz besonders drängend ist das Thema PR. Sollte jemand jemanden kennen… bitte die betreffende Person anstupsen oder direkt mit mir Kontakt aufnehmen! Wir werden zudem auch testweise ein Praktikum ausschreiben für den Bereich Event-Management, also die Organisation des Rahmenprogramms wie Festival-Party, Premieren-Abend, Vorträge und Diskussionsrunden. Wer Interesse hat, bitte ebenfalls auf den obigen Link klicken und sich bei mir melden, ich gebe dann gerne mehr Infos!

Zuerst ein Update in der Kino-Frage, denn das Metropolis-Kino wird es nächstes Jahr ja nicht mehr geben, das ist ja ins Savoy umgezogen: Wir werden diesen Schritt mitgehen, die Filme können nächstes Jahr auf einer der größten Leinwände Hamburgs (20 auf 8 Meter wenn ich mich nicht irre) bestaunt werden!

Wie ich bereits in meinem Fazit schrieb ist das aber nicht die einzige Veränderung, auch das Festival-Team befand sich ziemlich im Umbruch. Eine Reihe neuer Mitarbeiter kam dazu (so wie ich selbst), manche Erfahrenen übernahmen neue Aufgaben und altgediente Mitstreiter verließen uns (viele Grüße an Markus in Tokyo!). So liefen manche Dinge ein bisschen sehr chaotisch, niemand wusste Bescheid wer was macht, wen man fragen kann und wer vielleicht Hilfe braucht.

Weil diese Mängel ziemlich offensichtlich waren – jedenfalls für die Teammitglieder, hoffentlich nicht die Besucher -  haben wir eine ganz schön lange Liste an internen Verbesserungen zusammengestellt. Aufgaben klarer formulieren und zuweisen, Teamstrukturen ausbilden, effizientere Kommunikation etc pp. Das befindet sich gerade in der Umsetzung, u.a. mit technischen und strukturellen Verbesserungen in der Planung.

Aber wir wollen auch um das Festival herum viele Steine ins Rollen bringen. Ein paar Dinge davon werdet ihr in den kommenden Wochen schon merken: Die Festivalwebsite wird auf eine andere Domain umziehen, die alte Domain wird zukünftig Heimat der neuen Website des Vereins Nihon Media, der das Festival organisiert.

Der neue Spielort im ehemaligen Savoy-Kino stellt das ganze Festival aber auch vor völlig neue Herausforderungen, schließlich ist der Saal mehr als doppelt so groß wie das Metropolis. Den zu füllen wird eine Herausforderung, der wir uns gern stellen und zu deren Bewältigung wir uns auch viel vorgenommen haben, allem voran eine Verdoppelung der Besucherzahlen. Dazu gehört natürlich ein sehr ambitioniertes Programm, schließlich ist es ja auch unser 10. Jubiläum! Daher wollen wir ganz klar einige große Namen nach Hamburg holen, wofür sich unser Film-Orga-Team richtig den Allerwertesten aufreißen wird.

Voraussetzung dafür ist wiederum eine bessere finanzielle Ausstattung des Festivals, daher suchen wir nach Sponsoren und werden auch andere alternative Möglichkeiten, Gelder aufzubringen, angehen.

Nicht zuletzt haben wir große Pläne für das Rahmenprogramm, das dieses Jahr leider komplett ins Wasser fiel weil wir durch das Personalkarussel niemanden hatten, der sich darum kümmern konnte. Gerne würden wir z.B. mit der Uni Hamburg zusammenarbeiten, etwa um Vorträge von Filmwissenschaftlern oder Japanologen auf die Beine zu stellen oder Diskussionsrunden mit unseren Gästen. Dann soll es auf jeden Fall wieder eine große Party geben und auch den Klassiker Filmfrühstück möchten wir wiederbeleben. Und ein bisschen Bespaßung zwischen den Filmen wäre auch super.

Wir überlegen derzeit sogar, Praktika auszuschreiben! Wenn du also schon immer mal bei der Organisation eines Filmfestes mitmachen wolltest, gut organisieren kannst und so ungefähr von März bis Juni Zeit hast, dann melde dich!

So, ich hoffe ich habe den Mund jetzt nicht zu voll genommen… jedenfalls hab ich wirklich ein sehr gutes Gefühl für nächstes Jahr, da ist total viel Euphorie und Begeisterung im Team und ganz viele Ideen schwirren in der Luft herum. Wenn wir nur einen Teil davon tatsächlich umgesetzt bekommen, wird das definitiv das beste Japanische Filmfest, das Hamburg je gesehen hat!

