Archive for the ‘News’ Category

Freitag Abend war mal wieder Meeting in großer Runde mit dem Nihon Media Team, die Orga des Japanischen Filmfestes hier in Hamburg nimmt langsam richtig Fahrt auf. Es ging vor allem darum, die Filme (die inzwischen weitgehend feststehen), zwecks Texterstellung fürs Programmheft unter den Helfern zu verteilen und natürlich wurden auch viele andere organisatorische Dinge angesprochen, vom neuen Logo über Sponsoren bis hin zur Festivalparty.

Die Filmliste fällt etwas kürzer aus als im letzten Jahr, bietet aber wieder einige Schmankerl auf die ich mich persönlich zum Teil sehr freue, sowie ein paar richtig heiße Eisen, die allerdings weniger mein Fall sind. Paradebeispiel für letztere Kategorie ist Machine Girl – der Film ging schon so die Blogs rauf und runter, dass ich dazu wohl nichts mehr zu sagen brauche – der fest eingeplant ist, bei dem endgültige Zusage allerdings noch aussteht. Es könnte also noch was dazwischen kommen, aber unser Cheforganisator Olli ist wild entschlossen, das zu verhindern (O-Ton: “Nur über meine Leiche!”).

Ich hab übrigens Faces of a fig tree und Dainipponjin abbekommen (Kommentar: “Nette Arthaus-Filme, genau das richtige für dich” :-) ) und bin schon sehr gespannt, nicht zuletzt darauf, wie es sich anfühlt, mal nicht für den eigenen Blog sondern für ein Festivalprogramm zu schreiben. Ausführliche Rezensionen kommen aber erst nach dem Filmfest, mangels Zeit. Denn ich arbeite ja auch noch an der neuen Festival-Webseite, die gut vorankommt, was aber eben zeitintensiv ist. Daher war auch in der letzten Zeit meine Posting-Frequenz etwas niedriger als gewöhnlich, das wird leider auch noch eine Weile so bleiben. Sorry, Filmfest geht jetzt vor!

Nachdem kürzlich bereits das Shinjuku Wald9 seine geplante Aufführung des Dokumentarfilms Yasukuni wegen Drohungen aus der nationalistischen Ecke abgesagt hat, haben nun vier weitere Kinos (drei in Tokyo, eines in Osaka) den Schwanz eingezogen. Als Grund wurden wie schon zuvor mögliche “Unannehmlichkeiten” für benachbarte Geschäfte genannt. Derzeit planen noch Kinos in Nagoya, Sapporo, Hiroshima und Fukuoka, den Film zum Start am 12. April in ihr Programm aufzunehmen.

Man mag sich ja wundern, warum die Kinos angesichts des kontroversen Themas des Films ihn überhaupt ins Programm nehmen wollten. Ich könnte mir vorstellen, dass die Betreiber hofften, dadurch neue Besuchergruppen zu erschließen und Leute aus dem eher intellektuellen Spektrum anzuziehen. Jetzt, wo die Sache langsam heiß wird und das familienfreundliche Image in Gefahr gerät, macht man dann schnell einen Rückzieher. Es wird nun spannend zu sehen, wie erfolgreich Yasukuni in den Kinos sein wird, die sich trauen ihn zu zeigen. Wenn er gut abschneidet, was angesichts des Rummels gar nicht so unwahrscheinlich ist, könnte das vielleicht für die Zukunft den Betreibern etwas das Rückgrat stützen.

Inzwischen nimmt die Affäre auch eine zunehmend politische Färbung an. Der Verband der japanischen Regisseure zeigte sich der Japan Times zufolge über die Vorgänge besorgt und sieht die freie Meinungsäußerung in Japan in Gefahr. Zudem gibt es erste Stimmen von Politikern der Regierungspartei LDP, die darüber nachdenken, die Gelder, mit denen die Produktion des Films von einem Förderprogramm unterstützt wurde, zurückzufordern. Grund: Politisch nicht neutral und “Anti-Japanisch”.

Update: Inzwischen hat Nobutaka Machimura, Chefkabinettssekretär der japanischen Regierung, in einer Pressekonferenz Vorwürfe zurückgewiesen, dass die Äußerungen von Mitgliedern seiner Partei zu den Absagen geführt haben könnten: “”I don’t think their actions caused the cancellations.” Er sieht aber dennoch in der Affäre eine Gefahr für die Meinungsfreiheit: “It’s extremely unfortunate that bullying and pressure can affect freedom of expression.”

