Auf dem Fantasy Filmfest habe ich ihn verpasst, auf dem Japanischen Filmfest hier in Hamburg lief er nicht, aber wie sich das gehört sind auch in diesem Fall aller guten Dinge drei: Am 8. November kommt Gedo Senki unter dem deutschen Titel Die Chroniken von Erdsee hierzulande in die Kinos. Als großer Miyazaki-Fan bin ich natürlich sehr auf das Debut von Goro Miyazaki gespannt und habe mit großem Interesse Trailer und das Pressematerial in Augenschein genommen.
Link: www.youtube.com
Die Herkunft aus dem Ghibli-Studio ist unübersehbar, nicht umsonst waren viele wichtige Künstler bereits an früheren Ghibli-Erfolgen von Mein Nachbar Totoro bis hin zu Das wandelnde Schloss beteiligt. Und auch einige Elemente der Geschichte klingen sehr nach dem typischen Kanon von Miyazaki-Senior. Doch bei genauerem Nachlesen wirkt die Story zunehmend verwirrend, als ob sie sich in zuvielen Strängen verlieren würde, was natürlich daran liegen mag, dass der Film auf einer mehrbändigen Romangeschichte basiert, ähnlich wie Herr der Ringe. Und auch die Bildsprache, mag sie noch so sehr durch die Ghibli-eigene Brillanz geprägt sein, wirkt – so weit sich das anhand des Trailers und einiger Pressefotos beurteilen lässt – irgendwie konventionell.
Aber es ist ja nicht mehr lange hin, dann kann ich mir endlich eine eigene, fundierte Meinung bilden.
Wieder einmal hat Mark Schilling interessantes aus der japanischen Filmindustrie zu berichten: Shochiku, neben Toho eine der traditionsreichsten und erfolgreichsten Produktions- und Verleihfirmen, plant in Kooperation mit der ebenfalls in Kyoto ansässigen Ritsumeikan Universität ein Ausbildungszentrum für Studenten. So soll diesen der Einstieg in die Industrie erleichtert werden und gleichzeitig Shochiku ein Reservoir an Nachwuchskräften zur Verfügung stehen. Erstes größeres Projekt ist ein Film von Erfolgsregisseur Yoji Yamada, der zusammen mit Studenten gedreht wird.
Da Shochiku gleichzeitig auch den Ausbau seiner Kinokette plant, frage ich mich, ob sich hier vielleicht eine verstärkte Rückkehr zum Studiosystem der klassischen, “goldenen” Ära des japanischen Kinos andeutet. Dieses ruhte (neben der integrierten Verwertungskette der Filme von der Produktion über den Verleih in der Hand eines Studios) insbesondere auch auf einem fest etablierten Ausbildungssystem für Filmschaffende.
Sehr schön beschrieb dieses System Akira Kurosawa in seiner Autobiographie: Als Regieassistent war er einem etablierten Regisseur (Kajiro Yamamoto) innerhalb des Studios zugewiesen, der ihn nach und nach in alle Bereiche des Filmemachens vom Verfassen eines Drehbuchs bis zum Schnitt und der Vertonung einwies. Gleichzeitig musste man sich über die Jahre nach oben arbeiten. Dieses System, das auch feste vertragliche Bindungen von Schauspieler Produktionsteam beinhaltete, geriet in den später 1950er und besonders den 60er Jahren mit dem Erfolg des Fernsehens in die Krise.
Seitdem werden die meisten größeren Filmprojekte in sogenannten “Komitees” organisiert, in denen sich unabhängige Künstler und Experten sowie mehrere kleinere und größere Produktionsfirmen zusammenschließen. Die jetzt bekannt gegebene Nachwuchsförderungsstrategie klingt für mich eher nach einer Abkehr von diesen Komitees. Vor dem Hintergrund des verstärkten staatlichen Engagements in der Filmbranche und der gezielten Förderung von Universitäten könnte aber auch einfach die Hoffnung, hier Fördermittel abgreifen zu können, eine Rolle spielen.
via VarietyAsia
Und zwar von mir persönlich! Also wer aus Berlin ist und mich kennenlernen möchte, oder wem ich herzlich egal bin und sich einfach nur für Akira Kurosawa interessiert: Diesen Freitag, dem 05. Oktober 2007, um 17.30 Uhr ins Japanisch-Deutsche Zentrum kommen, ganz in der Nähe der FU. Die genaue Adresse lautet Saargemünder Straße 2, und die Deutsch-Japanische Gesellschaft, die das ganze veranstaltet, bittet um Anmeldung bis Donnerstag. Aber ich würde einfach mal sagen, wer will kommt rein.
Und wer wissen möchte, ob sich das lohnt, dem empfehle ich meinen auf eben diesem Vortrag basierenden Essay, der als pdf-Download zur Verfügung steht.
29 Jul
Seit einigen Monaten beschäftige ich mich nun auch mit Anime und habe bereits viele hochinteressante, intelligente, spannende Filme gesehen und viel gelernt. Mit dem eigentlichen Ursprung der großen Popularität von Anime, nämlich den TV-Serien, hatte ich dagegen bisher noch überhaupt keinen Kontakt. Dabei konnte es selbstverständlich nicht bleiben! Und natürlich musste es dann zum Auftakt gleich einer der absoluten Klassiker sein: Neon Genesis Evangelion, mit 26 Episoden eigentlich eine recht kurze Serie, die aber so vollgepackt ist mit Psychologie, Mythologie und abenteuerlich ungewöhnlichen Stilelementen, dass sie eigentlich genug Stoff für einen eigenen Blog bietet!