Lang hat es gedauert, der letzte Festivaltag liegt schon mehr als eine Woche zurück, aber jetzt ist Zeit für ein Fazit, denn Griechenland gegen Schweden ist einfach unerträglich langweilig! Gleich vorneweg der Hinweis dass ich zuallererst aus der Sicht des Filmfans Bilanz ziehen werde, weniger als Mitwirkender im Team.

Wie schon im letzten Jahr bot das Japanische Filmfest wieder eine bunte Mischung aus allerlei Genres, Klassikern, Bekanntem und Unbekanntem. Miike war wieder mit an Bord und noch eine Reihe weiterer großer Namen wie Mamoru Oshii oder Kaori Momoi, dazu viele talentierte Nachwuchskünstler, denen wir für ihre zukünftige Karriere das allerbeste wünschen. Allerdings war die Auswahl dann doch etwas eingeschränkter, einfach weil statt 40 auch “nur” 31 Filme liefen. Das merkte ich zum Beispiel, als ich Freunden, die nicht gerade auf Gewalt, Horror oder Experimentelles stehen, Filme empfehlen wollte. Außer Bride of Noto oder Fuckin Runaway fiel mir da kaum was ein, das war letztes Jahr noch ganz anders! Selbes gilt besonders für die Anime, die 2007 mit Paprika und Tekkonkinkreet so ziemlich das Allerbeste zu bieten hatten, was die Animestudios hergaben. Dennoch hab ich alles in allem wieder nur gute bis sehr gute Filme gesehen, mit Sukiyaki Western Django als Ausreißer nach unten.

Damit komme ich dann auch zu meinen drei Top-Hits des JFFH2008, die mir wieder nicht gerade leicht gefallen sind (mit Rankings tue ich mir ja immer schwer…)

  1. Faces of a fig tree
  2. Noisy Requiem
  3. Fuckin Runaway

Auf Platz eins kommt bei mir Faces of a fig tree, weil mich das unkonventionelle, bitter-süße Hinterfragen von Familienleben und ganz Alltäglichem sehr beeindruckt hat, die Charaktere so schön schräg sind und der ganze Film so herrlich bunt ist. Schwere Themen werden hier auf sehr lockere Art angegangen, womit sich der Film wohltuend von den vielen anderen, eher schwer verdaulichen Werken abhebt. Auf Platz zwei dann der mit Abstand am schwersten zu verdauende von allen, Noisy Requiem, ein Film von solcher Radikalität und Konsequenz, dass es schon fast weh tut; den jeder der ihn einmal gesehen hat nie vergessen wird. Und auf Platz drei dann Fuckin Runaway, ganz knapp vor Chain, bei dem ich wirklich ganz lange geschwankt habe. Aber Fuckin Runaway ist dann doch etwas ausgereifter und runder und kann zudem mit wunderbar gezeichneten, problembeladenen Charakteren überzeugen.

Leider fehlten Festival-Highlights wie die Party oder das sonntägliche Filmfrühstück, für das mit Bride of Noto ein perfekter Film im Programm gewesen wäre. Aber aus organisatorischen Gründen war das dieses Jahr nicht drin, es war eben ein Jahr des Umbruchs und der Veränderungen im Team und das hat man gemerkt. Mehr dazu bei Gelegenheit. Dafür gab es den Bondage-Themenabend, der wohl ein Riesenerfolg war und der hoffentlich eine Fortsetzung finden wird. Dennoch bleibt einer meiner beiden Hauptkritikpunkte aus dem letzten Jahr bestehen: Es muss viel mehr um die Filme herum geboten werden, ein richtiges Rahmenprogramm gehört heutzutage zu einem guten Festival dazu. Hier gibts also noch Luft nach oben und ich bin sicher, dass sich nicht nur in diesem Bereich einiges tun wird in Zukunft.

Denn während das Festival-Team im Umbruch ist, steht das Metropolis-Kino kurz vor dem Abbruch, es müssen also auch neue Spielstätten her. Und weil 2009 das 10. Jubiläum ansteht, werden wir uns alle sehr ins Zeug legen, damit nächstes Jahr das beste Japanische Filmfest ever wird! Ich freu mich jetzt schon und würde am liebsten sofort mit der Vorbereitung anfangen, denn nach dem Festival ist vor dem Festival!