Eigentlich ist die Debatte um den Yasukuni-Schrein in Tokyo, die in schöner Regelmäßigkeit aufpoppt und die Beziehungen Japans zu seinen Nachbarn belastet, durch und durch politisch. Aber jetzt ist auch das Filmbusiness davon betroffen: Ein großes Kino in Tokyo hat die Aufführung des bereits auf der Berlinale gezeigten Dokumentarfilms Yasukuni wegen Drohungen rechter Extremisten abgesagt.

Der Film, der u.a. von einem Förderprogramm der japanischen Regierung mitfinanziert wurde und bereits vorab in einer Spezialvorführung von 80 Abgeordneten der Regierungspartei LDP gesehen wurde, soll am 12. April in die japanischen Kinos kommen und hätte ursprünglich auch im neuen Renommier-Multiplex Shinjuku Wald9 der Firma T-Joy gezeigt werden sollen. Diese Vorführungen wurden nun abgesagt, mit widersprüchlichen Begründungen:

“T-Joy told us that it was due to a problem in its screening schedule,” said an official of Argo Pictures [die Verleih-Firma]. “But the other three theatres still plan to show the movie.” A T-Joy official contacted by AFP declined to comment. But Kyodo News quoted a T-Joy official as saying the film may cause ‘trouble.’ “The film is talked about so much that it may create trouble and we don’t want to cause inconvenience to building tenants,” the official was quoted as saying.

Mit “inconveniece” dürften wohl Proteste, Aktionen und Drohungen rechter Extremisten gemeint sein. Denn bereits seit einiger Zeit werden der seit 1989 in Japan lebende chinesische Regisseur Li Ying (der zuerst mit Dokumentationen über Tibet auf sich aufmerksam machte) und sein Team mit Morddrohungen eingeschüchtert. Li, der seit 1997 an der Dokumentation gearbeitet hatte, will sich davon aber nicht beeindrucken lassen:

While he is taking precautions to protect himself and his team, Li said he is going ahead with the film’s Japanese release through distributor Nai Entertainment. “I have spent 10 years making this movie,” he said. “The issues in the film are key to many of the problems Japan faces in dealing with the war and dealing with the rest of Asia. Compared to that (my personal safety) is unimportant.”

Wenn man sich in die Ereignisse rund um die Absage des Kinos etwas einliest, wird einem schnell bewusst, wie sehr Japan heute noch von seiner Geschichte und insbesondere von der mangelnden Auseinandersetzung mit dieser Geschichte und der daraus erwachsenden Verantwortung geplagt wird. Kein Vergleich mit der Situation hierzulande!

Was nun das Filmgeschäft betrifft: Eigentlich müssten sich die Kinos, die planen den Film zu zeigen, angesichts all der kostenlosen Publicity schön die Hände reiben und diese nach Möglichkeit ausnutzen, um Leute in die Vorstellungen zu locken. Insofern ist die Absage wirtschaftlich auch nicht wirklich nachvollziehbar. Im speziellen Fall dieses wohl brandneuen Multiplexes könnte ich mir vielleicht noch vorstellen, dass man seinen Namen nicht in Zusammenhang mit eventuellen Ausschreitungen bringen will, weil das die Zielgruppe (Familien, Teens) abschrecken könnte und schlecht fürs Image wäre. Das wäre die “positive” Interpretation.

Die weniger schöne Vermutung wäre, dass in Japan bezüglich der eigenen kriegerischen Vergangenheit und speziell des Yasukuni-Schreins bereits ein gesamtgesellschaftliches Klima vorherrscht, welches das Thema tabuisiert und gewissermaßen einen vorauseilenden Gehorsam notwendig macht. Das wäre natürlich fatal und würde nichts Gutes ahnen lassen für die immer noch problematische Aussöhnung mit Korea und China! Vielleicht wissen dazu Leser in bzw. aus Japan mehr?

Einen sehr ausführlichen Bericht über den Film selbst, der die Geschichte und besondere Bedeutung des Schreins aus dem Blickwinkel des letzten noch lebenden Schmieds der Yasukuni-Schwerter beleuchtet, sowie seine Hintergründe findet ihr bei asahi (der Zeitung, nicht dem Bier). Und eine wie immer lesenswerte Kritik bei Thomas.