Aktuell geistern Nachrichten über ein Remake der Serie in Form von mehreren Kinofilmen unter dem Titel Rebuild of Evangelion durchs Netz, auch ein Trailer ist schon aufgetaucht, und die Fans werden schon ganz feucht im Schritt:
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Leider legen diese Trailer ihren Schwerpunkt meist auf die Actionelemente, doch NGE hat viel viel mehr zu bieten:
Contrary to more typical action-oriented works, therefore, much of the real action in Evangelion is psychological. Thus, despite the requisite and truly chilling scenes of combat with the Angels, the series also contains a greater number of scenes in which the characters bicker and insult each other or else engage in intense brooding about their angst-ridden childhoods and their equally dysfunctional and disappointing parents. Far from being potential young heroes, each character is burdened by the memory of such transgressive episodes as parental abandonment and sexual betrayal.1
Um dieser hochkomplexen Anime-Serie gerecht zu werden und dem einen oder anderen, der die Serie nicht kennt die kommenden Filme schmackhaft zu machen, werde ich mich in einer kurzen Serie von Posts eingehender mit den Charakteren und den verschiedenen Subtexten beschäftigen und das alles natürlich wie gewohnt mit meiner persönlichen Interpretation garnieren.
[Update] Die Artikel meiner NGE-Reihe:
14 Jun
Zatoichi #1
Ich habe ja keinen Fernseher, aber es soll Leute geben, die ein solches Gerät besitzen… und die werden zur Abwechslung mal belohnt, es kommt nämlich Zatoichi von und mit Takeshi Kitano! Freitag, 22.06. – 00:15, ZDF
Zatoichi #2
Das Affenheimtheater berichtet von der neuesten Auflage der Endlosserie rund um den blinden Schwertkämpfer, der nun sein Geschlecht wechseln soll: Haruka Ayase übernimmt die Titelrolle, und ist im gezeigten Video von den Dreharbeiten schon eifrig dabei, die Gegner aufzuschlitzen.
Zatoichi #3
Eine ausführliche Rezension zur DVD der 20. Episode der Zatoichi-Reihe, Zatoichi meets Yojimbo mit Stargast Toshiro Mifune, gibt es drüben bei critic.de zu lesen.
4 Jun
Wie ich gerade zufällig entdeckt habe, starb kürzlich – am 23. Mai – der Regisseur Kei Kumai im Alter von 76 Jahren. Er galt in den 1960er und 70er Jahren als eines der größten Regietalente seines Landes und erhielt zahlreiche Preise. Obwohl im Westen eher weniger bekannt, dürfte er gerade Deutschland verbunden gewesen sein, wurden doch sechs seiner 19 Filme für den goldenen Bären nominiert, für The Sea and Poison erhielt er 1987 den Spezialpreis der Jury. Sandakan 8 mit Kinuyo Tanaka, der als einer seiner besten Filme gilt, wurde 1975 für den Oscar nominiert.
In einem Nachruf im Guardian schreibt Alexander Jacoby über Kumai:
Yet he was neglected abroad, perhaps because he eschewed the fashionable experimentation of such New Wave contemporaries as Nagisa Oshima. Instead, he adopted a style of powerful simplicity, charting controversial themes with rare directness.
Einen weiteren Nachruf kann man in der New York Times nachlesen. Außerdem gibt es beim Shomingeki-Magazin ein Interview zu seinem Film Fukai kawa von 1995 (Achtung, dort ein gutes Stück nach unten scrollen, dann kommt erst das Interview).
6 Apr
Nippon Connection Frankfurt
Der Vorverkauf für Eintrittskarten läuft jetzt auch online und auch das 41 Seiten (!) umfassende, kommentierte Film- und Veranstaltungsprogramm ist inzwischen online und steht als PDF zum Download bereit.
CineAsia Köln
Ein schönes Roundup zum kürzlich zu Ende gegangenen sechsten CineAsia Festival findet sich bei critic.de, in dem unter anderem Memories of Tomorrow mit Ken Watanabe, Strawberry Shortcakes und Faces of a Fig Tree von Kaori Mamoi besprochen werden.
Japanisches Filmfestival Hamburg
Leider gibt’s hier keine bahnbrechenden Neuigkeiten, außer dass meine Neugier auf das Programm sich langsam dem roten Bereich nähert… hoffe auf das oben erwähnte Regiedebut von Kaori Mamoi, das auch schon in Frankfurt lief, Paprika und Goro Miyazakis Debut Gedo Senki. Als Fan seines alten Herrn bin ich natürlich sehr gespannt, wie der Junior sich so schlägt und ob und wie er sich vom Papa absetzt bzw. auf ihn Bezug nimmt. Auch den an Ghost World erinnernden German + Rain der hochgelobten Newcomerin Satoko Yokohama würde ich gern sehen. *daumendrück*
Nächste Woche startet in Berlin debut, eine von critic.de organisierte Filmreihe mit Deutschlandpremieren internationaler Newcomer. Den Auftakt macht dann auch gleich ein Japaner: Izumi Takahashi hat seinen Film The Soup, one morning im Gepäck und wird nach der Aufführung Rede und Antwort stehen.
Wichtiger Bestandteil des Konzepts scheint nämlich das Reden über Film zu sein, nicht nur der Konsum. Ein sehr lobenswerter und wichtiger Ansatz, den sie hoffentlich im Blog ausführlich begleiten und dokumentieren! Ich wünsche den Jungs und Mädels viel Erfolg damit und hoffentlich schaffe ich es auch mal vorbeizukommen, auch wenn ich dann keine Chance mehr auf freien Eintritt habe.
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12 japanische Filme, die man gesehen haben muss (56):- Christian H.: Zumindest “Minamata” findet Erwähnung in Donald Richies “A Hundred Years of Japanese Film”:...