Original: Maiko haaaan!!! (2007) von Nobuo Mizuta

Bei einem Schulausflug nach Kyoto verläuft sich der junge Kimihiko (Sadao Abe) in das Geisha-Viertel Gion und verfällt Hals über Kopf dem rätselhaften Charme der jungen Maikos. Zehn Jahre hat sich daraus eine völlige Besessenheit entwickelt. Als er nach Kyoto versetzt werden soll, lässt er seine Freundin Fujiko (Kou Shibasaki) sitzen und nimmt die Gelegenheit gerne wahr, doch er muss zuerst noch seinen Chef überzeugen, von diesem in ein Geisha-Haus mitgenommen zu werden. Als er seinem Ziel dann ganz nah ist, kommt ihm der Baseballspieler Kiichiro (Shinichi Tsutsumi) in die Quere.

Zwischen den beiden entwickelt sich eine völlig überdrehte Rivalität: Kimihiko geht selbst in den Profi-Baseball, worauf Kiichiro eine Restaurantkette eröffnet und als Bürgermeister kandidiert, was ihm Kimihiko natürlich prompt nachmacht (und wozu er jedesmal seinen Chef mit aberwitzigen Plänen überredet). In der Zwischenzeit ist Fujiko auch nach Kyoto gekommen um eine Ausbildung als Maiko zu machen, und gerät natürlich prompt zwischen die Streithähne, allerdings ohne dass Kimihiko sie wiedererkennen würde…

Medium: www.youtube.com
Link: www.youtube.com

Maiko haaaan!!! war einer der großen Überraschungserfolge 2007 in Japan, und das ist im Grunde gar nicht überraschend. Der Film führt nämlich eine ganze Reihe von Erfolgselementen sehr gut zusammen: Eine Liebesgeschichte, ein Familiendrama, den Aufstieg eines Helden, skurrilen Slapstick und jede Menge japanischer Nationalsymbole von der Maiko über Baseball bis zu den Ramen-Nudeln.

Erfreulicherweise bleibt der Film auch keineswegs auf dem Niveau der wohlbekannten Blödel-Filme sondern entwickelt gleich auf zwei Ebenen Tiefgang: Zum einen bezüglich Kimihiko, dem zum Ende klar wird, dass seine Besessenheit von Maikos dem echten Glück im Wege steht und zum andern in der Figur des Kiichiro, der ein Geheimnis bewahrt, das seine Familie vor eine harte Zerreissprobe stellt. Und ganz nebenbei vermittelt der Film auch noch einige Einblicke in die stark reglementierte Welt der Geishas und räumt so mit dem einen oder anderen Klischee und Vorurteil auf.

Großartige Unterhaltung made in Japan!

Ein absolut würdiger Abschluss des Festivals war der Sonntag, an dem ich zuerst in A Bride of Noto war, um mir anschließend Bloody Snake under the sun anzusehen, der in den nächsten Wochen in die japanischen Kinos kommt und dessen Produzent Yamashita und Hauptdarsteller Shôgen zu Gast waren. Die ausführliche Kritik kommt demnächst, was mich aber sehr begeistert hat waren unsere beiden Gäste, die nach der Vorstellung ausführlich auf Fragen des Publikums eingingen (so ausführlich, dass der nachfolgende Film um 20 Minuten verschoben werden musste).

Produzent Yamashita berichtete lang und breit (der Kollege scheint recht gesprächig zu sein) von den Widrigkeiten, die das Projekt auf Schritt und Tritt verfolgten: Ein wichtiger Sponsor sprang ab, bei einem anderen wurden für das Projekt gedachte Gelder veruntreut, so dass die Postproduktion sich fast zwei Jahre hinzog! Die Dreharbeiten selbst fanden bereits 2006 statt, zum großen Teil in Thailand (der Film spielt in den 1960er Jahren auf Okinawa) und müssen eine ziemlich extreme Erfahrung gewesen sein.

Shôgen stammt zwar selbst von Okinawa, musste sich aber für seine Rolle erst das Spielen eines lokalen Instruments (so eine Art kleine Gitarre, den genauen Namen hab ich vergessen, es ist aber nicht die Shamisen) beibringen. Und er musste im Film, in dem er einen sehr extrovertierten, kumpelhaften Typen spielt, der ständig Witze reisst und seinen Freunden Streiche spielt, wohl auch ziemlich aus sich herausgehen, denn im realen Leben wirkt er eher ruhig und zurückhaltend. Definitiv ein sehr sympathischer Kerl! Ich wünschte, ich hätte früher gemerkt, dass er richtig gutes Englisch spricht, das wäre die Gelegenheit gewesen, um Kontakte zu knüpfen.