Via ryuganji

David Bordwell war die letzten Tage in Japan unterwegs und hat aufregendes zu berichten: Er hatte nämlich Gelegenheit, einen kürzlich in den Archiven von Shochiku entdeckten und im japanischen Fernsehen gezeigten Film namens Miss Okichi (im Original Ojo Okichi) aus dem Jahr 1935 zu sehen. Kenji Mizoguchi wird als Regisseur genannt, zusammen mit bzw. nach Tatsunosuke Takashima (der die Drehbücher für mehrere Filme Mizoguchis geschrieben hatte), Hauptdarstellerin ist Isuzu Yamada und zum Plot schreibt David:

A bit like The Downfall of Osen (Orizuru Osen, 1935), this film centers on a woman who’s a cat’s paw for a gang involved in shady dealings. Okichi, played by Yamada Isuzu (whose bosom I nestle against in my earlier entry), is pulling scams for the sake of her lover. But she falls out with the gang and takes pity on one of the young men whom she victimizes.

Abgesehen von der mizoguchiesken Auseinandersetzung mit einer Frau, die sich für einen Mann aufopfert, weist Miss Okichi wohl einige weitere typische Elemente auf. Selbst wenn noch nicht klar ist, wie groß sein Anteil an dem Film letztlich war, klingt das nach einer sehr spannenden Entdeckung (und nach reichlich Arbeit für Filmhistoriker). Wer weiß, welche Schätze noch in den Archiven schlummern!

Neben diesem wohl absoluten Höhepunkt seiner Reise erzählt David von Besuchen in Toeis Filmpark, Gesprächen mit alten Kollegen und Schülern und in einem früheren Posting von einer Konferenz sowie dem Besuch am Grab Yasujiro Ozus.

Gestern wurden zum 31. Mal von der Nippon Academy-sho Association die Japan Academy Awards vergeben. Großer Gewinner mit fünf Preisen war Tokyo Tower. Die Adaption der Autobiographie des Künstlers Lily Franky mit Joe Odagiri in der Hauptrolle wurde als bester Film sowie für Regie, Drehbuch, Hauptdarstellerin und Nebendarsteller ausgezeichnet.

Drei weitere Preise gingen an Bizan sowie I just didn’t do it, eine halbdokumentarische, kritische Auseinandersetzung mit dem japanischen Justizsystem. Als bester Anime wurde Tekkonkinkreet ausgezeichnet und als bester ausländischer Film Clint Eastwoords Letters from Iwo Jima.

Hier sind die Gewinner:

  • Best Picture: Tokyo Tower
  • Best Animated Picture: Tekkonkinkreet
  • Best Foreign Language Film: Letters From Iwo Jima
  • Best Director: Joji Matsuoka (Tokyo Tower)
  • Best Screenplay: Suzuki Matsuo (Tokyo Tower)
  • Best Actor: Hidetaka Yoshioka (Always: Sunset on Third Street 2)
  • Best Actress: Kirin Kiki (Tokyo Tower)
  • Best Supporting Actor: Kaoru Kobayashi (Tokyo Tower)
  • Best Supporting Actress: Masako Motai (I just didn’t do it)
  • Best Cinematography: Takahiro Tsutai (Bizan)
  • Best Lighting Direction: Yoshitake Hikita (Bizan)
  • Best Music: Michiru Oshima (Bizan)
  • Best Art Direction: Kyoko Heya (I just didn’t do it)
  • Best Film Editing: Junichi Kikuchi (I just didn’t do it)
  • Best Sound Recording: Hitoshi Tsurumaki (Always: Sunset on Third Street 2)

Und für Japanisch-Versteher der Link zu allen Nominierten.

Heute, am 13. Februar 2008, starb mit Kon Ichikawa der letzte große Regisseur aus der goldenen Phase des japanischen Nachkriegskinos im stolzen Alter von 92 Jahren. 60 Jahre lang war er als Regisseur tätig gewesen: 1946 drehte er seinen ersten eigenen Film, Musume dojoji, nachdem er zunächst als Trickfilmzeichner zum Film gekommen war und dann als Regieassistent Erfahrungen sammelte.

Portrait Ichikawa KonNach einer Reihe von Komödien (darunter ein Remake des 20er-Jahre Klassikers The Woman who touched the leg) erlebte er seinen Durchbruch mit The Burmese Harp. Innerhalb kurzer Zeit etablierte er sich mit weiteren großen Werken wie Conflagration, Bonchi, Odd Obsession und wurde 1964 mit der Dokumentation der Olympischen Spiele in Tokyo beauftragt. Diese Phase seiner Karriere war geprägt von der Zusammenarbeit mit der Drehbuchautorin Natto Wada, die er auch heiratete, und dem Kameramann Kazuo Miyagawa, unbestritten der herausragendste seines Fachs in der japanischen Kinogeschichte.