Shogen und Sandra beim Fotoshooting

Auf dem Foto ist er übrigens mit einem signierten Poster seines Films und mit Sandra aus dem Festival-Team zu sehen.

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Wir haben auf an manchen Abenden ja auch für ein befreundetes Hamburger Label eine wilde Mischung DVDs verkauft, von Pink und Sexploitation über Yakuza-Trash bis hin zu Horror und Splatter. Naja, verkauft ist wohl das falsche Wort, “angeboten” würde es eher treffen, denn die paar Scheiben die über den Tisch gingen waren eigentlich zu vernachlässigen ;-)

Nur an einem Abend nicht: Als The Machine Girl lief waren die Gäste vor dem Film noch zurückhaltend, aber nach dem Film wurde uns die gerade erschienene US-DVD förmlich aus den Händen gerissen! Und das zu 25 Euro pro Stück, obwohl es die bei Amazon.com für schlappe 13 US-$ (knapp 9 Euro) gibt!

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Kurzbericht zu Noisy Requiem:

Der über fünf Jahre gedrehte Film mit zweieinhalb Stunden Laufzeit, der auf dem Weg zu einem Festival schon mal vom italienischen Zoll konfisziert wurde weil er als Gefahr für die Moral eingeschätzt wurde, verdient eigentlich eine ausführliche Auseinandersetzung. Dazu müsste ich ihn allerdings mindestens noch ein weiteres Mal sehen, daher jetzt die Kurzfassung.

Yoshihiko Matsui verwebt in diesem Epos die Geschichten mehrerer Außenseiter während der Hochphase des japanischen Wirtschaftsbooms in den 1980ern. Ein Frauenmörder, der eine intime Beziehung zu einer Schaufensterpuppe pflegt, verkrüppelte Kriegsveteranen, eine durch einen Unfall entstellte Zwergin und die inzestuöse Liebesgeschichte eines jungen Geschwisterpaars fließen ineinander und lassen kein Tabu unberührt. Auch wenn manche der meist grandios fotografierten Schwarz-weiss-Bilder sehr drastisch sind, was den Film wirklich aufwühlend und schockierend macht, ist vielmehr, dass sich so viel in der Fantasie des Zuschauers abspielt.

Noisy Requiem ist eine schier unendliche Aneinanderreihung von Industriebrachen, Abfallhalden, Abwasserkanälen, Hinterhöfen und ausgestorbenen Lagerhallen. Schmutz und Dreck wollen gar kein Ende nehmen und die Akteure, die anfangs noch relativ “normal” erscheinen, versinken irgendwann völlig darin.

Für mich überraschend: Es gibt kaum Szenen, in denen ein direkter Kontrast mit dem Bild des sauberen, reichen Japans aufgebaut wird. Durch dieses fast völlige Fehlen scheint es, als würde der Film die Existenz dieser “guten” Welt regelrecht negieren. In dieser Hinsicht ging Matsui viel weiter als etwa Shohei Imamura, der sich ja auch immer für Außenseiter und die Schattenseiten der Gesellschaft interessierte, diese dabei aber in die Gesellschaft einbettete.

Original: Noto no hanayome (2008), von Mitts Shirahara

Und wieder mal hab ich die Ehre, hier einen Film vorstellen zu können, von dem es noch nicht mal einen IMDb-Eintrag gibt! A Bride of Noto lief erst wenige Wochen vor dem Japanischen Filmfest in Japan an und wurde meines Wissens bisher auch nur in der Region Noto gezeigt. Denn die Story des Films hat einen wahren Hintergrund: Ein Erdbeben zerstörte dort viele Häuser, viele Menschen mussten lange Zeit in Notunterkünften unterkommen.

In dieser Zeit reist die junge Miyuki aus Tokyo ins ländliche Noto, um sich um die Mutter ihres Verlobten zu kümmern, die sich bei einem Unfall ein Bein brach. Mit dem ungewohnten Landleben konfrontiert, stellt Miyuki sich zunächst sehr ungeschickt an, besonders in häuslichen Dingen. Zudem behandeln die Schwiegermutter in spe und andere Dorfbewohnerinnen sie sehr von oben herab. Nur zur steinalten, tauben Nachbarin entwickelt sie ein freundschaftliches Verhältnis.

Als die Situation für sie immer unerträglicher wird, entschließt sie sich zur Rückkehr nach Tokyo, doch auf dem Weg erfährt sie, dass die Mutter eventuell ins Altenheim eingewiesen werden soll. Nun fasst sie sich ein Herz, nimmt die Herausforderung an und die beiden Frauen beginnen, sich zu respektieren. Als Miyuki mit viel Einsatz auch noch ein lokales Festival reanimiert, gewinnt sie auch die restlichen Dörfler für sich.

Die Geschichte ist ziemlich vorhersehbar, aber die Story bietet natürlich nur den Rahmen für die Entwicklung von Miyuki und ihrem Verhältnis zur Schwiegermutter und dem traditionellen Landleben, das diese repräsentiert. Und diese ist mit einigen sehr emotionalen Momenten gut in Szene gesetzt. Zudem lockern komische (manchmal etwas klischeehafte) Situationen, etwa rund um Miyukis unterentwickelte Kochkünste oder zum Umgang mit lebenden Fischen oder Ziegen den Film gut auf. Und natürlich ist er an manchen Stellen etwas sehr sentimental.

Sehr gut gefallen hat mir besonders der Umgang mit dem Land-Stadt-Gegensatz, der nicht nur auf platte Klischees reduziert wird. Vor dem Hintergrund der Zerstörungen durch das Erdbeben werden auch Probleme wie Abwanderung der jungen Generation, Einsamkeit und Verbitterung der zurückgebliebenen Alten oder Jobmangel thematisiert. Dass Miyuki am Ende ganz traditionell in Noto heiratet, deutet die Sympathien des Films an, der natürlich auch einige schöne Landschaftsbilder bietet (wer sich einen Eindruck verschaffen will, auf der offiziellen Website gibt’s einen Trailer).

Inzwischen sind wir schon am letzten Tag des Festivals angekommen – Wahnsinn, wie schnell das ging! Da ich dieses Jahr keinen Urlaub für das Festival genommen habe und auch hinter den Kulissen aktiv bin, blieb bisher kaum Zeit, hier im Blog zu berichten. Die umfangreicheren Filmbesprechungen (etwa von Maiko Haaaan!!!, Faces of a fig tree oder Fuckin Runaway werde ich in den nächsten Tagen und Wochen nachholen und natürlich werde ich auch wieder ein Fazit ziehen. Jetzt in aller Kürze meine Festivalbits der letzten Tage.

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Nachdem am Eröffnungsabend eigentlich alles wie geschmiert lief, standen die letzten drei Festival-Tage für mich eher im Zeichen von Pleiten, Pech und Pannen: Kolossale Verwirrung über das Ende von Rainmaker, eines sehr experimentellen Studentenfilms aus Osaka, der völlig abrupt und ohne Abspann oder dergleichen einfach vorbei war… das ganze Publikum (inklusive mir selbst) ging davon aus, dass es sich um eine technische Panne handelte, die Verwirrung war groß bis dann nach ein, zwei Minuten der Vorführer das Rätsel löste und bekannt gab, dass das wirklich das Ende des Films gewesen sei.

Am Freitag lief Sukiyaki Western Django mit der falschen Tonspur an und gestern hab ich mir dann auch noch den Magen verdorben – ist halt nicht so günstig, wenn man sich den ganzen Tag lang nur von einer Dose gesalzener Erdnüsse ernährt!

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Kurzbericht zu Sisterhood:

Als der Vater von Ai und die Mutter von Yui heiraten, werden die beiden kleinen Mädchen zu unzertrennlichen Freundinnen – echten Schwestern eben. Jahre später lassen sich die Eltern scheiden, und die beiden sehen nur einen Ausweg, um weiter zusammen bleiben zu können: Sie reißen nach Tokyo aus. Durch eine zufällige Begegnung bekommen sie dort Ärger mit einer Yakuza-Familie, doch sie haben einen Beschützer, den alten, mürrischen Tanida – selbst ein Yakuza – der für sie zu einem Ersatz-Vater wird. Doch die Gangster bleiben ihnen auf den Versen und die Schwestern werden auf die Probe gestellt.