In dieser Zeit genoss Ichikawa weitgehende künstlerische Freiheit und konnte seine Projekte nach Belieben umsetzen. Die Studios erlaubten ihm sogar Extravaganzen wie die finale Einstellung von The Broken Commandments, für die er zwei Wochen lang mit seinem Team auf Schneefall wartete. Diese Filme beschäftigen sich meist mit sozialen Missständen und gesellschaftlichen Problemen, den Seiten der Realität, die gern ausgeblendet werden.

Nachdem Wada Mitte der 1960er Jahre die Arbeit an Drehbüchern aufgab, gelang es ihm nicht mehr, an diese brillante Phase seines Schaffens anzuknüpfen. Gemeinsam mit Akira Kurosawa und Kinoshita Keisuke gründete er ein eigenes Produktionsstudio, das sich jedoch nach nur einem Projekt (Kurosawas Dodeskaden) wieder auflöste. Ichikawa drehte weiter, unter anderem 1985 ein Remake von The Burmese Harp. Seinen letzten Film drehte der 1915 Geborene genau 60 Jahre nach seinem Debut im Jahr 2006, als er bereits jenseits der 90 war.

Wichtige Filme Kon Ichikawas:

1946 – Musume dojoji
1956 – The Burmese Harp
1956 – Nihonbashi
1958 – Conflagration
1959 – Odd Obsession
1959 – Fires on a Plain
1960 – Bonchi
1962 – The Broken Commandments
1963 – An Actor’s Revenge
1964 – Tokyo Olympiad
1966 – Genji monogatari
1976 – The Inugami Family
1983 – Sasame yuki
2000 – Doraheita
2006 – The Inugamis

Letztes Jahr war ich mit meiner Dauerkarte und viel Begeisterung auf dem 8. Japanischen Filmfestival hier in Hamburg unterwegs und habe über die gesehenen Filme und das eine oder andere Erlebnis drumherum so ausführlich ich konnte berichtet. Abschließend war ich damals mit den Filmen sehr zufrieden, hatte aber noch ein paar Anregungen, besonders was die Verbesserung der Festival-Website anging. Tja, und die kann ich jetzt selbst umsetzen, ich bin inzwischen nämlich offiziell im Organisationsteam und natürlich für die Website zuständig. Ich konnte ja meine Klappe nicht halten… ;-)

Am Freitag war das erste große Treffen, auf dem einiges zur Organisation besprochen und noch offene Aufgaben verteilt werden sollten. Das war natürlich sehr spannend, aus der Zuschauerrolle in die eines unmittelbar Mitwirkenden zu wechseln! So informiert kann ich an dieser Stelle schonmal ankündigen, dass das Festival etwas später beginnen wird als in der Vergangenheit, voraussichtlicher Starttermin ist der 28. Mai 2008. Und es werden etwas weniger Filme laufen als 2007, Feedback vieler Besucher war wohl, dass man sich von der Vielfalt etwas überfordert fühlte.

Ansonsten? Es wird wohl noch jemand gesucht, der die Kopiekontrolle übernimmt (also die Filmkopien entgegennehmen, in die Kinos schaffen und zum Verleiher zurück- bzw. zum nächsten Festival weitersenden). Eine ziemlich verantwortungsvolle Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nimmt, aber auch sehr interessant ist weil man mit vielen Leuten aus der Branche in Kontakt kommt. Wäre ich nicht mit der Website schon gut ausgelastet, würde mich das ganz schon reizen. Wer Lust hat, mitzumachen, ich vermittele gern den Kontakt! Vielleicht könnte man da auch ein Praktikum drumherum stricken?

Seit über 80 Jahren benennt das renommierte Filmmagazin Kinema Junpo jährlich die 10 besten japanischen Filme. Ohne große Worte zu verlieren, das sind die ausgezeichneten des vergangenen Jahres:

  1. I just didn’t do it (Masayuki Suo)
  2. A gentle breeze in the village (Nobuhiro Yamashita)
  3. Talk, Talk, Talk (Hideyuki Hirayama)
  4. Sad Vacation (Shinji Aoyama)
  5. Summer Days with Coo (Keiichi Hara)
  6. Dog in a Sidecar (Kichitaro Negishi)
  7. Matsugane Pot Shot Affair (Yobuhiro Yamashita)
  8. Tamamoe (Junji Sakamoto)
  9. Yunagi City, Sakura Country (Kiyoshi Sasabe)
  10. Funuke show some love, you losers (Daihachi Yoshida)

Bin mal gespannt, welche davon auf den anstehenden Festivals hierzulande gezeigt werden.

Via Jason Gray

Über Japankino

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