Der Film hat mir wirklich gut gefallen, vor allem, weil er sich sehr auf die beiden Mädchen und ihren unbedingten Willen konzentriert, alle Widrigkeiten (seien es Rabeneltern, Geldnot oder Gewalt) zu überwinden, um weiter zusammen zu bleiben. Es gibt keine große Effekthascherei, der Film ist sehr ehrlich und gleitet nur am Ende ein bisschen in Sentimentalität ab. In der Betonung der Zweisamkeit und des Zusammengehörigkeitsgefühls der beiden Mädchen liegt aber auch eine sehr pessimistische Aussage zu Familie und Gesellschaft in unserer modernen Gesellschaft.

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Gestern hatte ich nach drei Tagen tatsächlich das erste richtige Gespräch mit meinem Gast aus Tokyo, dem Toningenieur Koji Toyoda (ok, Toningenieur klingt vielleicht ein bisschen hochtrabend für einen Studentenfilm wie Depend on the deserted house, aber der Film ist wirklich sehr professionell gemacht). Nachdem er um halb neun morgens (!) nach Hause gekommen war, haben wir zusammen gefrühstückt und er hat dabei zum ersten Mal in seinem Leben Müsli gegessen – sicherlich ein Highlight seines Besuchs hier in Hamburg ;-)

[Edit: Überschrift vergessen! 4 Stunden Schlaf sind halt auf Dauer einfach nicht genug...]

Original: Sukiyaki Western Django (2007), von Takashi Miike

Miike darf derzeit ja auf keinem japanischen Filmfest fehlen, letztes Jahr lief Big Bang Love auf dem Japanischen Filmfest, jetzt Sukiyaki Western Django, der reichlich Aufmerksamkeit erhielt, auch in den großen Medien. Was nicht weiter verwunderlich ist, schließlich spielt Quentin Tarantino eine kleine Rolle und alle japanischen Schauspieler sprechen englisch – so gut oder schlecht es eben geht.

Die Story ist altbekannt und folgt den Genre-Konventionen: Zwei Banden bekriegen sich in einer kleinen Stadt über einen vermuteten Goldschatz, eine Familie gerät zwischen die Fronten, der Vater wird getötet, die Mutter schließt sich gezwungenermaßen einer der Banden an, der Sohn ist traumatisiert. Da verschlägt es einen mysteriösen, unbekannten Revolverhelden in die Stadt, die Dinge kommen in Bewegung und das Blut beginnt zu fließen.

Leider gab es bei der Vorführung eine kleine Panne, der Film lief mit der falschen Tonspur an (nämlich der japanischen Synchronfassung), so dass wirklich nichts zu verstehen war, denn Untertitel gibts nicht. Nach einer halben Stunde wurde der Fehler korrigiert und wir Zuschauer kamen endlich in den Genuss, Kaori Momoi, Masanobu Ando und all die anderen japanischen Stars, die Miike um sich geschart hatte, auf Englisch radebrechen zu hören. Das und der eine oder andere Gag führten durchaus zu einigen Lachern, alles in allem ist der Film von einer echten Komödie aber weit entfernt, vielmehr ist Sukiyaki Western Django eine einzige Skurrilität.

Medium: www.youtube.com
Link: www.youtube.com

Das beginnt schon beim Rückgriff auf den historischen Hintergrund, der aus den Heike Monogatari stammt, in denen der Kampf der Samurai-Clans Taira und Minamoto geschildert wird. Miike bedient sich bis zu den Namen der Hauptkontrahenten der historischen Tatsachen, nur dass Kyomori dann plötzlich zum Showdown mit einer Gatling antritt und Shakespare bewundert. Ein schizophrener Sheriff und ein durch den Verlust seiner Hoden dem Wahnsinn verfallener Samurai mit Irokesen-Schnitt sind weitere Paradebeispiele in Miikes Kuriositäten-Kabinett.

Highlight des Films ist für mich ganz klar Kaori Momoi – die ich bisher nur aus Arthaus-Filmen in anspruchsvollen Rollen kannte – die sich hier als Revolverheldin mal so richtig austoben kann und daran sichtlich Spaß hat. Ansonsten fällt mir nicht viel gutes ein, außer dass der Film handwerklich natürlich sehr gut gemacht ist und nett anzusehen ist, besonders das Finale im Schnee. Aber viele Handlungsstränge und Motive bleiben unklar, der Charakter des Films ist schwer zu bestimmen und wäre wohl am ehesten als groteske Verarsche sowohl des Westerns als auch des Samurai-Genres aufzufassen. Einen tieferen Sinn kann ich nicht erkennen: aufwändige Verpackung, nichts dahinter.

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